Nachtschicht. Henri malt
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Ihr werdet mir fehlen 4.1.2018 Tagebuch

Ihr werdet mir fehlen

Nun ist wirklich noch einige Zeit bis wir los segeln. Über ein Jahr. Aber die Gedanken an das Vermissen stellen sich schon ein.

Das: Ihr werdet mir fehlen,  gilt für weitgehend alle Menschen, mit denen ich meine Tage verbringe.

Meine Familie, Mama und Tochter, Henri und Hannah, Sabine, meine Nachbarin, Serge, Irene, Valerié, Michaela, Stefanie, Manfred, Jürgen und Astrid und Michi und … , die nette in der Bäckerei, Thommy und Birgit, unsere ältesten Freunde und Yvonne, Daniel, Rike und Stephan und alle die jedes Jahr zu meinem Geburtstag kommen, Bea, meine Sporttrainerin … Gestern habe ich Armand den Postboten hier in der Straße gesehen und mich gefragt: Wird er mir fehlen? Also wirklich. Jetzt reicht es dachte ich. Wir haben so viele wunderbare Menschen auf unserer letzten langen Reise kennen gelernt. Und ja, die fehlen mir auch. Silvester ist für mich das ultimative “Ihr fehlt mir Datum Ich höre Peggy Lee My Dear Acquaintance (A Happy New Year)
Und es fehlen mir all die mir was bedeuten und die gerade woanders sind. Sentimentalität zählt zu meinen Eigenschaften und loslassen nicht zu meinen Stärken. Jetzt hat sie auch noch einen guten Grund sich Bahn zu brechen und dauernd in nervend in Erscheinung zu treten.

Dem Himmel sei Dank bin ich schon wieder im Alltag angekommen. Aber es beschäftigt mich sehr.

Die Allerliebsten

Henri und Hannah. Ich kann mir gar nicht und ich will mir auch gar nicht vorstellen, wie es ist, eine Zeit ohne die Beiden zu sein. Wenn ich an sie denke hüpft mein Herz, ich lache über Henris erste Witze und amüsiere mich, was Hannah schon alles so aufschnappt. Ihre Eltern Jil und Holgi werden schon dafür sorgen, dass es meinen beiden Herzblättern gut geht. Damit tröste ich mich. Wenn Henri bei mir ist, morgens um 5:30 an meinem Bett steht und dringend etwas tun muss wie zum Beispiel malen und dabei einen Kakao trinken, ist meine Welt in Ordnung.

Jil, die ich mit 22 inmitten meiner Studien und Lehrjahre geboren habe, tröstet mich. Sie weiß, dass wir auch den Kindern fehlen werden, aber sie ist begabt im Loslassen. Sie weiß, dass in meinem Finanzplan der Posten: Kinder besuchen groß ist und verlässt sich darauf. Das macht mir das Los segeln einfacher und ich bin ihr enorm Dankbar dafür.

Mama. Die hat ihre Kinder noch nie aufgehalten. Ja sie ist ängstlich und ich will nicht daran denken, wie oft sie sich Sorgen macht, aber als sie das letzte Mal mit mir auf dem Meer gesegelt ist sagte sie: Ich würde am liebsten mitkommen. Inzwischen ist sie 78 und hält sich mit einem würdigen, gesunden Lebensstil immer noch aufrecht wie eine 30 jährige.

Mit meinem Vater hab ich wenig Kontakt. Es interessiert ihn nicht, was wir so treiben. Er steht im Mittelpunkt. Nach meiner ersten 2-Hand-Atlantiküberquerung hat er nicht eine einzige Frage zur Reise gestellt. Ich hab mich schon gefragt, ob er überhaupt wusste, das wir 1 ganzes Jahr unterwegs waren. Eine Generationsfrage vielleicht. Aber jeder, der sich keine Sorgen um mich macht, macht mir das Reisen um die Welt einfacher.

Freunde

Mein derzeit am häufigsten gesprochener Satz – im Zusammenhang mit meiner anstehenden Weltreise – ist: “kommt uns doch besuchen wir sind sozusagen ein segelndes Hotel”. Es wird sich zeigen wer uns folgt, wer auch dann noch interessiert ist, wenn wir nicht mehr da sind. Gestern sagte mein Physiotherapeut (ein ausgesprochen reflektierter Mensch) Viele Menschen sind aus rein pragmatischen Gründen miteinander befreundet. Nun denke ich darüber nach, mit wem ich aus pragmatischen Gründen befreundet bin und wo überhaupt eine Freundschaft beginnt und eine Bekanntschaft endet. Was mir an wem wichtig ist. Bei Irene kann ich ganz ich selber sein, ich kann exakt sagen, was ich denke, auch über sie. Prädikat wertvoll finde ich. Bei Thommy und Birgit ist es eine gewachsene tiefe Zuneigung. Yvonne beeindruckt mich genau wie Sabine mit einem riesigen Herzen für alles und jeden. An Valerié liebe ich ihren Tiefgang und so könnte ich weiter machen.

Aber es werden mir auch die fehlen, mit denen ich weniger befreundet bin.  Der eben genannte Physio. Unsere Gespräche gleichen Picassos Gespräche mit seinem Friseur. Jürgen und Stephanie, Michael und Bärbel und einige andere Kunden werden mir nicht wegen der Rechnungen fehlen, die ich schreibe.

Es fällt mir so viel leichter über die Dinge zu schreiben, die ich hier lassen muss als über die Menschen, die ich seltener oder teilweise gar nicht mehr sehen werde, dass ich jetzt mit einem Traurigkeits-Flash auf die Couch steigen werde und Babylon Berlin weiter schaue.

/kb

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