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Las Palmas de Gran Canaria Ankunft

So vieles zum ersten Mal

Das war sie also, unsere echte, eigene Jungfernfahrt. Mit 55 nm etwa nur ein Hundertstel der Jungfernfahrt von Cape Town, die Ka und mich uns an Bord natürlich nicht so richtig als solche zählt. Morgens um 7.30 h – es war noch stockdunkel – legten wir in Santa Cruz ab und tanzten auf den Wellen in den Sonnenaufgang Richtung Gran Canaria gen Osten. Unser PredictWind Wetter hatte uns 13 bis max 16 kn Wind aus N angesagt. Damit wären wir 70 % der Strecke mit Halbwind gesegelt, angerührt durch 1,70 m Welle. Hörte sich nach einem netten Segeltag an. Mit an Bord waren unsere mastbrüchigen Freunde Helena und Robert, die auch nach Gran Canaria wollten.

Der Preis des Tages waren dann 24 kn Wind, selten unter 20, komplett aus Ost und damit auf der Nase, also immer gegen an. Genau den Kurs, den Kats am wenigsten mögen. Und ich auch nicht. Und für die Extraschaufel Mühsal, dann noch einen zusätzlichen Meter Welle oben drauf. Perfektes Wetter um im Bett zu bleiben. PredictWind war auch schon mal besser.

Der erste Anleger

Als wir um 17.30 h im Hafen einliefen, war dann ein 16 to Katamaran anzulegen. Irgendwie. Möglichst schadlos. Wir hatten uns geeinigt, dass ich den Anleger fahren sollte. Für einen Monosegler ist es ziemlich ungewohnt, dass man beim Anlegen die Hände vom Steuerrad lassen soll. Katamarane werden mit Hilfe den beiden Motoren angelegt. Theorie soweit klar, Zeit für die Praxis.

Die freundlichen Marineros wollten mir Gelegenheit zum Üben geben und machten dann netter Weise gleich zwei Anleger daraus. Zuerst seitlich am Meldesteg mit reichlich 2 Meter Abstand zum nächsten Schiff und eine Stunde später, als unser Steg desinfiziert war, dann mit dem Heck (stern back) an den richtigen Liegeplatz. Mit der umfangreichen Erfahrung von immerhin schon zwei geübten Kat-Anlegern in meinem Leben – unterstützt von Gary, der diesmal nicht dabei war – gab ich mir größte Mühe cool und souverän zu bleiben. Alles gut, keine Schäden oder Verletze. Anlegerbier verdient.

Segeln auf den Kanaren

Nach der Überfahrt wusste ich auch wieder, warum es die Kanaren wohl nie in die Seglerhitlisten schaffen. Und erst Recht nicht zum liebsten Charterrevier. Die sieben Inseln – und zwei Miniinseln – sind alle sehr schön und abwechslungsreich. Wir können uns nicht entscheiden, welche unser Favorit ist, zum Glück müssen wir das auch nicht. Aber vor allem La Gomera und La Palma haben es uns angetan. El Hiero und Tenerife  sind auch klasse –  ok, Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria auch schön – jede Insel hat was.

Die Segelei zwischen den Inseln kann grob sein. Nix für einmal im Jahr Chartersegler, eher was für meinen Segelkumpel und Namenskollegen Holger, der sonst Schottland oder die Irische See bevorzugt. Die Kanaren sind wärmer, aber oft ebenso ruppig. Ist halt Atlantik. Normalerweise dominiert der Wind aus N-lichen Richtungen, meist um 5+ Beaufort. Und die Wellen laufen selten unter 1.50 m, mit viel Luft nach oben. Dazu kommen noch  die „acceleration zones“, die Wind Düsen zwischen den Inseln. Dort wird der Wind zwischen den Inseln gepresst und deutlich stärker. Zum Ausgleich ist meist südlich der Inseln im Windschatten relative Flaute.

Die südlichen Teile der Inseln sind auch meist die mit dem sonnigeren Wetter und Touristenorten. Es ist definitiv abwechslungsreich und manchmal „character building“. Erfahrung ist nicht störend aber auch dann, sollte man die Inseln bevorzugt von Ost nach West absegeln. Wer sich das gönnt, sollte nach meiner Meinung mind. 2 Wochen chartern.

Wetter ist ja Geschmackssache. Aber der echte Nachteil der Kanaren liegt m. M. nach darin, das es wegen der vulkanischen Kegelstruktur der Inseln wenige Ankerplätze gibt. An den Küsten geht meist schnell steil abwärts auf den Meeresgrund und der Tiefenmesser zeigt nach kurzer Strecke nichts mehr an. Das bedeutet, dass man normalerweise von Marina zu Marina segelt. Das ist auch nicht übel, denn ein Besuch von Arrecife in Lanzerote, San Sebastian in La Gomera, Santa Cruz de Tenerife, Santa Cruz de la Palma oder auch Las Palmas lohnen sich.

Wer damit klarkommt, für den gibt es ein paar Chartermöglichkeiten. Die großen Mooring/Sunsail oder Dream Yacht haben keine Basen auf den Inseln. Dafür gibt es in paar kleinere, z. B. Lava Charter in Lanzarote.

Für Langstreckensegler auf dem Weg von Europa in die Karibik, hätte kein Inseldesigner die Kanaren besser platzieren können. Sie liegen perfekt auf dem Weg nach Süden. Ideal um ein Schiff für ein langes Crossing vorzubereiten sind Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife. Die anderen Inseln haben ein überschaubares Angebot an Ausstattern und Handwerkern und können da nicht mithalten. Sind aber für eine Erholung dennoch lohnenswerte Stopps.

Die Kanaren haben das ganze Jahr ein angenehmes Klima und eigentlich alles, was es zu einem angenehmen Leben braucht. Mal schauen, irgendwann müssen wir ja auch wieder an Land. / Holger Binz

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