Medizin an Bord

Überleben kann so schön sein

Die Vorbereitung einer Segelreise macht normalerweise Spaß. Das unspaßigste der unverzichtbaren Themen ist ohne Konkurrenz „Notfälle an Bord“, die medizinische Abteilung. Gebrochene Knochen, Verbrennungen, Wunden, Entzündungen – man kann sich reichlich was antun beim Segeln. Richtig blöd wird es, wenn man Tage oder Wochen entfernt ist vom nächsten Arzt oder Krankenhaus. Dann bleibt der Crew nichts übrig, als den medizinisch Fähigsten (w/m) zum Bordarzt zu befördern und selbst Hand anzulegen. Wir haben keinen Mediziner an Bord (sorry Ka) und müssen uns als Amateure soweit es geht ausbilden und ausstatten, damit wir auch ohne Arzt und Approbation mit vollständiger und gesunder Crew ankommen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wunderbar es sein kann, wenn eine Verletzung gut behandelt wird und nicht gleich zur Amputation führt.

Das besondere bei der ersten Hilfe an Bord ist – anders als an Land – dass auf Langstrecken auch in ein paar Stunden kein Arzt klingelt. Man bleibt auf sich alleine gestellt und die provisorische Erste Hilfe ist gar nicht so provisorisch. Da ist es beruhigend, wenn man das passende Equipment und Medikamente an Bord hat. Eine gute Ausbildung ist auch nicht schädlich.

Bei unserem ersten Atlantik Crossing hatten wir eine reichlich ausgestattete Bordapotheke und rudimentäre Kenntnisse dabei. Hat trotz Herausforderungen bestens funktioniert. Bei dem anstehenden nächsten Crossing werden die Distanzen doppelt so groß sein, also immer sehr viel Meer zwischen dem potentiellen Patienten und professioneller Hilfe. Mehr als genug Wasser, um Zeit und Geld in unsere Ausbildung und Ausstattung zu investieren.

So liefen uns passend die Seadocs (seadoc.de) über den Weg und wir besuchten ein ausgezeichnetes Seminar. An einem proppevollen Wochenende lernten wir Verbrennungen, Brüche, Prellungen/Stauchungen, Entzündungen, Wunden, Dehydrierung, Schock – und auch so coole Sachen wie kollabierte Lungen oder einen Schlaganfall zu behandeln. Wir lernten und übten Spritzen zu setzen, Infusionen zu legen und Wunden zu nähen. Ihr hättet sehen müssen, mit welch freudiger Verve Ka eine Spritze in den Arm eines Freiwilligen versenkte.

Besonders aufschlussreich war für mich die Lehre des sympathischen Dr. Fabian: „kleine Dinge müssen klein bleiben“. Normalerweise bin ich eher der Chuck Norris Typ und kümmere mich wenig um Kleinkram. Die Ausführungen von Fabian waren aber sehr überzeugend. Eine Erkältung kann ignoriert zu unerfreulicheren und ernsten Folgen führen, die an Bord nicht zu gebrauchen sind. Also gleich behandeln.

Auch bei Schnitten, Verbrennungen und Brüchen – den häufigsten Notfällen an Bord – ist eine sorgfältige Behandlung wichtig, um schlimmere Entartungen zu vermeiden. Es gilt um jeden Preis Entzündungen zu vermeiden. Hygiene, Desinfektion und die richtige Behandlung helfen eine beschädigte Crew wieder herzustellen.

Die Seadocs bieten nicht nur eine gute Ausbildung, sondern auch eine perfekte Ausstattung für die häufigsten medizinischen Notfälle an, die von Laien behandelt werden können. Alles ist nach Art des Notfalls perfekt strukturiert und zugänglich. Sowohl für die Diagnostik als auch für die Behandlung. Die Boxes beinhalten alle „Werkzeuge“ und Hilfsmittel, die im konkreten Fall gebraucht werden. Dazu gibt’s noch detaillierte Listen empfohlener Medikamente, die unsere wunderbare zukünftige Ex-Hausärztin Theodora – wir werden sie vermissen – als „ausgezeichnet“ bezeichnete und uns die verschreibungspflichtigen freigab. Das ist übrigens eine Empfehlung für alle Segler, sich die Bordapotheke von einem Hausarzt zumindest prüfen zu lassen. Wer keinen hat und das nicht will, findet bei Seadoc.de Hilfe.

Unterhaltsam war dann die Beschaffung der Medikamente. Eine typische Apothekerin wollte uns nur sehr unwillig die verschreibungspflichtigen Narkotika auf unserem Rezept übergeben. Die seien nur was für Anästhesisten. Woher wir denn bitte mitten auf dem Ozean im Notfall einen Anästhesisten finden sollten, konnte uns die Dame auch nicht beantworten. Seltsame Gedanken seltsamer Menschen. Vermutlich würde die Dame lieber verenden, als sich von Laien behandeln zu lassen. Jedem das seine.

Kompliziert wird in unserem Fall allerdings der Transport der Medikamente auf unser Schiff. Es sind halt reichlich verschreibungspflichtige Medikamente in unserer Box, die der Zoll in Südafrika begutachten wird. Wir werden sehen, wie das funktioniert.

Mit unserer professionellen, laiengeeigneten Ausstattung der Seadocs, fühlen wir uns auf dieser Reise für die hoffentlich ausbleibenden medizinischen Notfälle gut vorbereitet. / Holger Binz

Seadoc medical kit

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