Tag 39

Die Ruhe der äquatorialen Kalmen

Zuerst die Nachricht, die viele von Euch interessiert: die Rivercafe ist immer noch nicht in Tenerife angekommen. Es ist der 8. Tag angebrochen, seit die Jungs Mindelo und die Kapverden verlassen haben. Der Marina Mindelo Chef Lutz war sehr hilfreich, damit der Stopp nur einen Tag und Nacht gedauert hat und die Crew nicht an Land musste. Damit konnten die Jungs sich und uns das C19 Protokoll ersparen, was uns weitere sinnlose Tage gekostet hätte.

Ka und ich sind ja per se ziemlich knapp mit Geduld bestückt, aber Tag 39 ist eine harte Nuss für uns. Mein mehrfacher täglicher Blick auf Google Earth zeigt auch, dass es ein beeindruckend großes Stück Erde ist, das unsere Rivercafe umrundet. Und jetzt steht unser Mietwagen fertig gepackt mit Koffern, Fahrrädern, Angeln und Tauchflaschen in der Garage. Wunderlich das der Motor noch nicht läuft. Wir sind sowas von fertig um sofort zum Schiff zu fahren – wenn sie denn mal ankommt.

Aber wie ihr wisst, haben wir seit Ascension Island keine offshore Kommunikation mehr. In Mindelo kam ein update, das alles an Bord ok ist. Dazu kamen auch neue Wegepunkte, aber nach denen müsste Gary gleich um die Ecke kommen. Ich bat Tenerife und El Hierro um Funkkontakt, beide kommen auch nicht durch. D. h. die Rivercafe ist mindestens 60 nm vom Kanarischen Archipel entfernt – das ist die längste theoretische Reichweite für VHF Funk.

Wie seit Ascension bleibt mir also nur den Kurs anhand der Wegepunkte zu koppeln, das Etmal nach den aktuellen Winden an der vermuteten Position zu schätzen und eine neue geschätzte Position einzutragen. Ist nicht wirklich genau und noch weniger befriedigend, aber besser als nix. Oder vielleicht auch nicht. Auf der Strecke Ascension – Kapverden lag ich nur knappe 30 nm daneben. Jetzt ist es deutlich mehr.

Äquator crossing

Vor ein paar Tagen  haben wir erfahren, das zwei unserer Jungs den Äquator „überschwommen“ haben. Das ist doch mal eine tolle Äquatortaufe und damit war die Rivercafe zum ersten Mal in ihrem Leben auf der Nordhalbkugel. Das die See so ruhig ist, dass man mitten auf dem Atlantik schwimmen kann, ist in der Zone 10 Grad Nord bis 10 Grad Süd um den Äquator (theoretisch 1.200 nm breit) gar nicht selten. Diese Region um den Äquator wird „Kalmen“ genannt und die hat schon Generationen von Seglern zur Verzweiflung gebracht. Die Spezialität dieser Tiefdruckrinne: kein Wind. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

Im Kalmengürten treffen die Passatwinde der Nordhalbkugel (NE) auf die Passatwinde der Südhalbkugel (SE) – und neutralisieren sich. Die Winde konvergieren und deshalb wird dieser Bereich auch ITC „Innertropische Konvergenzzone“ genannt. Jeweils nördlich und südlich über die 10 Grad hinaus, schließt sich die Passatwindzone an, der von Seglern gesuchte Korridor. Die ITC selbst kann bis zu 20 Grad Nord und Süd reichen und ist in ständiger Bewegung, was auch die Größe der windstillen Kalmen beeinflusst.

In der Praxis sind die Flauten Zonen deutlich kleiner als 1.200 nm, vorhersehbar und mit aktuellen Wetterdaten ist die Durchquerung in unseren Zeiten auch gut planbar. Vorausgesetzt man empfängt Wetterdaten.

Zum Ausgleich der Windstille, liefern die Kalmen dann aber mit Vorliebe Regen – was an Bord bei großer Hitze gar nicht so unangenehm ist. Den Grund dafür liefert die Sonne. Die steht senkrecht über dem Äquator und lässt die Luft vertikal aufsteigen. Beim Aufsteigen kühlt die Luft ab, kondensiert und liefert nach unten Regen ab.

Übrigens, der Name Kalmen stammt von dem Wort „calm (e) oder calme (fr) und bedeutet ruhig. Häufig verwendet ist auch der Begriff „Doldrums“.

Im Vergleich zu den „alten Seglern“ haben wir es heute viel einfacher. Schiffe die über den Äquator gehen, haben normalerweise reichlich Treibstoff dabei um durch die Kalmen zu motoren. Der Spritvorrat der Rivercafe genügt für fast 1.100 nm, also kein Grund,  age- oder Wochenlang in den Kalmen zu darben, die das unsere Vorfahren zur Zeit der hölzernen Segelschiffe noch ertragen mussten.

Und wieder zurück auf die Kapverden

Wenn wir im November mit der ARC+ in Gran Canaria wieder Richtung Kapverden starten, wird unser Weg nur 800 nm lang sein und um 2-3 Tage kürzer. Der Grund liegt natürlich wieder an den Winden und der Strömung. Üblicherweise kommen Wind und Strömung auf dieser Strecke aus nördlichen Richtungen. Sie geben auf dem Weg zu den Kapverden angenehmen Rückenwind.

Auf dem entgegen gesetzten Kurs, den Gary und seine Crew jetzt segeln müssen, haben sie Gegenwind, also den Wind auf der Nase. Das bedeutet: sie müssen kreuzen und das verlängert den Weg. Im Gegensatz zu Gary und seiner Crew, werden wir auf dem Weg in die Karibik ein paar Tage in Mindelo auf der Insel Sao Vincente stoppen. Für uns wird das ein schönes Wiedersehen, denn wir waren mit unserer Oysterbar 2016 bereits auf den Kapverdischen Inseln. Aber dazu dann mehr. / Holger Binz

 

 

2 Kommentare zu „Tag 39“

  1. Hopefully she will soon be in sight and sound in the Canaries! This waiting sounds like the worst part of it dear Holger and Karin, so near, yet so far…. hope that you hear good news soon, lots of love xx

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