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Martinique

Schönes Martinique – gastunfreundliches Martinique

Sie war viel zu kurz, unsere Zeit in Dominica. Zum Sonnenaufgang um 5.30 h verließen wir bei spiegelglattem Meer die Prince Rupert Bay. Unsere 55 nm Strecke nach Martinique führte uns 22 nm entlang der Insel im maximalen Windschatten. Nur 3-7 kn Wind schafften es über die wirkungsvollste Windabdeckung der Karibik. Viele Inseln sind ähnlich hoch, aber bei keiner ist der Windschutz so komplett. Wir mussten motoren, wollten wir unser Ziel St. Pierre im Norden Martinques noch bei Tageslicht erreichen.

Kaum hatten wir die 25 nm lange Passage zwischen Dominica und Martinique erreicht, zog auch gleich mieses Wetter auf. Das spiegelglatte Meer wurde von einem Moment zum anderen wellig und der Wind frischte von 3 auf 20 und 30 kn auf. Wir zogen mit 2 Reffs in Groß und Genua mit 7-9 kn durch die Passage, vorbei unter den bedrohlich tiefgrauen Wolken.

St. Pierre

St. Pierre wird im DK Reiseführer unserer Freunde als „florierendes und modernes Städtchen“ gepriesen. Ich wüsste gerne, was der Mensch geraucht hat. Vor dem Vulkanausbruch vor 100 Jahren, war es bestimmt nett. Heute ist es ein Dorf, in dem Splatter Movies gedreht werden könnten..

Wir wollten uns einchecken, aber das einzige Restaurant mit Check-in Terminal hatte Jahresurlaub. Offenbar ist das Dorf auch nicht an segelnden Besuchern interessiert, denn der Ankerplatz vor dem Dorf war systematisch von den Fischern vernetzt. Wir blieben dennoch am Ankerplatz südlich, außerhalb des Dorfs. Das Holding war gut, aber Wind und Strömung drehen uns mehrfach um 360 Grad, was das Miteinander unter den Schiffen verkomplizierte.

Grande Anse

Am nächsten Morgen gingen wir uneingecheckt weiter nach Grande Anse. Auch hier sind Segler nicht mehr willkommen. Ankern ist verboten und das angeblich 50 Mooringbojen große Feld wurde auf der nördlichen Seite der Bucht demontiert. Südlich sind ein paar übrig, aber weit über die Hälfte für Schiffe bis 8 m und fast alle anderen sind von Locals belegt. Es gibt eine Capitainerie, die nicht auf Funk reagiert, aber auftaucht, wenn man an einer 8 m Boje festmacht, die locker 15 m Yachten halten würde. Wir sollten doch bei nächsten Mal vorbestellen. Auf meine Frage, warum die Bojen entfernt wurden und ob neue ausgebracht würden, bekam ich ebenso wenig eine Antwort, wie auf meine Mail.

Die Bucht ist schön, der Strand grandios und zahlreiche Kneipen und Restos laden zum Besuch ein. Es gibt sogar einen Unterwasser Schnorchel-Pfad. Schade, aber eindeutiger kann man nicht zeigen, dass Besucher unerwünscht sind. Grand Anse kann man getrost als Ziel streichen.

Anse d`Arlet

Im Slalom um unzählige Fischerfallen gingen wir in die nächste Bucht, nach Anse d`Arlet. Auch hier ist ankern vor dem Dorf verboten und auch hier waren die angeblich ausliegenden Mooringbälle für Schiffe über 8 m nicht zu sehen. Wir verlegten uns wieder in eine Bucht südlicher vor Anker. Der Halt ist ok, aber man muss mit 360 Grad Drehungen leben. Hier checkten wir schließlich ein, aber auch das was total absurd. Nach dem ich gefühlt alle Einwohner gefragt hatte, landete ich in einem Hinterhof, in einen Container einer Computerbude am Check-in Computer. Ehrensache, dass es keine Hinweisschilder gab, nicht mal an der Tür.

Ins Dorf sind es nur ein paar Dinghi Minuten. Anse d`Arlet ist klein, aber ein netter Ort. Eine kleine Standpromenade verläuft gleich am schönen Sandstrand, mit Dhingidock, Bars und Restaurants. Das Highlight ist aber das Schnorchel Gebiet, gleich am Strand. In geringer Wassertiefe ist sehr viel zu sehen und Tiere und Pflanzen werden auf schwimmenden Pontons auf Französisch beschrieben. Wir besuchten es gleich zweimal.

Le Marin

Die letzte Segelstrecke mit unseren Freunden führte uns in den Süden Martiniques, in die Marina von Le Marin. Leider bei unerfreulichem Wetter gegen Wind und Welle. Wir mussten motoren und die Rivercafe wurde von reichlich Sargassum Gras überflutet. Ich kenne keinen Ort in der Karibik, in dem so viele Schiffe liegen. In St. Anne sind es Hunderte vor Anker, in der anschließenden Bucht von Le Marin und in der Marina sieht man nur Masten.

Wir buchten uns für ein paar Tage in die Marina ein und machten per Mietwagen ein paar Tripps um die Insel. Wir zeigten unseren Freunden Orte, über die ich schon in einem früheren Blog berichtet hatte. Nach 11 Tagen an Bord verließen uns Moni und Tilman und wir hatten noch ein paar Jobs zu erledigen.

Unfreundliches Martinique

Nach dem Besuch von Martinique haben wir zwei Inseln kennen gelernt. Das schöne Martinique, für „normale“ Besucher und das gastunfreundliche Martinique für Segler. Alle Orte im Osten der Insel hätten auch gleich „Segler unerwünscht“ plakatieren können. Wenn ankern verboten ist, dann ist ein ausreichendes Angebot von Mooringbällen nicht zu viel erwartet. Vor allem, da mehr als genug Platz ist.

Den Höhepunkt der Unfreundlichkeit erlebten wir in Anse d`Arlet. Jemand schnitt säuberlich unseren Ankerball ab und klaute ihn. Mir scheint, die Fischer haben die Kontrolle übernommen. Hunderte von Fischerfallen liegen schlecht sichtbar im Wasser, im Fahrwasser wie auch in Landnähe. Das macht die Navigation sehr nervig und das Ankern oft unmöglich. Schätze die Resto- und Kneipenbesitzer werden es bald an ihren Jahresbilanzen ablesen können und dann reguliert sich diese Einseitigkeit hoffentlich wieder. Und falls nicht – es gibt so viele andere schöne Inseln.

Der Rest der Saison

Die Hurricane Saison hat am 1. Juni offiziell begonnen und das National Hurricane Center der NOAA hat wenig überraschend wieder eine überdurchschnittliche Saison prognostiziert.

Vor uns liegt nur noch eine Etappe, bevor unsere zweite Saison mit der Rivercafe beendet ist. Nur noch eine Passage von 25 nm nach Rodney Bay und dann noch ein kurzer Schlag in unser Hurricane Hole in der Marigot Bay. Die Rivercafe wird dort die Hurricane Season verbringen und wir hoffen natürlich, dass uns kein Hurricane treffen wird. Drückt uns und den anderen Seglern die Daumen. / Holger Binz

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