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450 Tage – Bürokratie mag keine Weltreisenden

Kurioses Erlebnisse mit Verwaltungen

Noch 450 Tage. Auf meiner to-do Liste habe ich in den vergangenen 50 Tagen vor allem Bürokratisches abgearbeitet. Ich musste lernen, dass man als Weltreisender quasi nicht existiert. Kafka und Boris Vian schreiben nichts als die reine Wahrheit über Bürokraten.

Bei unserer open-End Reise müssen wir alles anders organisieren, als bei unserem Jahr auf See. Immerhin, die Verwaltungen bei uns in Luxembourg sind sehr hilfsbereit. Aber es hilft auch nicht wirklich weiter, wenn dir jemand nett und freundlich erklärt, dass er nichts für dich tun kann und du nicht mehr krankenversichert sein wirst. In dem Jahr auf See, haben wir 12.000 € für unsere Krankenversicherungenbezahlt, die nicht mal meinen Handbruch erstattet hat. Wir waren praktisch nicht versichert und das für einen stolzen Preis. Mit dieser Erfahrung waren meine Nachfragen besonders penetrant und ich musste lernen, dass Luxembourger, die sich dauerhaft außerhalb der EU aufhalten – was man bei einer Weltreise nun mal meistens macht – nicht versicherbar sind. Kleines Land, kurze Wege und jetzt liegt mein Anliegen beim Gesundheitsminister. Ich darf zwar den „roude Leiw“ (unsere Flagge mit dem roten Löwen) um die Welt segeln, aber freiwillig versichern kann ich mich nicht. Es wird vermutlich darauf hinauslaufen, dass ich die Anbieter unserer Nachbarländer in Anspruch nehmen muss.

A propos Flagge. Um eine Luxembourger Flagge zu führen, muss man einen Wohnsitz in Luxembourg haben. Wenn Du aber nie im Land bist, ist ein Wohnsitz so unnötig wie ein Dudelsack. Du brauchst aber eine Flagge auf einem Schiff, die du aber nicht bekommst, wenn du immer auf den Weltmeeren unterwegs bist, weil du nicht in Luxembourg ansässig bist. Logisch? Du musst zwar keinen Wohnsitz haben, aber du musst einen Wohnsitz haben.

Das gilt übrigens auch für die Bank. Natürlich brauchst du unterwegs auch eine Bankverbindung. Ohne Konto, Kreditkarte und Geldanlage geht nichts. Für eine Bank brauchst Du eine Adresse, sonst kann die Bank jederzeit kündigen. Das kann sie sowieso, aber ohne Adresse ist das garantiert. Geh mal auf Weltreise ohne Bankverbindung. Soll man dann Bargeld in Säcken mit rumschleppen oder Goldbarren in die Bilge legen? Das ist ein bisschen hinderlich für die Geldanlage und außerdem verstößt du dann gegen Einreisebestimmungen, z. B. in den USA. Mit viel Bargeld bist du ein designierter Krimineller. Ein Konto in einem Land auf dem Weg bekommst du auch nicht, weil….tatata….du keine Adresse in dem besuchten Land hast.

Weiter geht’s mit dem Handyvertrag. Wir haben die unseren bei der Deutschen Telekom in festen Verträgen. Damit können wir außerhalb der EU nichts anfangen, was den Berater offenbar überraschte, also habe ich sie gekündigt. Nun brauchen wir aber für einige Verwaltungssachen eine Telefonnummer, z. B. fürs Online Banking, außerdem wollen wir beide unsere Rufnummer behalten. Bleiben nur prepaid Lösungen, die wir aber online verlängert werden können. Dazu braucht man eine Bankverbindung, die mit einem Handy verbunden sein muss. Klaro? Auch für die erste Prepaid Karte braucht man natürlich eine Adresse (KYC gilt nicht nur im Banking). Und dann gibt’s auch noch Prepaid Verträge, die man einmal im Monat nutzen muss, sonst verfällt Vertrag und Telefonnummer. Kann eng werden, auf einem Pazifik crossing so ohne Netz. Ein ganz cleverer Berater meinte, wir sollten doch Karten in den Ländern auf dem Weg kaufen. Uiiii, ein Rat von einem Fuchs. Dachte er, wir würden unseren Data Hotspot in Kapstadt oder Barbados via Telekom Roaming betreiben? Auf unserer letzten Reise hatten wir 8 Handys, denn jede Insel hat einen anderen Provider, der prepaid Karten mit Handy abgibt. Wir kamen irgendwann auf die schlaue aber nicht legale Idee, ein Handy zu jailbreaken und nur noch SIM Karten zu kaufen und einen Daten Hotspot einzurichten. Mit gejailbreakten Handys kann man aber kein Online Banking betreiben, was uns wieder zur Notwendigkeit führt, unsere alten Nummern zu behalten. Gehe eine Runde zurück, aber nicht über Los und der Schwanz wedelt mit dem Hund.

Vodafone bietet übrigens als einziger (mir bekannter) Provider einen Welttarif für schlanke 500 € pro Monat an. Aber dazu braucht man nicht nur – ihr werdet es erraten – eine …tatata….Adresse, sondern auch noch eine Firma für den Businesstarif. Und genau das wollen wir nicht mehr, weshalb wir alles abmelden wollen. Die perfekten Lösungen für Weltreisende sind gemacht für Leute die zu Hause bleiben. Tja, Empathie und Intelligenz sind rare Pflänzchen.

Aber nicht genug des Vergnügens. Da wären auch noch die Reisepässe. Unsere Luxembourger Version ist nur für 5 Jahre gültig, abzüglich der obligatorischen 6 Monate Gültigkeit bei der Ausreise, also tatsächlich nur 4.5 Jahre. Viele VISA sind aber für 10 Jahre gültig, z. B. das US B1/B2 Visum, dass auch noch mit ca. 150 € p. P. reichlich teuer und sehr, sehr viel Beschaffungsaufwand verursacht. Wenn wir also in Fidji ankommen, laufen rechtzeitig unsere Reispässe ab. Bekannterweise gibt es reichlich Luxembourger Botschaften in der Südsee. D. h. wir müssten zur nächsten Botschaft fliegen, vermutlich in den USA. In die USA dürften wir dann aber vermutlich nicht mehr einreisen, weil wir die 6 Monate Aufenthaltszeit, die ein US B1/B2 Visum limitiert, in Kalifornien und Hawaii verbraucht haben. Oder wir verlängern schon nach drei Jahren, kommen dann aber vermutlich in den USA auf die Obervierungsliste, weil wir ständig nach 1/3 der Zeit neue Visa beantragen – was ja auch offensichtlich reichlich bescheuert wäre. Und da spreche ich noch nicht von 5 anderen Visa, die wir gerne in unseren Pässen hätten. Übrigens gibt man seinen Pass physisch ab um ein Visum zu bekommen. D. h. man ist für ca. 2 Wochen ohne Pass in einem Land und muss auf die Rücksendung warten.

Die Laufzeitverlängerung unserer Reisepässe soll in Arbeit sein, was ich mit einer weiteren Anfrage an das Ministerium herauszufinden hoffe.

Besonders „character building“ ist es, wenn du deinem Bürokraten Gesprächspartner deine Lage beschrieben hast („ich gehe auf open End Weltreise“), mehrfach wiederholst dass dies bedeutet dass du nicht im Land bist („nein, ich bin dann unterwegs“),auf die Einwände erneut anmerkst, dass Du auf Weltreise nicht in der EU bist („nein, wirklich nicht in Europa) –  es folgt einige Sekunden stille und dann: tut mir leid, da können wir nichts machen.

Das ist dann der Moment, da würde ich am liebsten gleich in der Carlisle Bay ankern. Aber erst brauche ich ja noch einen Wohnsitz. /HB

 

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