Corona-Einsamkeit

Corona ändert alles

Reisevorbereitung mit Pandemie

Dieser Mistvirus wirft alles über den Haufen. Klar, es sind alle Menschen davon betroffen, auch wenn manche länger brauchen um das zu kapieren. In Deutschland ist Klopapier ausverkauft, in Frankreich Rotwein und Kondome und in den USA sind Waffen und Munition die Beststeller. Jeder geht mit einer Krise anders um – savoir vivre.

Bei uns in Luxembourg wurde am 17.3.2020 der Notstand ausgerufen und während ich das schreibe, sind wir freiwillig zu Hause in quasi Quarantäne. Zum Glück bei bester Gesundheit, aber frustriert. Wir können Luxembourg nicht verlassen und das wäre natürlich auch nicht klug und verantwortungsvoll. Alles ist längst geschlossen, Restos, Geschäfte und auch einige Verwaltungen. Der Alltag steht still, ein Dornröschenschlaf. Bizarr für einen der wichtigsten Finanzstandorte der Welt.

Die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert gut, wir müssen nicht darben. Und unser Weinkeller ist noch gut gefüllt. Wir haben jetzt sehr viel unerwartete Zeit, versuchen etwas Sinnvolles zu tun. Aber unsere Vorbereitungen stocken natürlich. Ein Land nicht verlassen zu können, fühlt sich für uns gar nicht gut an. Und nicht zu wissen wie lange es dauert noch weniger gut. Zum ersten Mal haben wir nichts mehr in Griff und keinen Einfluss mehr. Wir müssen uns in etwas üben, in dem wir beide ganz schlecht sind: Geduld.

Natürlich wissen wir jetzt nicht, ob unsere Flüge gehen werden und ob wir in Südafrika einreisen können. Ob wir das Schiff übernehmen können. Und wenn unsere Flieger wie geplant starten, ist unklar, ob wir dann die nötige Dokumente und Visa dabei haben.

Unsere letzte Vorbereitungsphase haben wir uns anders vorgestellt, deutlich sentimentaler und harmonischer. Alles war getimt, organisiert, vereinbart. Der Virus macht unsere tolle Planung der letzten 3 Monate zum Datenmüll. Alle vereinbarten Termine wurden abgesagt, mit einer Ausnahme:

Rivercafe ist noch im Plan

Eine gute Nachricht haben wir aus Kapstadt bekommen: die Werft von Robertson & Caine (Leopard) ist noch virenfrei und es wird gearbeitet. Im Moment ist die geplante Übergabe für den 1. Juli noch bestätigt. Stand heute. Das tröstet enorm, denn ein Schiff ist für eine Weltumsegelung nicht ganz unwichtig. Wenn wir es nur auf die Rivercafe schaffen würden….

Segelfreunde die auf einen Kat von Fountain Pajot warten, wurden bereits informiert, dass die Werft in Frankreich coronisiert hat und nicht mehr arbeitet. Deren Auslieferung ist erst mal abgesagt. Aber Dee und Steve können im Moment auch nicht nach Europa einreisen. Unsere Luxembourger Segelbuddies Raymonde und Guy kommen nicht zu ihrem neuen Kat, der in Frankreich auf die Feinarbeit wartet. Wieder ein paar Pläne für die Tonne.

Wir profitieren im Moment davon, dass unsere Vorbereitungen schon sehr weit gediehen sind. Unsere Crewshirts aus Italien sind angekommen, bevor die Firma geschlossen wurde. Die Fender aus Frankreich sind auch ausgeliefert, keine Woche zu früh. Und unsere Kisten für Kapstadt kamen gerade noch rechtzeitig aus dem Land. Zum Glück sind unsere Luxembourger Pässe bereits verlängert, denn jetzt hat die Verwaltung geschlossen.

Aber alles was wir noch nicht angehen konnten, wird zu erledigen deutlich komplizierter. Botschaften haben den Kontakt eingestellt und stellen keine Visa mehr aus. Alle Botschaftstermine wurden ersatzlos storniert. Ein US B1/B2 Visum ist zwar 10 Jahre gültig, einen Interviewtermin gibt’s dennoch nicht. Schätze mal, das ist eher psychologisch als epidemiologisch begründet. Verwaltungen arbeiten wenn überhaupt, dann nur sparsam. Viele Regeln wurden verschärft und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, macht es noch schwerer.

Südafrika hat für Deutsche die Einreise untersagt. Schätze es wird nicht lange dauern, bis sie auch Luxembourg auf der Weltkarte entdecken. Aber auch wenn nicht: Emirates fliegt nicht mehr. Wenig überraschend gibt es keine Direktflüge von Luxembourg nach Südafrika. Wir müssen über Deutschland oder England und das geht gerade nicht. Es bringt im Moment auch nichts nach Alternativen zu suchen. Morgen kann alles wieder anders sein.

Auch in den Banken sind viele in Quarantäne, andere sind überlastet und faktisch geht kaum noch was. Auch der Abschluss unseres Hausverkaufs verzögert sich. Deshalb können wir auch erst weg, wenn das erledigt ist. Sehr schade, denn das nimmt uns einige Optionen und Flexibilität.

Wir hoffen, dass wir unser Schiff registrieren können und die Regulierungsbehörde Funklizenzen zuteilt. Das können wir jetzt einfach nur abwarten. Völlig nutzloses abwarten sind wir beide nicht gewohnt und mir fällt es sehr schwer, damit umzugehen.

Viele unserer Segelfreunde kämpfen mit den Beschränkungen durch den Virus. Manche sind in Quarantäne an Bord, andere sind noch an Land gekommen. Einfach ist das reisen nirgendwo mehr, aber das ist sehr verständlich.

Klar, man könnte auch relaxt die nächste Flasche Wein entkorken und erst Mal den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Sit and wait. Wir haben aber mehr als zwei Jahre täglich daran gearbeitet, am 1. Juli wieder mit unserem Blauwasser Leben zu beginnen. Ich habe keine Ahnung, wie viele Weinflaschen es braucht, bis man das cool sieht. Wenn ich wüsste, dass wir in drei Monaten im Flugzeug nach Kapstadt sitzen würden, wäre ich besser genießbar. Wenn wir auf der Rivercafe wären und etwas Proviant hätten, brauchen wir sowieso 2 Monate, bis wir wieder Zivilisation sehen. Wir müssen es irgendwie schaffen an Bord zu kommen.

Aber solange es sehr viele Menschen gibt, die Tag und Nacht schuften um anderen das Leben zu retten, sollte man den Maßstab nicht aus den Augen verlieren. Herzlichen Dank an all diese Menschen.

Wir werden in jedem Fall lossegeln. Und wenn es wie geplant am 1. Juli losgehen kann, werden wir sehr, sehr dankbar sein. Bis dahin, bleibt gesund. / Holger Binz

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