Weihnachten in der Karibik

Tausche Glühwein gegen Rumpunsch

Ich mag Weihnachten. Ok, ich weiß das ist uncool, ich bin ein Fossil, denn ich bin ein Weihnachtsmensch. Weihnachten ist für mich das schönste Fest des Jahres und wenn es im Winter schon dunkel und kalt sein muss, dann wenigstens mit Advent, Kaminfeuer und Rotwein.

Und ich mag auch Weihnachtsbäume. In diesem Jahr werde ich zum letzten Mal mit einem Küster um einen mind. 4 Meter großen Weihnachtsbaum streiten und im Wohnzimmer aufstellen. Mir ist schon klar, dass fürs Aufbauen, Schmücken und Abbauen absurd viel Zeit draufgeht, ich bin ja (noch) nicht vom Baum gefallen. Aber das ist ok.

Vor unserem karibischen Jahr war ich weihnachtsmäßig auf dünnem Eis. Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass in den Tropen ein weihnachtliches Gefühl das Herz erwärmt, bei 30 Grad.

Heute kann ich es gar nicht mehr abwarten, Weihnachten wieder in der Karibik zu feiern. Es war noch viel besser als bei uns, wo das normale Weihnachtsfest bei 10 Grad – es wärmt vor Weihnachten meist noch mal auf – bei Regen und Dauergrau stattfindet. An das letzte Mal „weiße Weihnacht“ kann ich mich nicht mehr erinnern.

Nach unserem Atlantik Crossing, kamen wir Ende November in Barbados an. Es sah schon ziemlich vorweihnachtlich aus. Die Straßen waren weihnachtlich dekoriert, die Palmen mit Lichterketten geschmückt – auch am Strand. Da es um 18.00 h dunkel wurde, sah alles sehr festlich aus. Statt Lebkuchen und Glühwein nimmst du dann halt einen Rum Punch am Strand, bei cooler Musik und gemütlichen 30 Grad. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig fand ich allerdings die in Blau und Gelb geschmückten Weihnachtsbäume in den Geschäften – den Nationalfarben Barbados`. Ehrensache, als Tanne – aus Plastik. Tannen sind ja bekanntermaßen nicht ganz so häufig in der Karibik.

Wir ankerten in der Carlisle Bay, gleich vor Barbados` Hauptstadt Bridgetown. Zum Sundowner trafen sich die Segler in irgendeiner Strandbar. In der Dämmerung fuhren wir mit dem Dinghi zum Strand und wenn man beim Anlanden ins Wasser fiel, war das eher witzig und erfrischend als lästig. Eine schöne Erinnerung, während ich draußen den kalten Regen fallen sehe.

Unser nächsten Stopp war St. Lucia. Wir verbrachten ein paar Tage in der Rodney Bay, in der täglich neue Schiffe der ARC ankamen. Auch hier war alles festlich hergerichtet, aber mehr im Palmen- und Santa Claus Style. Geschäfte und Restos hatten sich opulent herausgeputzt. Die Wärme am Abend fanden wir ganz fantastisch. Lichterketten und Dark`n Stormy – kein Grund das kalte Nieselwetter zu vermissen.

Unser dritter Ort während der Vorweihnachtszeit war Martinique und hier wollten wir auch die Weihnachtstage verbringen. Auf der Insel war weniger von Weihnachten zu sehen, als in Barbados und St. Lucia. Vermutlich wegen der französischen Tradition, in der die Weihnachtstage weniger Bedeutung haben, als auf den Inseln mit britischem Einfluss. Für Segler sind die französischen Inseln Oasen, denn man kann nirgendwo besser proviantieren. Die traditionelle Weihnachtsspeise in Martinique ist gepökeltes Schwein, sowas wie Kassler in Deutschland. Das überließen wir lieber den Einheimischen. Unsere Australischen Freunde hatten das geahnt, denn sie besorgten sich noch in Barbados einen Turkey, den wir in Martinique nicht bekommen konnten. Aber viele andere unserer kulinarischen Wünsche konnten wir uns erfüllen.

Unser Schiff war das einzige, dass einen Liegeplatz in der überfüllten Marina von Le Marin bekam und so fand dann das Weihnachtsfest bei uns an Bord statt. 5 befreundete Schiffe mit Crews aus Australien, England, Südafrika, Luxembourg – und die Crew einer italienischen Superyacht gleich neben uns, wir feierten gemeinsam den Heiligen Abend. Aus einem Chinaladen hatten wir einen mickrigen weißen Weihnachtsbaum besorgt.

Es wurde ein fantastischer Weihnachtsabend. Es war eine Melange der Traditionen. Für die Briten, Italiener und uns, war Weihnachten ein feierliches Ereignis. Für die Australier vielmehr eine Party. Morgens um 1.00 h schickte der Skipper der Superyacht seinen Koch nochmal in die Küche (auf der Yacht war keine Pantry, das war eine Profiküche) um uns Unwissenden mal endlich eine echte italienische Aioli Pasta zu kochen. Mille gracie Max. So aßen wir in der Heiligen Nacht bei 28 Grad nach Mitternacht die beste Pasta, die ich je aß und dazu sangen wir Weihnachtslieder. Mit Freunden gemeinsam zu feiern, war das schönste Weihnachtsgeschenk.

Die Weihnachtstage verbrachten wir an Stränden und im Wasser. Ich dachte keine Sekunde an die Weihnachtsfeste in Luxembourg. Dort war es vermutlich gerade wie üblich grau, nass und kalt, während wir im warmen karibischen Wasser rumturnten und Cocktails genossen. Unseren kleinen weißen Plastikweihnachtsbaum konnte ich auch etwas schneller entsorgen, als den üblichen 4 Meter Baum.

Während wir unser letztes Weihnachtsfest in Luxembourg vorbereiten, denke ich schon an unser nächstes. Egal auf welcher Insel der Karibik wir Weihnachten 2020 verbringen werden. Aber ganz sicher, werden wir es mit Freunden aus hoffentlich vielen verschiedenen Ländern feiern. /Holger Binz

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