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Atlantik, Teil 1

Von Mindelo bis Mitte Atlantik

Und dann ging`s endlich doch los. Nach langem Warten konnten die 17 verbliebenen ARC+ Schiffe am Montag (23.11) starten. Irgendjemand in den Kapverden beendete die Sandkastenspiele und lieferte unsere C19 Tests auf den allerletzten Drücker. Halleluja.

Die Stimmung der letzten Tage in der Flotte war wie bei Rennpferden, die Crews scharrten mit den Füßen um endlich zu starten und alle Schiffe waren ständig innerhalb von 2 Stunden startklar. Schätze der gute Stefano vom ARC+ Team war der glücklichste Mensch, als er die 17 Schiffe um 15.00 h über die Startlinie hupen konnte und uns endlich von der Backe hatte.

Toni hatte sich kurzfristig entschlossen nach Hause zu fliegen und damit waren wir dann für das echte Crossing zu viert. Wir bauten unseren Wachplan von fünf auf vier um und der freie Tag für jeden fiel aus. Auf der Rivercafe ist immer eine/r auf Wache, damit sind Ruder und Funk 24 h am Tag besetzt. Dazu ist eine/r Standing-by in der Nähe. Zwei sind off-watch. Tagsüber ist der Zyklus 4 Stunden (3*4), nachts 3 Stunden (4*3).  Das System rolliert und jeder muss sich dann alle paar Tage um Mitternacht zur Hundewache oder um 3 h morgens aus der Koje quälen. So hat jeder genügend Freizeit und Schlaf. Es sei denn, nachts müssen die Segel gewechselt werden oder das Tuch runter genommen werden, weil z. B. ein Squall kommt. Eigentlich gibt’s fast jede Nacht ein Manöver. Wer dann Pech hatte und eigentlich schlafen wollte, kann sich dann zu ungewöhnlicheren Zeiten aufs Ohr legen.

Aber zurück zum Segeln. Gary hatte die Ehre den Start zu segeln. Wir hatten die GRIP files, der Wetterdaten intensiv studiert und unser Routing und unsere Strategie festgelegt. Auch wenn  alle Schiffe die gleiche direkte Distanz von 2.090 nm von Mindelo nach St. Lucia segeln, gibt es tausend verschiedene Wege. Und nach einem Tag hat man keinen Kontakt mehr zu den andern Schiffen. Der Atlantik ist so verdammt groß, das die Schiffe schnell 100 nm entfernte höhere oder tiefere Breiten ansteuern.

Den direkten Weg von A nach B nennt man „rumbline“. Streckenmäßig ist es der kürzeste Weg, aber so gut wie nie der der schnellste. Dazu müssten der Wind, die Wellen und die Strömung perfekt passen und das ist ziemlich unwahrscheinlich. Länger ist also meistens schneller. In unserem Fall machten wir gleich nach dem Start einen Umweg von 80 nm Richtung Nordwesten, während die 16 anderen nach Westen abdampften. Unser Plan war es, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu sein, um dann die passenden Winde für unseren Spinnaker Kurs zu treffen. Soweit die Theorie. Nach dem ersten Tag waren wir deshalb nur 14te. Zur Halbzeit scheint das aufzugehen, denn da waren wir schon auf Platz 6 und der schnellste Katamaran.

Kein Wasser

Die erste Nacht auf See begann mit einer besonders unerfreulichen Nachricht. Unser Wassermacher streikte. Also kein Frischwasser in den nächsten zwei Wochen. Ganz besonders blöd, weil wir nur die Notreserve aufgefüllt hatten und nur einer unseren beiden Tanks voll war. Wir wollten dem staubtrockenen Sao Vincente nicht noch weiteres Wasser abknöpfen und uns selbst auf dem Meer versorgen. Leopard über Sat Mail war keine Hilfe. Schon blöd, wenn die Werft nicht in der Lage ist, ein stabiles System im Werte eines Kleinwagens zu installieren.

Unsere neue Sparsamkeit erlaubt uns 5 l Wasser pro Tag pro Person bis St. Lucia. Und nein, der Rest wird nicht mit Alkohol aufgefüllt. Crossings sind bei uns komplett alkoholfrei. (das Bier auf den Fotos ist alkoholfrei).  Duschen, kochen und spülen also nur noch mit Meerwasser. Habt ihr schon mal Gemüse oder Nudeln in Meerwasser gekocht? Sehr gewöhnungsbedürftig, muss nicht sein. Nachsalzen ist nicht mehr nötig.

Gewöhnungsbedürftig sind auch die Meerwasserduschen aus dem Eimer. Jeder hat dann knapp einen Liter Frischwasser zum abspülen. Jede Dusche ist gleichzeitig ein Peeling. Aber es geht alles, mit einem Rumpunsch und Frischwasserdusche in St. Lucia im Sinn. Im Moment scheint das noch eine Fata Morgana.

In der Sahelzone sind das vermutlich immer noch luxuriöse Bedingungen, aber naja, wir hatten uns schon auf mehr Komfort gefreut. Unsere gute Stimmung litt darunter aber nicht die Bohne. Jana, Ka und Gary übertreffen sich mit sensationellen Speisen, eindeutig nicht in meiner Kochliga. Meine deutlich bescheideneren Gerichte werteten die anderen umso mehr auf – jeder muss bei uns kochen. Mal gespannt wie lange es dauert, bis die drei das bereuen.

Es dauerte wieder ca. 3 Tage, bis der „crossing mode“ eingelegt war. Bis die Routine.wieder da war. Die ersten Tagen waren ziemlich wellig, bis zu 5 m Welle schüttelten uns durch, meistens 3-4 m. Bei der Nachtwache wirken die Wellen unglaublich groß und beeindruckend, wenn das Schiff die Wellen runtersurft. Wir können pi mal Daumen den halben true Wind segeln, meistens etwas mehr – und dann stand da plötzlich eine 15 kn auf dem Display. Wir wechseln ständig unsere Segel, damit wir die sich ändernden Bedingungen optimal nutzen. @Dirk H.: nix mit einmal trimmen und rüber .

Dann Tage später, ist das Meer flach und gerade mal schlappe 7 kn Wind treiben uns mit 3-4 kn voran. Dennoch konnten wir bisher jeden Tag über 150 nm segeln.

Auf unserem Weg von Europa in die Karibik queren wir fünf Zeitzonen. Die erste gleich auf den Weg auf die Kapverden. Von dort aus müssen wir noch viermal eine Stunde zurück stellen, was uns dann vier 25stunden Tage schenkt. Alle 15 Längengrade stellen wir eine Stunde zurück um in St. Lucia zur Ortszeit anzukommen. Die zweite Zeit an Bord ist UTC, die immer konstant bleibt und im Englischen Greenwich gemessen wird. D. h. unsere Bordzeit entfernt sich auf mit jedem Längengrad nach Westen weiter von der UTC.

Kurz vor der Halbzeit, begingen wir den 1. Advent ziemlich stilvoll. Ka zauberte köstlichen Weihnachtsplätzchen Ersatz und es erklang Weihnachtsmusik über die ruhige See.

Nach genau einer Woche liegen 1.100 nm hinter uns, Halbzeit. Für die zweite Hälfte sind ganz schwache Winde angesagt.  Mit Teil 2 geht’s weiter. /Holger Binz

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