hitchhiker

Per Anhalter über den Atlantik?

Die Zeit der Optimisten in Las Palmas

Fernweh und ein leeres Portemonnaie passen so gut wie Anchovis zur Sahnetorte. Fantasie und Mut sind dann nötig, wenn man dennoch reisen will. Beispielsweise als Anhalter in die Karibik zu segeln. Deshalb versammeln sich in der Zeit vor der ARC (Atlantic Rally for Cruisers), der größten Segelrallye der Welt, alle möglichen Optimisten in Las Palmas de Gran Canaria um ein Schiff nach St. Lucia zu ergattern.

Ende Oktober, Anfang November spazieren immer mehr Leute mit Rucksack durch die Marina. In den Bars und an Wänden finden sich Zettel, die George, David oder Lucy als das perfekte Crewmitglied anpreisen. „Crew available“ soll unterbesetzte Skipper anlocken.

Dieser Weg braucht Abenteuerlust und Freude am Segeln. Günstiger ist Segel-Hitchhikern nicht wirklich. Die Erwartung ist, als Mitsegler an Bord Arbeiten zu erledigen und Wachdienste zu übernehmen um dann nichts für die Passage zu bezahlen. „Nichts“ bedeutet bei der ARC aber immer noch eine Startgebühr um die 250 € pro Teilnehmer. Dazu kommt auch noch ein Beitrag für die Verpflegung, denn während der 3 Wochen ist essen und trinken recht hilfreich. Da es in der ARC auch Profis gibt, die ihre Kojen gegen Gebühr an Mitsegler verkaufen, fallen die weg. Es bleiben dann noch die Schiffe, die im Windschatten der ARC, aber nicht als Teilnehmer, über den Atlantik segeln. Wenn man alles zusammenrechnet was nicht unvermeidlich ist, dann ist der Flug in die Karibik oder Südamerika gar nicht mal viel teurer.

Crew available

Vor unserem Steg hat seit Tagen Lukas aus Polen einen Platz auf dem Gehweg okkupiert. Mutig quatscht er alle Segler an, ob sie nicht irgendwelche Jobs für ihn hätten. Und natürlich auch, ob sie ihn nicht mitnehmen würden, nach St. Lucia.

Die Attraktivität eines Crew Mitglieds steigt naturgemäß, mit seinen Fähigkeiten. Wer eine beeindruckende Segelvita anzubieten hat, liegt natürlich klar vor dem Gitarre spielenden Anfänger mit Spülhänden. Und die Sympathie ist ja auch noch von großer Bedeutung, wenn man 2-3 Wochen gemeinsam auf übersichtlichem Raum verbringt.

Die meisten der üblicherweise 270 Schiffe haben ihre Crews schon klar, wenn sie in Las Palmas ankommen. Aber der ein oder andere fällt immer mal wieder raus und bei knapp über 1.000 Seglern wird auch mal ein Platz frei. Dann muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dann kann es klappen, mit dem Hitchhiken.

Nun ist 2020 aber kein normales Jahr. Corona macht es für Lukas & Co. sehr schwierig. Das Angebot ist extrem viel kleiner als in den normalen Jahren: weniger als ein Drittel der üblichen  Schiffe wollen in diesem Jahr in die Karibik. Und mein Eindruck ist, das auch sehr wenige individuell „rüber“ wollen.

Und dann ist das noch das ARC C19 Protokoll, dass ganz neue Anforderungen stellt und ein Zusteigen außergewöhnlich erschwert. Die Crews müssen eine Woche vor dem Start zusammen sein. Von Besuchen an Bord wird dringend abgeraten und alle halten deutlichen Abstand in der Marina. Ein paar Tage vor dem Ablegen gibt es einen verpflichtenden Corona Test, ohne den die Kapverden und St. Lucia verschlossen bleiben.

Die gesamte Crew muss negativ sein, sonst darf das Schiff nicht starten. Kein kleines Risiko, wenn man einen Fremden aufnimmt. Zudem muss der Corona Test auch noch bezahlt werden und der ist um die 120 € auch kein Schnäppchen. Und plötzlich wird das Flugticket über den Atlantik immer attraktiver.

Das alles macht es für Lukas noch abenteuerlicher. Einer der wenigen positiven Aspekte ist, das sein Wettbewerb geringer ist als sonst. Und die Möglichkeit, das C19 die Anreise einiger Segler behindert und daher Plätze frei belieben.

Es bleibt ein Glückspiel für Geduldige und Optimisten, die Reise per Anhalter über den Atlantik. / Holger Binz

4 thoughts

  • Auch ein Hallo von uns,
    selbst der Lukas wird für uns präsent wenn ihr eure Berichte einstellt. So passt gut auf Euch auf und lasst nur (wenn überhaupt) C – freie Sailors an Bord. Wann wird der Seglersäbel raus geholt um endgültig in See zu “stechen”?
    lG
    Jürgen und Angelika
    Teneriffa

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