Kapverden entdecken

Genies im Überleben

Wir liegen gerade bei unserem Zwischenstopp in der Marina von Mindelo, der Hauptstadt von Sao Vincente auf den Kapverden. Seit Tagen werden wir von einem kräftigen Wind in der stadtnahen Marina belüftet. Ironisch, denn die letzten zwei  Tagen vor der Ankunft hatten wir Null Wind und mussten motoren. Genau als wir Samstagnacht im Stockdunklen in die Bucht von Mindelo einliefen, drehte das Gebläse  ordentlich wieder auf und kommt seit dem nicht mehr zur Ruhe.

Wir sind zwar als dritter Katamaran eingelaufen, aber wir wurden wegen unserer sehr ehrlich und akurat reporteten Motorstunden zurückversetzt. Aber diese erste Leg war für uns auch eine Lehr- und Trainingsstrecke. Wir konnten alle unterschiedlichen Segel testen und auch die Manöver verbessern. Für die wichtigere Strecke nach St. Lucia, sind wir jetzt vorbereitet. Vorher müssen wir aber erst noch unsere neue Arbeitsliste abarbeiten. Diesmal ist es die Navigation und der Funk, die dringend Hilfe brauchen. Warum kann diese dusselige Liste nicht mal leer bleiben?

Die Kapverdianer sind offensichtlich sehr happy, dass endlich wieder ein paar Besucher da sind, wenn auch nur die Crews unserer 24 Schiffe. Der normale Tourismus läuft noch nicht, trotz guter C19 Werte. Allerdings ist das tragen der Masken bei 30 Grad etwas mühsam. Ich glaube das Wichtigste für die Locals ist Hoffnung. Nach unseren Ausflügen über Sao Vincente und dem unglaublich schönen San Antao, haben uns die Leute extrem beeindruckt und den allergrößten Respekt gewonnen. Ich habe keine Ahnung, wie die Menschen hier überleben und dennoch tanzen und singen sie bei jeder Gelegenheit.

Schon vor C19 waren die Kapverden ein armer Staat und wie uns einige Einheimische berichteten, soll er nicht sonderlich gut regiert sein und dazu korrupt. Das können wir natürlich nicht beurteilen, aber mit dem großen Potential dieser Inseln, müsste es den Menschen deutlich besser gehen. In den Straßen sieht man noch viele Menschen ohne Schuhe und das hat sicher keine orthopädischen Gründe.

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island without rain
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plastic on the beach
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Sao Vincente fishing bay
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Sao Vincente beach

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San Antao mountains
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House in the San Antao hills

Traumhafte Inseln

Die 500.000 Einwohner auf den 9 bewohnten Inseln mussten schon vor dem eingestellten Tourismus mit extremer Trockenheit klar kommen. Sao Vincente ist staubtrocken, hier wächst so gut wie nichts mehr. Entsalzungsanlagen helfen ein bisschen Wasser zu liefern, aber viele Menschen und Dörfer haben kein fließendes Wasser. Reichlich viele haben auch keinen Strom. Obwohl das Land von der Sonne geküsst und vom Wind verwöhnt wird, ist nichts von nachhaltiger Energiegewinnung zu sehen. Wie zur Drohung stehen über Mindelo eine Reihe von Windrädern, die alle kaputt sind. Die touristischen Inseln Sal und Boa Vista haben keine Besucher und kein Einkommen.

So wie uns scheint es der gesamten Fleet zu gehen. Wir haben die Abende in den Restaurants hier genossen. Zu dem köstlichen Essen spielten immer irgendwelche Musiker live. Eine wunderbare Atmosphäre. Ich drücke die Daumen, dass bald wieder Touristen einfliegen, damit es hier weiter geht. Die Kapverden haben es verdient.

Diese Berührungspunkte und Impressionen nehmen wir mit, aber unsere Reise geht bald weiter auf die andere Seite des Atlantiks.

Der Start unserer zweiten Strecke wurde von Donnerstag auf Freitag verlegt. Das war nötig, weil das C19 Protokoll sonst vermutlich nicht funktioniert hätte. Wir mussten alle mal wieder zum PCR Test und wenn alles negativ ist, dürfen wir nach St. Lucia einreisen – 14 Tage auf See vorausgesetzt.

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Another corona test

Während ich das hier schreibe, schleppt sich gerade ein havariertes Schiff der Vendee Globe in die Bucht. Die Corum hat den Master und damit auch das Rennen verloren.

Wir machen uns jetzt auf den 2.200 nm langen Weg und freuen uns auf den ersten Rum Punsch in der Karibik. So um den Nikolaustag im Advent sollten wir in der Rodney Bay in St. Lucia ankommen. Bleibt gesund und gut gelaunt. /Holger Binz

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