Hurricane Holes

Marigot Bay St. Lucia

Was tun in der Hurricane Season? Wohin mit dem Boot? Für die Zeit von Juli bis November suchen sich alle Eigner, die in der Karibik bleiben, eine Lösung für ihr Schiff – damit es kein Opfer eines Hurricanes wird. Hurricanes höherer Kategorien können mit Leichtigkeit Yachten komplett zerstören, egal ob klein oder Megayacht. Liegeplätze an geschützten Orten sind begrenzt, also begehrt und teuer. Hurricane Hole Marigot Bay

Karin im Mast (der kleine Mensch ganz oben)

Die Hurricane Vorhersage 2022

Das National Hurricane Center der NOAA hat für diese Saison eine überdurchschnittliche Hurricane Saison prognostiziert. 14-21 Stürme mit Namen (named storms) sollen es werden. Davon haben 6-10 Hurricane Potential. Und aus der Gruppe können 3-6 Hurricanes der supergefährlichen Kategorie 3-5 werden, mit Windspeed von mindestens 111 Meilen/h.

Für diese Prognose hat die NOAA eine Wahrscheinlichkeit von 70 % angegeben. Oder in anderen Worten: kann sein, muss aber nicht. Aber für den Fall dass schwerer Wind aufzieht: die Namensliste der Stürme steht schon für das ganze Alphabet fest.

In der 2021er Saison traf mit „Elsa“ nur ein Hurricane (Kat. 1) in der Ost-Karibik auf Land. Ohne große Schäden. Eine Wohltat für die zuletzt arg geplagten Inseln. 6 weitere Hurricanes tobten sich entweder nahe der US-Küste oder auf dem Atlantik aus. Es gab keinen der Kat. 5. Ursache für diese glückliche Fügung war nach Meinung von Meteorologen der Vulkanausbruch in La Palma, der die Zugrichtung der Stürme abgelenkt hat.

Hurrucanes und Versicherungen

Versicherungen berechnen in der Regel um die 1,5 % des Schiffswerts nur für die Hurricane Saison, zusätzlich zu den sonst üblichen 1,0 -1,5 % p. a. Und sie stellen die Regeln auf. Die häufigste ist das Schiff aus dem 13 und 33 Breitengrad fernzuhalten. Das ist ein Gürtel zwischen Grenada im Süden und der Chesapeake Bay in den USA in Norden, auch bekannt als „hurricane belt“. Zusätzlich verlangen fast alle Versicherungen einen Hurricane Plan, dem sie zustimmen müssen, damit das Schiff „gecovert“ ist.

Hurricane Holes

Einige Versicherungen erlauben Ausnahmen, z. B. in anerkannten „Hurricane Holes“. Das sind Orte innerhalb des Hurricane Belts, die sich historisch als sichere Plätze bewiesen haben. Ein paar dieser Orte wurden dennoch ziemlich übel aufgemischt, z. B. der North Sound von Virgin Gorda auf den BVI oder auch Nelsons Dockyard in Antigua.

Was macht ein Hurricane Hole aus? Ein solcher Ort schützt vor den drei Hauptübeln eines Hurricanes: extremer Wind, extreme Wellen, extremer Regen.

Unser Hurricane Hole: Marigot Bay.

Nach Grenada im letzten Jahr, haben wir uns für diese Off-Season für die Marigot Bay in St. Lucia entschieden. Die liegt zwar auf 13.57 Grad nördlicher Breite, noch knapp im Hurricane Belt, ist aber tatsächlich ein Hurricane Hole ohne Schadensgeschichte. Es hat alles in Perfektion, was ein Hurricane Hole braucht:

Eine von Bergen umsäumte Bucht, fast ein kleiner Fjord. Die umliegenden Berge sind mehre Schiffshöhen hoch und liegen in mehreren Reihen, was Fallwinde verhindert. Dazu sind die Berge dicht mit Wäldern bewachsen. Ein perfekter Windschutz.

Die Bucht öffnet sich westlich zum Meer, ist aber durch eine Landzunge geschützt. D. h. man muss Slalom fahren um die innere Bucht zu erreichen. Keine Welle kann direkt in die Bucht wogen. Und dann gibt’s noch das Wundermittel gegen Seegang: Mangroven. Auch die gibt’s hier reichlich. Es gibt Studien die belegen, das Mangroven den Seegang um 2/3 verringern. Tatsächlich ist der Seegang gering, die Bucht liegt meist glatt wie ein See. Diese Mixtur macht Marigot Bay zu einem (bisher) sicheren Platz.

Wir haben uns früh in der Saison entschieden nicht weiter südlich zu segeln und unsere Hurricane Season in Marigot Bay zu verbringen. Die Rivercafe liegt an einem Holzdock, gleich in den Mangroven. Wir haben null Seegang und sind direkt im Grünen. Wir haben das Gefühl, dass wir auch im Falle eines Hurricanes hier gut geschützt liegen. Time will tell.

 

Und die Crew?

Nach unserer Rückkehr aus Europa und den USA werden wir noch ca. 2 Monate in St. Lucia an Bord verbringen, in der heißen Phase der Hurricane Season. Das ist für unsere Verhältnisse eine sehr lange Zeit. Marigot ist viel kleiner als die Fort-Louis Marina in Grenada. Fort-Louis ist voll bepackt mit Seglern verschiedener Länder, aber mit überwiegend US-Amerikanern. Die stehen meist ab nachmittags in einem kleinen Pool, schlürfen ihre Drinks und erklären die Welt, bevor sie wieder in ihren mit Klimaanlagen gekühlten Schiffen verschwinden.

In Marigot sind wesentlich weniger Menschen. Alles ist kleiner. Dafür haben wir im Umkreis von 5 Minuten 5 Restaurants/Bars/Kneipen, die alle ganz besonders sind. Eines mit fantastischem Fisch und sagenhaftem Meerblick, eines mitten in den Mangroven mit köstlichen Krabben, eines vor der Einfahrt mit Steaks auf heißem Stein, ein schönes Hafenresto und ein schickes Restaurant im Hotel. Und dieses 5-Sterne Hotel mit großem Pool, Fitness und Spa, können wir nutzen.

Alles um uns herum ist grün und nachts zirpen die Grillen und Frösche. Wenn wir wieder zurück sind, soll auch das Internet richtig gut sein und wir werden arbeiten können. Der Platz in den Mangroven sorgt leider auch für reichlich Moskitos, die uns vor allem nachts quälen. Dafür haben wir die entspannte Zen Atmosphäre eines ganz besonderen Stücks Erde und ab September viel Zeit die Insel intensiv kennen zu lernen.

Es wäre schön, wenn die alle Inseln der Ostkaribik eine weitere ruhige Hurricane Saison erleben dürften und von Katastrophen verschont bleiben. /Holger Binz

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