Eine Weltreise gegen die schlechte Sonntagsnachmittagslaune

Wie die Hündin Lilli und die Maus Bello gemeinsam mit ihren Freunden Mallo, dem Delfin und Peppo, dem Affen die schlechte Laune vertreiben.

Für Hannah und Henri, Carl und Justus, Anton, Paul und Felix und für die süße Alva

bello und lilli

Inhalt

Inhalt

An einem Sonntagabend in Flomborn

Von Flomborn nach Metz

2. Tag der Reise · Montag

Der Zoo in Amnéville

3. Tag der Reise · Dienstag

Von Amnéville nach Montpellier

4. und 5. Tag der Reise · Mittwoch, Donnerstag

Von Montpellier nach Valencia

6. und 7. Tag der Reise · Freitag und Samstag

Valencia

8. Tag der Reise · Sonntag

Valencia

9. Tag der Reise · Montag

Valencia

10. Tag der Reise ·  Dienstag

Leinen Los

vorbei an Denia, Cartagena nach Gibraltar

11. Tag der Reise · Mittwoch · 1 Tag auf See

Auf See

vorbei an Denia, Cartagena nach Gibraltar

12. Tag · Donnerstag · 2 Tag auf See

Vorbei an Cartagena nach Gibraltar

13. Tag · Freitag · 3. Tag auf See

Ankunft in Gibraltar

15. Tag · Sonntag

Ein Berg voller frecher Affen in Gibraltar

16. Tag · Montag

Peppis Plumps

17. Tag · Dienstag

Eine Hündin, ein Affe, ein Delfin und eine Maus die mussten mal dringend raus.

„Machen wir eine Reise am besten um die ganze Welt.“ „ob das unseren Eltern gefällt?

„Ach denen schreiben wir Karten, die sitzen doch gut um Garten und warten.“

So ziehen sie los mit Kompass und Boot. Sie segeln davon, backen eigenes Brot

Lernen neue Sprachen, Witze und Tricks, Besteigen Vulkane, suchen Schätze.

Haben selten Eile und Hetze. So finden sie traumhafte Ankerplätze.

Peppis Plumps

17. Tag · Dienstag

„Ist dir eigentlich klar, dass es nun schon 2 mal Sonntag war und du kein mal ein bisschen, also kein bisschen schlechte Laune hattest“, wollte Bello von Lilli wissen. „Stimmt, aber kannst du am morgen nicht mal guten Morgen sagen, wie alle anderen Mäuse auf der Welt?“

„Das könnte ich schon“, sagte Bello, schnappte sich ein paar Haferflocken und kramte und kramte. Schüsseln wurden zur Seite geschoben und Tassen umgestapelt. „Was suchst du denn?“ wollte Lilli wissen. „Kakao“, sagte Bello in seiner liebsten Stimme. „Haben wir nicht“, sagte Lilli und ging an Deck um zu sehen, was Mallo so trieb. „Mallo, Mallo“, rief sie. Aber statt Mallo kam der Hafenmeister mal wieder wie der Blitz angerannt. „Na, ist dein Herrchen denn nun aufgewacht?“ wollte er von Lilli wissen und ohne auf Antwort zu warten, klopfte er an die Bordwand. Bello erschrak so dermaßen, dass er einen lauten Schrei mit einem gleichzeitigen Satz an die Decke tat. „Ach du lieber Himmel“, sagte der Hafenmeister, ich glaube ich habe ihn aufgeweckt. „He sie da, wenn sie mal wach sind, kommen sie ins Hafenbüro. Ich bin nur noch bis Mittag da, dann ist meine Schicht zu Ende.“

Glück gehabt, dachte Lilli, die sich mit bravem Blick an Deck setzte. Dann tauchte Mallo endlich auf. „Ich glaube wir können nicht mehr so lange auf deinen Freund warten. Dieser Hafenmeister kommt sicher gleich noch mal und irgendwann fällt auf, dass wir alleine unterwegs sind. So was mögen die Menschen gar nicht. Frei laufende, ich meine frei segelnde Tiere. Bello kam an Deck und wollte von Mallo wissen, ob er schon gefrühstückt hätte. Er jedenfalls isst jetzt die Haferflocken ganz ohne Kakao nur mit Milch. Mallo staunte Bello an. „Also hör mal, ich bin ein Delfin, meinst du wirklich ich esse Haferflocken? Ich habe eine kleine Makrele, ein bisschen Tintenfisch und etwas Seetang gegessen.“ „Igittigitt“ entfuhr es Bello. „Meinst du etwa Haferflocken sind besser?“ „Auf jeden … PLATSCH machte es noch bevor Bello fertig sprechen konnte. Etwas war direkt neben dem Boot ins Wasser geplumpst und alle drei erschraken. „He keine Panik, ich bin‘s.“ Hinter dem Schiff tauchte ein kleiner Affenkopf im Wasser auf. „Peppi, super, da bist du ja endlich, schrie Mallo. „Leise“, schrie Peppi viel zu laut. „Keiner darf wissen, dass ich hier bin. Ich hab eine Menge ausgefressen und so schnell sollte ich nicht nach Hause“. „Kommst du mit uns auf eine Weltreise?“ wollte Mallo wissen. „Tja, krazte sich Peppi am Kopf nickte und sagte „Ich muss noch einen Brief an meinen Papa schreiben, dass ich mal für ein paar Tage unterwegs bin. Der wird sich freuen, wenn ich ihm Postkarten aus anderen Ländern schreibe und …“, Peppi machte ein verträumte Gesicht, „der wird ganz schön staunen. Bestimmt macht ihn das froh. Ich hab ihn in der letzten Zeit ein bisschen, sagen wir mittel, ach, sagen wir unglaublich viel geärgert.“

„Das sind Bello, die Maus und Lilli der Hund“, sagte Mallo und stellte seine Freunde vor. „Bello?“ lachte Peppi, „Ist ja ein krasser Name für eine Maus.“ „Wieso? War doch klug von meiner Mama. Hört sich doch gefährlich an. Einem Bello beißt man nicht so leicht ein Ohr ab wie einem Mausi, Micki oder was weiß ich was es für süße Mausenamen gibt. Bello ist klasse. Das merk dir gleich mal von Anfang an. Und keine Kosenamen, wie Mausezähnchen oder gar Mausebäckchen. Das verbiete ich ganz strickt.“

„Ja“, sagte Lilli, da ist er eigen. „Wann segeln wir denn weiter?“ „Sollen wir wirklich mit so einem Frechdachs lossegeln? Er scheint ja nicht gerade gut erzogen zu sein.“ sagte Bello. Lilli lachte. „Aha, dafür bist du ja das Musterbeispiel guter Erziehung. Er muss nur ein guter Freund sein, schwimmen können und das Wasser mögen. Mag er das?“ wollte Lilli von Mallo wissen. Der nickte und kam aus der Freude gar nicht mehr raus. Er schlug ein paar geschickte Saltos im Hafenbecken und lenkte den Hafenmeister mit seinen Kunststückchen ab. Und genau in dem Moment, wo der ganze Pier voller Leute stand, die ihm staunend zusahen, machten die anderen drei klammheimlich die Leinen los, holten die Fender rein und segelten vergnügt aus dem Hafen.

„Kannst du eigentlich auch segeln?“ wollte Lilli von Peppi wissen. „Oh natürlich. Ich bin ein Affe. Die meisten Affen kamen auf Schiffen hierher. Also ich bin ein ganz ausgezeichnet grandioser Segler.“ „Und ein kleiner Angeber“ flüsterte Bello Lilli ins Ohr.

„Auf nach Madeira“ kam ein lauter Ruf aus dem Wasser. Mallo freute sich immer noch, Lilli und Bello stellten den Kurs auf 254° und setzten sich Arm in Arm vorne auf den Bug des Schiffes. Sie sahen Mallo zu, wie er im Meer umhertobte und ließen Peppi zeigen was für ein grandioser Segler er war.

 

peppi

Ein Berg voller frecher Affen in Gibraltar

16. Tag · Montag

An diesem Tag gab es eine klare Aufgabe für Bello und Lilli. Sie mussten Peppi finden. „Wie sieht er denn aus?“ hatte Lilli Mallo gefragt. „Na wie ein Affe eben aussieht.“ „Besondere Kennzeichen?“ wollte Bello wissen. „Frech, klug, schnell und hellmittelgraubraunschwarzweiß“, sagte Mallo. „Na das wird uns ja unheimlich helfen“, motzte Bello und stapfte davon. Wie kommen wir denn überhaupt da hoch, frage sich Lilli, als sie schon vor einer Seilbahn standen. Im sich rein schleichen und sich sehr unauffällig machen, waren Lilli und Bello echte Meister. Bello hüpfte in Lillis Rückenfell und machte sich klitzeklein. Lilli schlüpfte fast ungesehen in eine Gondel. Fast ungesehen. Denn ein kleiner, etwas zu dicker, Junge staunte sie an. „Mammi, auf dem Hund sitzt eine Maus.“ „Ach Arne, das glaubst du ja selber nicht. Erzähl nicht immer so einen Blödsinn.“ Arne machte diese Antwort der Mutter sehr böse, er griff nach Bello und schon hatte er ihn in der Hand und drückte in fest in seiner Faust. Bello begann unfassbar laut zu schreien. Und Lilli erschrak. Aber nicht nur Lilli erschrak, die anderen 13 Fahrgäste bekamen einer nach dem anderen einen kleinen Schreianfall. Das hatte Bello schon oft erlebt. Menschen schreien, wenn sie Mäuse sehen. Vielleicht denken sie dass die armen Mäuse mit den kleinen Ohren nicht so gut hören. Bello hielt sich die Ohren zu, und biss Arne in die Finger. Der ließ die Maus fallen und Bello verkroch sich in einer Ecke. Alle Leute hoben die Füße, als würde Bello sie auffressen. Es ist echt erschreckend, was Menschen von Mäusen denken. Die Gondel schaukelte noch etwas in der Luft und nachdem oben auf der Aussichtsplattform die Türen geöffnet wurden, rannten Bello und Lilli im Eiltempo raus und machten sich vom Acker. Puh, mal wieder Glück gehabt, dachte Lilli.

Die beiden schauten sich um. Kein Affe weit und breit. Hatte der Kerl im Hafenbüro nicht gesagt, es gäbe tausende Affen auf dem Berg und die wären überall? „Wo fangen wir denn an zu suchen?“ fragte Lilli. „Na wir laufen ein bisschen herum und wenn wir jemanden treffen, der aussieht als wüsste er was, fragen wir nach.“ „Woran erkennen wir denn jemanden der etwas weiß?“ „Schau nach einem hellmittelgraubraunschwarzweißem Tier!“ befahl Bello. „Keine Affen zu sehen“ sagte Lilli immer wieder. „Es nervt ein bisschen wenn du immer den gleichen Satz sagst, ich meine einen Satz so ganz ohne neue Info“, sagte Bello. Lilli schaute beleidigt und sagte nix mehr.

Sie waren nun schon über eine Stunde unterwegs, hatten sich die Plattform angeschaut, waren etwas herumgelaufen und hielten Ausschau. Nichts zu sehen. Einfach kein Affe weit und breit. Sie saßen gerade vor dem Geländer und sahen sich die Stadt von oben an, da zischte es unter ihnen. „He“, hörten sie und noch mal „He“. „Hörst du das?“ „Klar höre ich das“ und schon zog eine kleine Hand Bello am Schwanz und er verschwand im Gebüsch. „Bello, Bello“, rief Lilli entsetzt. Sie kletterte durch den Zaun und hatte eine Höllenangst den ganzen Berg hinunter zu kullern. „Vorsicht“, schrie Bello. „Da bist du ja, was ist passiert?“ „Keine Ahnung, jemand hat an meinem Schwanz gezogen und dann war ich hier. Blitzschnell ging das.“

Sie hatten sich gerade von dem Schrecken erholt und Lilli war der Meinung, das sei nun genug Aufregung für den ersten Tag auf Gibraltar, da kitzelte sie ein Grashalm. Am Ende des Halmes war eine kleine Hand und an der Hand hing ein Affe. Nicht besonders groß aber ein Affe ohne Zweifel. „Können wir dir helfen?“ fragte Bello in einem etwas entnervten Ton. „Die Frage ist“, sagte der Affe, „ob ich euch helfen kann.“ „Ja, kannst du, wir suchen Peppi“ „Ha“, lachte der Affe, „den werdet ihr aber nicht so schnell finden. Der hat gehörigen Krach mit seinem Papa. Er hat gestern einer alten Frau den Hut, die Tasche und …“ „Ja, ja, die Geschichte kennen wir, aber wo ist er denn?“ „Der hat sich sicher versteckt. Warum braucht ihr den so dringend“, wollte der Affe wissen. „Mallo, also sein guter Freund ist unten im Hafen und will mit ihm sprechen“. „Der Delfin Mallo?“ fragte der Affe. „Genau der, kennst du ihn auch?“ „Nein, hab nur mal von ihm gehört.“

Die drei saßen eine Weile da. Lilli hatte dem Affen klar gemacht, wie enttäuscht Mallo wäre, wenn sie ohne einander gesehen zu haben weiterreisen würden und der Affe dachte darüber nach, ob und wann Peppi normalerweise wieder auftauchte, wenn er etwa angestellt hatte. Das konnte Wochen dauern. Er hatte ein sehr gutes Versteck.

„Wir müssen Peppi ein Zeichen hinterlassen, damit er weiß, dass Mallo auf ihn wartet.“ „Was für ein Zeichen?“ wollte Bello wissen. „Ich überlege noch“ sagte der Affe. Dann hatte Lilli eine Idee. „Ihr Affen seid doch so schnell und könnt sehr gut stehlen oder?“ „Darauf sind wir sozusagen spezialisiert. Wir organisieren jedes Jahr einen großen Nimmsihmweg-Lehrgang.“ „Gut und da in diesem Krimskrams-Souveniershop, mit all dem chinesischen Mist gibt es doch auch keine Plüschdelfine. So ganz kleine oder?“ „Kann schon sein“, sagte der Affe und dann kapierte er was Lilli eigentlich vor hatte.

Der Plan sah folgendermaßen aus. Die Affen sollten so viele Delfine aus dem Shop stehlen wie sie konnten und dann würden sie die Delfine so in Bäume und Äste hängen, dass sie zum Hafen wiesen. Das musste Peppi einfach auffallen.

„Meinst du er kapiert das?“ wollte Bello wissen. „Wisst ihr, niemand, also kein anderer Affe hat einen Delfinfreund, der Peppi ist schon sehr speziell. Deshalb hat er auch immer Ärger. Er kann sich einfach nicht gut unterordnen und hören tut er überhaupt nicht. Jedenfalls nicht auf seinen Vater. Aber das verseht er. Dumm ist er nicht.“

„Und die geklauten Delfine?“ wollte Lilli wissen, was passiert damit?“ „Die bringen wir dann wieder zurück, also wenn der Peppi bei Mallo ist“, log der Affe. Affen bringen nie etwas zurück hatte der Hafenmeister Lilli heute morgen erzählt. Aber den beiden war das nun auch egal. „Nur das die ganzen Plüschtiere am Ende nicht noch im Wald verrotten oder sogar im Meer landen“, ermahnte Bello den Affen.

„Schon gut, aber ihr müsst jetzt wieder runter. Wir machen das schon. Die letzte Gondel fährt gleich runter.“

Minuten später hatte der Affe seine Bande und jeden anderen Affen den er traf informiert und noch ein paar Minuten später war kein einziger Plüschdelfin mehr im Laden zu kaufen.

„Müssen wir jetzt wieder in dieses schaukelnde Ding?“ wollte Lilli wissen. „Bist du etwa höhenkrankängstlich?“ „Nur ein bisschen“, sagte Lilli und verkroch sich unter einer Sitzbank, damit sich das Spektakel vom Morgen nicht noch einmal wiederholen würde.

„Na endlich“, rief ihnen Mallo zu. „Wo ist Peppi?“ „Der hat sich versteckt, hat Ärger zu Hause, aber wir glauben der findet uns. Wenn er schlau ist, sogar ganz schnell.“

Am Abend erzählten die beiden Mallo was geschehen war und Mallo schlief gut gelaunt ein. Denn er wusste sein Freund, der ein bisschen zu wilde Peppi, würde ihn finden.

 

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Ankunft in Gibraltar

15. Tag · Sonntag

„Land in Sicht“, rief Lilli voller Begeisterung. „Wir haben doch schon lange Land in Sicht oder bist du blind“, wollte Mallo wissen. Er trieb gemütlich neben dem Schiff her und dachte nicht daran einen Blick zur Küste zu werfen. „Vielleicht, aber ich habe doch geschlafen“, sagte Lilli. Bello schlug seine Augen auf und schrie „Land in Sicht.“ „Siehst du“, sagte Lilli, „ich bin nicht die Einzige“.

„Also euch Beiden muss ich noch eine ganze Menge beibringen, was Navigation und Meer und ach, einfach alles betrifft“.

„Mach doch“, entfuhr es Lilli etwas beleidig. „Jedenfalls sind wir bald da. Wo genau müssen wir den hin?“

Bello und Lilli kramten in Windeseile Bücher, Karten und jede Menge Notizblätter von Bellos Opa hervor. Wie angewurzelt saßen die beiden nun fast schon eine Stunde da und berieten, was sie denn nun zu tun hatten.

Da wurde es Mallo zu bunt. „He ihr beiden, wenn ihr weiter in die Karten statt auf die Küste schaut, dann kracht es bald und wir sitzen auf dem Felsen.“

Erschreckt sahen die beiden hoch. „Also gut, es gibt 2 Häfen, die für unser Boot in Frage kommen. Den, der in Großbritannien liegt und der in Spanien liegt“, erklärte Bello. „Was?“ schrie Mallo, Großbritannien? Niemals, sonst hätten wir uns aber unglaublich dumm verfahren, also versegelt.“ Bello schaute wie ein echter Besserwisser, zog die Augenbrauen hoch und zuckte mit den Schultern. „Das hier gehört einfach zu England, also ich meine Großbritannien. Kennst du doch. Die Menschen streiten sich um alles und nichts. Sogar um Land und da hat Großbritannien eben gewonnen. Jetzt gehört dieser Steinhaufen eben denen.“

„Mein Bello“, sagte Lilli ganz verliebt. Der kennt sich echt aus mit den Menschen.

„Segelt mir jetzt einfach nach. Ich bringe uns hier in den Hafen, da war ich schon mal. Ist ganz sauberes Wasser und am Kai stehen Menschen die sich irre freuen, wenn sie Delfine sehen und von hier aus kann ich auf Peppis Felsen sehen.“ „Der hat einen eigenen Felsen?“ entfuhr es Bello. „Natürlich nicht. Aber der wohnt da oben.“ Bello und Lilli lenkten das Schiff geradewegs in die Marina Queensway. „Stop!“ schrie Mallo plötzlich aus dem Wasser. „Da ist eine Kette im Wasser gespannt. Nicht weiter! Dreht euch ein bisschen im Hafenbecken herum. Ich regle das schon.“ Dann schwamm er zum Pier und versuchte geschickt die Kette zu lösen. Als er aufsah stand ein warm angezogener Mann in Mütze und mit einem riesigen Schlüssel direkt vor ihm und sah nach unten auf ihn runter. Er bückte sich und sagte: „Oh, du bist ja ein schlaues Kerlchen. Willst die Kette lösen. Brauchst du nicht. Ich hab den Schlüssel und schließe jeden morgen um 9 Uhr auf und am Abend wieder zu. Aber warum stört dich denn die Kette?“ Der Mann wartete gar nicht erst auf eine Antwort. Er hatte nicht die geringste Ahnung von redenden Tieren und so konnte er nicht mal hören, dass Mallo freundlich DANKE sagte. Die Kette ging auf und die drei suchten sich einen freien Liegeplatz. Kaum lagen sie, alle Leinen fest, alle Fender raus da, sprintete ein anderer aufgebrachter Mann auf das Schiff zu. „So  geht das aber nicht“, schrie er. „Ihr hättet mich anfunken müssen und warten, welchen Liegeplatz ihr bekommt.“ Dann sah er die süße Lilli, die ihr schönstes Lächeln aufsetzte und sagte: „Na, wo kommt ihr denn her? Dein Herrchen ist bestimmt gerade unten und muss dringend ein Nickerchen machen. Das kenne ich. Das ist die frische Luft, die einem hier um die Nase weht. Ja, ja, hast du denn noch Wasser und etwas Futter? Sonst komm mal mit, ich hab da was für dich.“ Noch ehe Bello Halt, Stop sagen konnte und er wollte auch noch sagen: Geh auf keinen Fall mit, du kennst den Kerl doch gar nicht, war Lilli schon mit den Fremden unterwegs.

Lilli lief neben dem netten Mann her und folgte ihm in die Capitainerie, in das Büro des Hafenmeisters. Gleich neben der Tür, die weit offen stand, war ein Wassernapf für Hunde zu sehen. Um dem netten Herrn das Gefühl zu geben, er habe alles richtig gemacht, schlürfte Lilli erst mal einen ordentlichen Schluck und schaute ihn mit seinen treuesten Augen an. Und schon packte er aus einer Schublade einen Hundekuchen. So was Leckeres haben Bello und ich nicht an Bord, dachte sie. Dann fing der Mann an zu reden. Anscheinend  freute er sich darüber dass jemand zuhört. So ist das immer bei den Menschen. Denen hört nie jemand zu. Der Mann redete in einem fort. „Schau mal, das hier ist ein Bild von unserem Affenberg, der ist hier sehr berühmt und 426 Meter hoch. Jetzt möchtest du sicher wissen, warum wir den Berg Affenberg nennen. Ganz einfach meine Kleine, weil da Affen wohnen und zwar sehr spezielle Affen. Magotaffen. Sie sind schlau, schnell und ab und zu machen sie so richtig Ärger. Gestern sind sie alle von der Aussichtsplattform verjagt worden, weil sie einer alten Dame ein Eis, ihren Hut und die Handtasche geklaut haben. Die brauchen natürlich keine Handtaschen und Hüte, aber sie spielen gerne damit. Eis essen sie auch gerne.“ Lilli hörte gespannt zu und freute sich Mallo und Bello später davon zu berichten. „Ich kenne sogar ein Gedicht über Affen. Habe ich in der Schule gelernt“ sagte der Mann.

Die Affen gaffen nach den Giraffen

Was machen die da?

die Giraffen.

Die raffen Blätter von Bäumen und

schaffen es auch noch sich ganz nebenbei

fürchterlich anzublaffen.

Schön dämlich denken die Affen und hockten

voll Wonne in der Sonne.

Dann klingelte das Telefon und Lilli konnte sich unbemerkt raus und zurück ans Boot begeben. „Ich habe alle möglichen Informationen zu deinem Peppi“, rief Lilli schon aus der Entfernung. Mallo schaute erstaunt aus dem Wasser. „Gut dann macht euch auf die Suche. Ich kann ja schlecht hier weg“, lachte er.

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Vorbei an Cartagena nach Gibraltar

13. Tag · Freitag · 3. Tag auf See

„Langweilig“, schrie Bello schon beim Aufstehen. „Nur Wasser und Wasser und nix als Wasser.“ „Der hat ja mal ne Laune“, sagte Lilli und Mallo nickte ihr aus dem Wasser zu. Da rechts neben dir, also auf Steuerbordseite, liegt Cartagena. Eine herrliche Stadt direkt in einen Felsen hinein gebaut.“ „Na und“, piepste Bello. „Vielleicht braucht er jeden Tag so ein Abenteuer wie gestern“, lachte Lilli. Ich stupse ihn einfach noch mal rein, er schwimmt ja so gerne.“ „Ja und das Tauchen lernt er so auch recht schnell“, meinte Mallo.

„He ihr beiden, denkt ihr ich höre euch nicht?“ fragte Bello. „Wenn du etwas Sinnvolles tun willst, räum doch irgendwo auf oder putz ein bisschen, oder putz dich selbst ein bisschen.“ Bello verdrehte die Augen. „Du hörst dich an wie meine Mutter.“ „Du warst bestimmt ein freches Kerlchen. Vermisst du deine Mutter?“ „Geht so. Abends vermisse ich sie und will mich in ihre weichen Mäusearme schmiegen und tagsüber nicht so sehr. Ich glaube, das liegt daran, dass ich alles machen darf was ich will. Lange schlafen, viel Kakao trinken. Schwimmen hätte sie mir nie und nimmer erlaubt. Und du? Vermisst du deine Menschen? „Ja auf jeden Fall denke ich oft an die Kinder. Paula und Max. Ich werde ihnen viele Postkarten schreiben.“ „Du kannst schreiben?“ Lilli dachte einen Augenblick nach, dann sagte sie: „Wenn du mir hilfst, klappt das schon. Du warst doch in der Mäuseschule.“ „Stimmt, brauchen wir nur noch eine Postkarte, aber ich vermute hier auf dem Meer ist kein Kiosk.“

Der ganze Tag verging langsam. Niemand hatte eine Idee, was sie machen könnten. Sie fingen an Stadt, Land Fluss zu spielen und hatten nach drei Durchgängen keine Lust mehr, Mallo schien zu schlafen, Lilli legte sich von einem Platz auf den anderen und Bello fing tausend Dinge an, brachte aber nichts zu Ende. Erst als es Abend wurde, wurden die drei wacher.

Der Himmel war jetzt dunkelblau und man konnte jede Menge Sterne sehen. Und dann, ganz plötzlich schrie Lilli auf. „Da eine Sternschnuppe.“ Sie hatte kaum Zeit Luft zu holen, da rief sie schon wieder „Noch eine und noch eine.“ Mallo und Bello staunten in den Himmel. „Oh je“, japste Bello, so schnell kann ich mir gar nichts wünschen. „Halt stop“, schrie er und sah so angestrengt im Gesicht aus, dass Mallo dachte, er läuft sicher gleich blau an.

Die ganze Nacht ging das so. Sternschnuppe um Sternschnuppe durchzischte den Sternenhimmel. „So viele Wünsche“, schwärmte Lilli. „Nichts verraten“, ermahnte sie Mallo. „Sonst werden sie nicht wahr“. „Und die, die ich nicht verrate, werden die alle wahr?“ wollte Lilli wissen. „Keine Ahnung, könnte aber doch sein“, rief Mallo.

Lilli lief flux in ihre Kabine brachte Blatt und Stift mit und begann zu schreiben. „Was machst du da?“ wollte Bello wissen. „Ich schreibe auf, was ich mir gewünscht habe. Ich will mir nichts doppelt wünschen und ich will nicht vergessen, was ich mir gewünscht habe.“ Bello dachte, dass er seine Hündin Lilli wirklich lieb hatte. Er freute sich, dass sie so schlau war und wünschte sich, dass es Lilli immer gut gehen würde. Oder jedenfalls meistens. Oder jedenfalls immer dann, wenn sie ihm nicht auf die Nerven ging. Und er wünschte sich, dass es seiner Mutter gut ging und er wünschte sich, dass er endlich die Angel finden würde, die irgendwo an Bord sein müsste und er wünschte sich, dass Mallo noch ganz lange bei ihnen bleiben würde.

Mallo wünschte sich bald Peppi wieder zu sehen und natürlich sollte es Peppi gut gehen und dass die Menschen  weniger Müll einkaufen und wegwerfen würden, damit die Meere wieder sauberer würden.

Lilli wünschte sich, dass diese Reise ganz wunderbar würde, und dass niemandem etwas passieren würde, dass sie nicht eingefangen, Bello nicht von einer Katze gefressen und Mallo nicht in einem Fischernetz hängenbleiben würde. So war die ganze Crew die ganze Nacht damit beschäftigt sich etwas und noch etwas und noch etwas zu wünschen. Solange bis der Morgen anbrach und keine Sternschnuppe mehr zu sehen war.

rettung

Auf See

vorbei an Denia, Cartagena nach Gibraltar

12. Tag · Donnerstag · 2 Tag auf See

Bello saß schon um 6 Uhr an Bord, trank einen Kakao und hielt Ausschau nach Mallo. Der schien noch zu schlafen. Bello rief nach ihm und schon reckte er geschmeidig und neugierig seinen Kopf aus dem Wasser. „Na, gut geschlafen?“ fragte Mallo. „Du wohl auch“, sagte Bello. „Ich dachte du willst auf das Schiff aufpassen.“ „Das kann ich auch im Schlaf“, erklärte ihm Mallo. Delfine haben einen grandiosen Orientierungssinn. Außerdem kennen sie das Meer wie ihre Westentasche und brauchen weder einen Kompass, noch eine Karte. Die Karte haben sie sozusagen in ihrem Körper eingebaut. Hunde und Mäuse haben auch viele Talente, aber die Meeresströmungen sind ihnen nicht sehr vertraut und so freute sich Bello immer mehr über Mallos Bekanntschaft. „Kannst du noch ein Weilchen bei uns bleiben?“ fragte er Mallo. „Klar kann ich das. Ich hab grad nichts vor. Und ich will Peppi gerne wieder sehen. Der wohnt in Gibraltar. Er ist der lustigste Affe den du dir vorstellen kannst.“

Nun kam Lilli aus dem Boot gekrochen. Sie rieb sich die Augen und schaute aufs Meer. „Kein Land in Sicht“, sagte sie und staunte über die hüpfenden Wellen. „Aber ein neuer Freund in Sicht“, erklärte ihr Bello. „Mallo wird uns bis Gibraltar begleiten, das ist doch fein. Dann kann er nachts auf uns aufpassen und am Tag können wir ein bisschen mit ihm schwimmen.“ „Schwimmen“, sagte Lilli mit einem Seufzer. „Ist er ok?“ wollte sie von Bello wissen. „ich glaube schon sagte Bello. Immerhin hat er die ganze Nacht auf uns aufgepasst. Auf dem Meer kennt er sich gut aus und er scheint eine ganze Menge über so was wie Wellen, Strömungen, Sandbänke und was weis ich noch alles zu wissen.“

„Frühstück?“ wollte Lilli wissen? „Ja gerne, aber erst mal mache ich einen kleinen Sprung ins kalte Nass.“ „Bist du bescheuert?“ rief Lilli und staunte nicht schlecht als Bello mir nichts dir nichts ins Wasser hüpfte. Auch Mallo war erstaunt. „Was macht er da?“ fragte er Lilli. „Ist er lebensmüde? Er kann noch nicht mal annähernd so schnell schwimmen wie das Schiff. Ich gehe ihn mal einsammeln, sonst hast du die längste Zeit einen guten Freund gehabt.“

Bello war gleich nach seinem Sprung ins Wasser klar geworden, dass das Schiff in einem Affenzahn davonsegelte. Oh man bin ich ein Depp, hatte er sich gesagt. Jetzt werde ich hier sterben. Am zweiten Tag auf See, nur weil ich so unvorsichtig war und nur weil ich nicht nachgedacht hab und nur weil ich nun mal kein Fisch bin. Als er fertig war mit seinem Selbstmitleid, sah er den silbergrauen Körper von Mallo auf ihn zuschwimmen. „Hilfe“, schrie er. „Du brauchst nicht so zu schreien“ beruhigte ihn Mallo. „Halt Dich an der Flosse fest. Ich bringe dich zum Schiff.“

Total aus der Puste kletterte Bello an Bord. „Puh, das war ein wenig übermütig.“ „Ein wenig?“ Lilli wickelte ihn in ein Handtuch ein. „Auch wenn du jetzt schwimmen kannst. So schnell wie ein Schiff kannst du nie schwimmen. Merk dir das gefälligst.“ „Schon gut. Tut mir leid.“

„Man o Man, das war knapp. Von oben sehen die Wellen sicher viel kleiner aus“, meinte Mallo. „Ich kann euch sagen: Mit Strömungen und Wellen muss man sich schon sehr genau auskennen. Ich erkläre euch mal was“:

Von oben gesehen, also wenn man hoch oben über der Erde, sagen wir aus dem Weltraum runter schaut, kann man genau sehen, in welche Richtungen das Wasser fließt und sich dabei um die Länder der Erde herum bewegt. Es gibt ein paar Hauptströmungen: Auf der nördlichen Halbkugel bewegen sich die Strömungen im Uhrzeigersinn, auf der südlichen Halbkugel bewegen sie sich gegen den Uhrzeigersinn. Und dann gibt es noch ganz spezielle Strömungen. Den Golfstrom, der startet im Golf von Mexiko und bewegt sich Richtung Großbritannien. Und das finden die Briten toll, denn er bringt Wärme in ihr Land.“

Leinen Los

vorbei an Denia, Cartagena nach Gibraltar

11. Tag der Reise · Mittwoch · 1 Tag auf See

„Leinen los“, rief Bello, der in vollem Ornat am Steuer stand. „Leinen sind los“, antwortet Lilli etwas genervt. Diese dämlichen Segelmanöver mag ich gar nicht, dachte sie. Machte aber die Leinen los, wie sie es gelernt hatte und nahm sie so schnell sie konnte an Bord.

„Los, geh ans Steuer und fahr aus dem Hafen raus. Nicht schneller als 3 Knoten!“ „Was?“ schrie Lilli und rannte zum Steuer. Dann sah sie Bello zum ersten Mal bewusst an. Sie prustete los. „Wie siehst du denn aus?“ Bello rannte  – während Lilli sich vor Lachen mit einer Pfote den Bauch hielt und mit der andern aus dem Hafen raus steuerte – an den Bug des Schiffes, stellte sich genau in die Mitte, hob die Hand wie ein Kapitän zum Befehl und hatte eine Kapitänsmütze und eine sehr lustige Schärpe angezogen.

Als sie aus dem Hafen fuhren, drehte Fransel eine kleine Runde in elegantem Flug über dem Boot und – unglaublich aber war – er kackte, lachte und flog mit wild winkenden Flügeln davon. Bello und Lilli staunten und Bello ging zurück zum Steuer. „Also, schieß schon los, WAS ist DAS, was du da anhast?“ Das hab ich in Opas Kiste gefunden. Die Schärpe hat er mal bekommen, als er einen Preis gewonnen hat und die Mütze, tja ich bin nicht sicher. Vielleicht hatte er sie geschenkt bekommen.“ „Du siehst äußerst lustig aus.“ „Was? Ich finde ich sehe ehrenwert aus und großartig und wichtig.“ „Schon gut, legen wir jetzt den Kurs an?“ „Ja 155° Süd-Südost.“

Gleich als die beiden aus dem Hafen raus waren, fuhr ihnen ein wilder Wind um die Nase. Und Lilli, die den Wind liebte wie ein Kind das Schaukeln, freute sich mächtig, während Bello alle Hände zu tun hatte um die Segel zu setzen. „Nun zieh doch mal diese Mütze aus und die Schärpe oder stört dich das nicht?“

  Bello empfand weder die Mütze noch die Schärpe störend und so behielt er sie den ganzen Tag an und Lilli hatte mehrmals täglich einen Grund zu lachen. Mal rutschte die Schärpe von Bellos Schulter und er stolperte darüber, mal schlief er ein und sie schlägelte sich wie eine Schlange um seinen Hals. Mal saß die Mütze schief und daher hielt Bello den Kopf schief, mal flog sie ihm mit einem Windstoß fast davon. Am Abend verstaute Bello Mütze und Schärpe in einer großen Kiste am Heck und sie machten sich gemeinsam das erste Abendessen an Bord.

„Ich kann die Küste gar nicht mehr sehen“ meinte Lilli. „Hört sich ja an, als hättest du Angst“, sagte Bello. „Soll ich dich mit einem Gedicht erheitern?“ „Ja, eigentlich gerne, aber kannst du mir vorher noch kurz sagen, wann wir die Küste wieder sehen können?“ „Morgen früh.“ Bello schaute auf die Bordinstrumente, machte ein sehr wichtiges Gesicht und nickte mit dem Kopf „so gegen 8:30 Uhr werden wir Cartagena sehen und am übernächsten Abend laufen wir in den Hafen von Gibraltar ein.“ Mit dieser Antwort höchst zufrieden, schaute Lilli sich die Bordnavigation an, dachte, dass sie absolut keine Ahnung hatte, was die einzelnen Zahlen und Zeichen bedeuten sollten und zwitscherte mit leisem Stimmchen: „So und jetzt das Gedicht bitte, ich bin dann bereit.“

4 Babytintenfische

die kamen uns besuchen

wir baten sie zu Tische

sie dachten es gäb Kuchen

doch gab‘s nur frische Fische

das brachte sie zum fluchen.

„Nett“ meinte Lilli, „hast du Hunger? Vielleicht auf Kuchen?“ „Haben wir denn Kuchen?“ wollte Bello wissen. Lilli kramte in den Fächern der Bordküche und begann einen ihrer berühmten Mäusekuchen zu backen. „Ein bisschen größer dürfen die Mäusekuchen diesmal schon sein.“

Lilli schnaufte und nach einer halben Stunde roch es wunderbar nach Mäusekuchen. Lillis berühmter Mäusekuchen hatte seinen Namen bekommen, weil Lilli für Bello immer zum Geburtstag diesen Kuchen backt. Seit sie sich kennen. Allerdings konnte Lilli sich nie vorstellen, dass eine so kleine Maus so viel Kuchen essen konnte. Darum backte sie jedes Jahr, nachdem sie sich gewundert hatte, dass gar kein Kuchen mehr da sei noch einen Kuchen. Diesmal war der Kuchen groß und köstlich. Die beiden saßen mit baumelnden Beinchen an der Reling und krümelten ins nachtblaue Meer.

„Hörst du das?“ fragte Bello. „Das Plattschen?“ „Ja genau. Hört sich doch komisch an oder?“ „Was kann das sein“, fragte Lilli. „Vielleicht fliegende Fische oder …“ Platsch machte es und noch mal platsch. Platsch, Platsch, Platsch.

„He, Hallo … ich bin hier … hier unten.“ Lilli und Bello wären vor Schreck beinahe über Bord gefallen. Lilli hustete und prustet ein Stück Kuchen ins Meer. „He, lass das gefälligst“, sagte die Stimme. Bello schrie: „Wo bist du? Und wer bist du?“

„Menschenskinder, seid ihr blind. Hier unten. Ich bin ein Delfin und nicht gerade klein. Man kann mich sehr gut sehen.“ „Es ist dunkel“, rief Lilli. „Na und seht ihr mich wirklich nicht?“ wollte der Delfin wissen. „Dann bleib doch mal bitte an einer Stelle“, motze Bello. „Morgen früh werdet ihr mich sehen. Am besten geht ihr mal schlafen. Ihr scheint sehr müde zu sein. „Nicht so einfach“, rief Bello. „Einer von uns muss immer wach bleiben. Damit wir nicht gegen einen Felsen segeln oder gegen ein anderes Schiff.“ „Kein Problem, ich passe auf, ihr geht schlafen, aber bitte hier draußen, damit ich mir nicht wieder die Kehle aus dem Hals schreien muss, bis ihr mich hört.“

Tolle Idee dachten die beiden Segler. Sie legten sich in ihre Hängematten an Bord, stellten den Autopiloten auf Kurs und das kleine Boot segelte zuverlässig die ganze Nacht durch. Mallo, der Delfin tat ab und zu ein Auge auf um zu sehen, ob das Schiff die Richtung bei behielt und trödelte gemütlich neben dem Schiff im Wasser bis es Morgen wurde.   

Valencia

10. Tag der Reise ·  Dienstag

„Lektion 2: Kurse zum Wind.“ Lilli hatte nicht mal die Augen aufgeschlagen, da piepste Bello ihr schon ins Ohr. „Lass mich doch erst mal aufwachen und aufstehen und frühstücken und ein bisschen baden gehen, du nerviger kleiner Mäuserich.“ „Wie nennst du mich? Nenn mich großer Meister oder besser sehr, sehr, großer Meister.“ „Na sehr, sehr großer Meister. Vor der nächsten Lektion ein bisschen schwimmen?“ „Nein“, meinte Bello ganz entschieden. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Schau hier ist ein Bild von den Winden und wie Du die Segel genau stellen musst, damit das Boot genau da hin segelt, wo du willst.“ „Alles klar, hab ich gesehen. Können wir jetzt gehen?“ „Oh nein mein Hundeleichtmatrose.“ „Mein WAS?“ „Ein Leichtmatrose ist ein recht unwissender Matrose. Also lern das lieber auswendig.“ „Ernsthaft?“ fragte Lilli. „Auf jeden Fall. Oder willst du, falls ein Sturm aufzieht, mal eben rein gehen und nachlesen, was noch mal ein Vorwindkurs ist?“ Na gut dachte Lilli, sah sich Bellos Zeichnung an, prägte sich alles so gut wie möglich ein und schlich sich während Bello die Schubladen durchwühlte heimlich von Bord. Plötzlich schaute Bello hoch. „Lilli?“ So ein schlaues Ding, sagte er sich. Ist ohne mich zum Baden gegangen. Dann esse ich die Salzstangen eben ganz alleine auf. Als Lilli klammheimlich wieder aufs Boot springen wollte, rief Bello so laut er konnte. „Stop, Zutritt nur für Matrosinnen, die alle Kurse zum Wind unterscheiden können.“ Lilli dachte nach, versuchte sich Bellos Zeichnung zu erinnern und rief ihm zu: „Im Wind, am Wind, Halbwind, Raumschots und vor dem Wind.“ „Oh“, staunte Bello und dachte sich. Da habe ich eine sehr kluge Hundefreundin. „Willkommen an Bord Matrosin Lilli“ rief er mit zufriedener Miene. „Was müssen wir vor unserer großen Reise eigentlich noch erledigen“, wollte Lilli wissen. „Eine Liste“, rief Bello aus „wir machen eine Liste mit allem, was wir noch erledigen müssen.“

Sachen die wir vor dem lossegeln noch erledigen müssen.

Segel prüfen

Motor prüfen

Essen und Wasser besorgen

Flaggen für alle Länder der Welt besorgen

Fransel auf Wiedersehen sagen

Strom und Batterien prüfen

Wassermacher testen

Oh, dachte Lilli, das Einzige, was ich davon machen kann ist Essen besorgen und Fransel Tschüss sagen. „Wie prüft man dass denn alles?“ „Wir müssen einfach nur nachschauen, ob alles ganz ist und zum Beispiel ob der Motor anspringt, ob er genügend Öl und Diesel hat, ob der Keilriemen noch gut in Schuss ist und ob der Wassermacher läuft. „Was ist denn ein Wassermacher?“  Lilli kam sich wirklich dumm vor. Von all diesem Zeug hatte sie noch nie gehört. „Ein Wassermacher macht aus Meerwasser trinkbares Wasser. Das macht er in dem er das salzige Wasser ansaugt, es dann noch eine hauchdünne Membrane (also ein sehr feines Sieb) presst wobei das Salz dann wieder zurück Meerwasser geleitet wird. „Hui, schlau und das Wasser können wir dann trinken?“ „Genau“ sagte Bello und machte sich auf Richtung Vorschiff, wo die Segel lagen. Lilli zerrte mit der Schnauze Stück für Stück der verschiedenen Segel auf das Vorschiff und Bello lief darauf herum und schaute sich an, ob es Löcher oder lose Nähte gab. Dann tauchten die beiden in den Motorraum ab und Bello schraubte hier etwas fester, tauschte Filter aus, überprüfte den Ölstand und den Keilriemen. „Alles in bester Ordnung“, meinte er. „Dann kann es ja bald los gehen.“ „Schon, aber wir brauchen den richtigen Wind und wir müssen Fransel noch finden und bevor ich das Wichtigste vergesse: wir brauchen etwas zu essen. „Also wieder eine Vorstellung vor dem Mercado Central?“ „Gute Idee, lass uns losgehen.“

Kaum waren die beiden auf dem Pier kam Fransel schon angeflogen. „Na geht‘s wieder zur Spezialvorstellung?“ „Genau, kannst Du uns noch mal einen Hut besorgen?“ „Geht klar“, pfiff Fransel bestens gelaunt und flog in hübschem Bogen zu seiner Hutausleihstation. „Heute könnt ihr Euch vielleicht mal was anderes einfallen lassen“, meinte Fransel. „Warum?“ fragte Lilli, „wir haben doch wunderbar viel Geld verdient.“ Gerade als der Hut an Ort und Stelle war und die beiden sich aufgestellt hatten, gab es ein fürchterliches Gebrülle. „Policia, Policia“ tönte es aus allen Winkeln. Die Straßenhändler hatten ihre Sonnenbrillen, Taschen und Turnschuhe in Windeseile in die Tücher gepackt, auf denen sie ausgestellt waren und liefen in alle Himmelsrichtungen davon. Nur Bello und Lilli saßen noch da. Die Polizisten sahen sich auf dem Platz um und fanden es notwendig, Lilli und Bello eine kleine Lektion zu erteilen. „Wisst ihr dass es verboten ist, hier zu musizieren?“ „Also musizieren würde ich es nicht nennen“, pfiff Fransel einem Polizisten zu. Der schaute verblüfft. „Aber ihr hattet doch vor eine Vorstellung hier auf dem Platz zu geben? Und genau das ist eben verboten.“ „Ja, schon“, beruhigte Fransel die Polizisten, „aber es ist ja noch gar nichts passiert. Lilli und Bello staunten nur recht hilflos durch die Gegend. Als Bello gerade loslegen wollte, mahnte Lilli „Sei lieber ruhig. Fransel regelt das schon.“ „Das macht dann 50 Euro“ sagte der Polizist. „Was?“ schrie Bello. „Das macht dann 50 Euro.“ „Also bitte, Herr Polizist“, begann Fransel, „die beiden haben noch nicht mal einen Euro verdient und wovon sollen sie denn 50 Euro bezahlen?“ Der Polizist wiegte etwas den Kopf hin und her, sah selber etwas ratlos aus und zuckte die Schultern. Auch sein Kollege hatte keine bessere Idee. „Die anderen sind alle weggelaufen“, sagte Fransel. „Und wenn ich jetzt hier noch etwas mit ihnen plaudere und die beiden dann auch weglaufen, dann brauchen sie doch sicher nichts zu zahlen oder?“ Beide Polizisten schauten sich fragend an. „Das braucht jetzt ein Weilchen, bis die fertig gedacht haben. Lauft los, schnell, weg hier“ raunte Fransel Bello und Lilli zu. „Komm´ zum Boot“, hechelte Lilli noch schnell, bevor die beiden um die Ecke bogen und so schnell wie möglich zum Hafen zurück liefen. „Beim nächsten Mal klappt es“, tröstete Lilli Bello. Und sie hatte recht. Die beiden waren gerade mal 2 Straßen weiter, da holte Fransel sie ein, stoppte sie und erklärte ihnen, sie könnten jetzt wieder zurück, denn die Policia käme nur einmal pro Tag auf den Platz zur Kontrolle. Die Straßenhändler seien sicher auch schon wieder da. Bello und Lilli verdienten an diesem Tag über 48 Euro und kauften alles, was sie für die Reise brauchten. Wurst und Käse, Bohnen und Speck und Putzmittel, einen Schwamm zum Waschen und Haferflocken und Müsliriegel und Dauerwurst und Garn um die Segel reparieren zu können. Fransel verabschiedet sich noch am gleichen Abend. „Ich mag keine Abschiede“, sagte er „ich fliege morgen einmal kurz über euch und kacke euch aufs Schiff.“ „Wehe“, rief Bello. „Trau dich nicht.“ Fransel lachte.

Valencia

9. Tag der Reise · Montag

„Tralla la la la“ Bello war enorm gut gelaunt als er am morgen erwachte. „Was trällerst Du denn so fröhlich?“ meinte Lilli, als sie sich den Sand aus den Hundeäuglein rieb. „Ich trällere doch nicht. Ich trallere und zwar weil ich gestern Abend seit sehr langer Zeit weder traurig, noch missmutig, noch schwermütig eingeschlafen bin“. „Was ist denn schwermütig?“ wollte Bello wissen. „Na wenn du alles ganz schwer empfindest und keine Freude hast und kein bisschen Mut und gar nicht denkst, dass es morgen wieder besser wird.“ „Puh bin ich froh, nicht schwermütig zu sein.“

Bello kramte ein bisschen im Rucksack, verstaute all das Mitgebrachte im Boot und stellte sich so aufrecht wie sie nur konnte vor Bello. „So mein Freund heute Lehrstunde 1 in Bellos Mäusebootsschule.“ „Dann leg mal los“, sagte Bello ganz gelassen.

„Komm mit nach nach oben.“ Die beiden kletterten oben aufs Boot und Bello unterrichtet Lilli in dieser ersten Stunde erst einmal über Boote und Segel und ach, Lilli brummte schon bald der Schädel. „Pause, Pause“ schrie sie. „Du sprichst ja schneller als Speedy Conzales rennt und ich muss mir das doch alles merken.“ „Stimmt sagte Bello unbeeindruckt. Und was ist das hier?“ „Das ist der Mast.“ „Richtig und das hier?“ Er zeigte auf dem Baum. „Das ist der Ast, ach ne, das ist der Baum“. „Genau und wir sind auf einem?“ „Kamaratan oder so“. „Katamaran, ein Boot mit 2 Rümpfen“. „Stimmt“ sagte Bello. „Siehst du, geht doch schon ganz gut. Morgen erkläre ich dir die Winde. Und jetzt Futtersuche“, rieft Bello und lief in einem Affenzahn über die Festmacherleine, mit der das Schiff am Steg festgebunden war, auf den Steg. „Wenn wir Geld hätten, könnten wir etwas zu essen kaufen und müssten nicht so lange suchen gehen“, sagte Lilli. „Stimmt, aber wo bekommen wir Geld her?“ fragte Bello. „Na ganz einfach wir stellen uns an den Straßenrand und singen. Allerdings sollte ich lieber singen. Du bist so klein, die großen Leute da oben können dich sicher nicht hören.“ „Gut versuchen wir es.“ Die beiden liefen über den Pier zurück in Richtung Stadt und merkten, dass sie den ganzen Weg über von einem Vogel verfolgt wurden. „Der fliegt uns nach“ meinte Bello. Lilli drehte sich um und schaute hoch zu dem Vogel, der direkt über den Köpfen der beiden einen Kreis zog. „Können wir dir helfen?“ rief Bello nach oben. „Weiß ich nicht, was könnt ihr denn?“ fragte der Vogel. „Wir versuchen es jetzt mal mit singen, wir brauchen Geld um uns etwas zu essen zu kaufen.“ „Hmm“ meinte der Vogel. „Und wo wollt ihr singen?“ „Na da wo viele Menschen sind.“ „Oh da fällt mir ein Plätzchen ein. Vor dem Mercado Central, das ist der große Markt in der Stadt. Da sind viele Leute und alle haben die Tüten voll mit Essen. Die haben bestimmt ein bisschen Kleingeld.“ „Gute Idee, zeigst du uns den Weg?“ „Mach ich. Ich heiße übrigens Fransel. Ich weiß, ich weiß ist ein merkwürdiger Name aber das kommt, weil ich mir die Federn verstaucht habe und jetzt steht diese hier ein bisschen franselig ab. Richtig heiße ich Franz, aber so nennt mich niemand.“ Fransel flog fröhlich vor den beiden her. „Schaut mal wir laufen hier durch die Turia, das ist das alte Flussbett und jetzt ist es ein Park.“ Lilli schaute sich um. „Ein herrlicher Park“, meinte sie. „So viele verschiedene Pflanzen und Wasser und was ist das?“ Sie blieben vor einem weißen Gebäude stehen, das aussah wie eine riesige Schildkröte. „Das ist das Ciudad de Las Artes y Las Sciencias. Hier könnt ihr Wissenschaft und Kunst sehen.“ „Toll“, meinte Lilli alle paar Minuten. „Einfach toll.“

Auf dem Platz vor dem Mercado Central waren viele verschiedene Stände aufgebaut. Ein paar Nordafrikaner verkauften Sonnenbrillen und Handtaschen und Turnschuhe. Eine Blumenfrau hatte ihren Stand dort und gegenüber des Eingangs in die riesige Markthalle, waren jede Menge Restaurants und Cafes. Wunderbar, das passt dachte Lilli. „Hier müsst ihr euch aufstellen.“ rief Fransel aus der Luft. „Wir brauchen einen Hut“ sagte Bello. „Einen in den die Leute Geld rein werfen können.“ „Ich schau mal was ich machen kann“ meinte Fransel, flog davon und kam mit einem kleinen Hut zurück. „Den muss ich aber heute Abend wieder abgeben. Den habe ich aus dem Laden da vorne stibitzt.“ „Ganz schön mutig“, meinte Bello und schon stand Lilli auf ihren Hinterbeinen und begann ein Liedchen zu trällern. „I have sunschine in my poket and …“

Die Leute hielten zwar an, aber sie sahen nicht aus, als ob sie den Gesang sehr schön fänden. Sie hielten sich eher die Bäuche vor Lachen. Sie klatschten und warfen sogar Geld in den Hut. „Was denken die, das ich hier mache? Ich will doch singen und nicht als Witzfigur auftreten.“ „Ist doch ganz egal“, meinten Bello und Fransel. „So kommt aber eine Menge Geld zusammen. Schau mal schon 15 Euro.“ Lilli konnte es gar nicht glauben. Nach 2 Stunden beendeten die Freunde das lustige Konzert und kauften sich Käse, Wurst und für Fransel eine Hand voll Sonnenblumenkerne. „Jetzt aber zurück zum Schiff, es gibt noch jede Menge vorzubereiten“ sagte Bello. Die drei trotteten mit ihren vollen Bäuchen die Straßen entlang zu Kai, zum Pier und dann zum Schiff. Oder genauer gesagt: Bello saß mit vollem Bauch zwischen Lillis Ohren und Fansel hatte es sich auf ihrem Rücken bequem gemacht und Lilli trottete zurück zum Schiff.

„Ihr seid ganz schön schwer“ sagte sie. „Volle Bäuche“, erwiderte Bello kurz bevor ihr die Augen zufielen. Blatsch machte es und Bellomaus war holterdipolter von Lillis Kopf direkt in eine Pfütze gefallen. „Igitt“ schrie er laut auf. „Zeit für ein Bad, ein Meerbad meine ich natürlich.“ Also gut dachte Lilli, dann eben nicht zum Schiff. Nehmen  wir ein Bad. Danach kann man so herrlich schlafen.“

Valencia

8. Tag der Reise · Sonntag

„Oh je“ entfuhr es Bello, „das ist aber groß“.

„Ich dachte du warst schon mal hier.“ „War ich auch, aber immer im Koffer und da bin ich erst im Boot rausgeklettert. Das die Stadt soooo groß ich hätte ich gar nicht gedacht.“ „Gut, jetzt müssen wir den Hafen finden.“ Bello trottet voran, als ob er sich auskennen würde. „Wo gehst du denn so zielstrebig hin?“ „Richtung Meer. Ist doch klar.“ „Ah“ meinte Bello, „der Herr kann das Meer wieder riechen. Ich hab Hunger.“ „Du hast doch immer Hunger, wir werden schon was finden.“ Bello träumte von schönen Mülleimern, prall gefüllt mit leckeren Häppchen. Lilli rannte neben Bello her und juchzte auf einmal auf. „Hach“ „Was ist los?“ fragte Bello. „Es ist so herrlich warm hier und die Sonne auf meinem Fell tut mir gut und …“ „Ja, ja du bist eine Sonnenanbeterin, das ist schon mal klar.“

An einem Straßenkaffee stoppte Bello und knuffte Lilliam Bein.  „Siehst du das?“ Lilli sah in die Richtung in die Bello  zeigte. Eine riesige offene Mülltonne und gleich daneben auf dem Boden ein belegtes Butterbrot. „Schinken und Käse“, schrie Bello voller Freude. „Und leider keine Kartoffel weit und breit.“ Gerade als die beiden schon fast am Mülleimer angekommen waren, ertönte über ihnen eine raue, sehr laute Männerstimme „ustedes dos salgan de aquí.“ „Was?“ schrie Bello erbost zurück und schon holte der Mann mit dem Bein aus um nach den beiden zu treten. „Lauf!“ schrie Bello. Mit einem Satz rannten die Beiden los. „Was war das denn“, jappste Bello. „Ich glaube, das war Spanisch.“ „Verdammt und wir können gar kein Spanisch.“ meinte Bello. „Dann müssen wir es eben lernen.“ Mit mürrischer Miene liefen die beiden Freunde weiter. „Meinst du es ist noch weit?“ fragte Bello „Auf keinen Fall“, sagte Bello, „ich rieche das Meer, als ob es vor meiner Nase wäre“. Bello hatte fast recht. Sie liefen über eine Wiese, kamen an einen Zaun, kletterten hinüber, sahen jede Menge Hafenkräne und auf einmal sahen sie das Meer. „Jetzt müssen wir nur noch das Boot finden und ach ja, den Hafen. „Kein Problem meinte Bello, wenn wir den Hafen gefunden haben, weiß ich genau wo das Boot liegt. Es ist auf dem ersten Steg. Ein großes B steht da dran und es ist das zweite Boot auf der rechten Seite und es steht „Rivercafe“ daran.“ „Ist es ein Kaffee?“ fragte Bello verwundert. „Nein es heißt nur so, weil mein Opa so gerne im Rivercafe gegessen hat, das ist ein Restaurant und er dachte es sei lustig, das Boot danach zu benennen.“ Na gut, dachte Bello, den Hafen finde ich sicher. Die beiden liefen so lange am Strand entlang, bis sie zu einem kleinen Tor kamen. „Hier müssen wir rein. Siehst du, da hinten kann man schon die Masten der Boote sehen.“ „Segelboote“, sagte Bello verträumt. Bello hielt die Masten im Auge und lief geradewegs darauf zu. „Hier ist es“, schrie Bello „ich erkenne alles ganz genau. Ein großes Schild zeigte das Bello recht hatte. Puerto de Valencia – Marina Real.

Die beiden liefen über den Pier bis zu Steg B und kletterten über den Sicherheitszaun zum Steg. „Ich nehme die Leine und du springst“. Bello sprang im hohen Bogen auf das Schiff. Bello balancierte gekonnt über die Leine mit der das Boot festgemacht war. „Warst du überhaupt schon mal auf einem Boot?“, fragte Bello. „Wann soll ich denn mal auf einem Boot gewesen sein. Ich hab mal auf einer Luftmatratze auf dem Rhein gelegen. Aber das war‘s auch schon.“ Na gut ich glaube dann muss ich dir einiges beibringen. Aber erst mal sehen wir nach, was noch zu essen an Bord ist.“

Bello schmiss den schweren Seesack in die Ecke und Bello kletterte auf eine Ablage, öffnete eine Schranktür und siehe da: Haferflocken, Müsliriegel und sogar eine Tüte mit Keksen. „Opa hat immer viel zu essen hier. Er hat immer gesagt, es muss so viel an Bord sein, dass man mal ein paar Tage vor Anker liegen kann ohne in ein Geschäft zu kommen.“ Die beiden schlugen sich die Bäuche voll und legten sich dann in die Abendsonne. Vom Vorsegel zum Mast war eine Hängematte befestigt. „Super“ meinte Bello, dann haben wir ja gleich mal ein feines Schlafplätzchen.“ Langsam ging die Sonne unter. Die beiden lagen zufrieden und glücklich in der Hängematte. Lilly kuschelte sich an Bellos Ohr und flüsterte: „Ist dir klar, das es Sonntagabend ist?“ „Oh“ meinte Bello „und kein bisschen schlechte Laune. Dann geht dein Plan ja auf.“ Er freute sich noch ein Weilchen und schloss dann seelenruhig die Augen.

Von Montpellier nach Valencia

6. und 7. Tag der Reise · Freitag und Samstag

„Die große Frage ist“, sagte Bello als er am morgen die Augen aufschlug, „wie kommen wir jetzt weiter nach Valencia?“

„Erst einmal möchte ich jetzt gerne ans Meer. Ich rieche schon die ganze Zeit die salzige Luft“. „Ich wüsste gerne mal was am Meer so schön sein soll. Einfach nur Wasser, viel Wasser oder?“ „Du wirst es schon sehen“ meinte Lilli.

Also liefen die beiden, immer Lillis Nase nach, Richtung Meer. „Riechst du das?“ fragte Lilli alle paar Minuten. „Nein und nochmals nein“ sagte Bello. Als sie an einem Ortsschild mit dem Namen Palavas-les-Flots standen spürte Lilli plötzlich Sand unter ihren Füßen. „Herrlich“ sagte sie andauernd und „zauberhaft“ und „wundervoll“. „Mensch du bist ja ein echter Meeresfan“. „Stimmt ich will gerne ein bisschen ins Wasser. Kommst du mit?“ „Bist Du nicht ganz bei Sinnen? Ich kann nicht schwimmen. Jedenfalls nicht das ich wüsste.“ „Bitte, bitte komm doch mit. Wenn du untergehst rette ich dich und ich bringe dich zurück an den Stand. „Nein, auf keinen Fall“ schrie Bello, „das ist entschieden zu viel Wasser.“ Also rannte Lilli alleine auf das Meer zu. Sie sprang hinein, schwamm, planschte, spritze mit Wasser nach Bello, der staunend am Strand saß. Als sie wieder heraus kam und sich ordentlich schüttelte, meinte Bello, „ok, ich will es probieren, aber ganz langsam und gut auf mich aufpassen.“ „Wird gemacht“ sagte Lilli, beugte sich hinab, damit Bello auf ihren Kopf aufsteigen konnte. „Halt dich erst mal einfach nur fest“ rief sie und lief ins Meer. „Uh und Ah und Uiuiuiui“, entfuhr es Bello. Dann rutschte er langsam von Lillis Kopf. Lilli erschrak und wollte ihn schon aus dem Wasser ziehen. „Lass mich, ich kann doch schwimmen. Siehst du das nicht?“ Lilli prustete los. „Das nennst Du schwimmen? Also ich nenne das eher herumzappeln oder paddeln“ Bello sah Lilli beleidigt an. „Na gut, nah gut“ sagte sie. „Du lernst das sicher noch.“

„Jetzt reicht es aber“, blaffte Lilli „meinst du, du siehst im Wasser elegant aus?“ Er paddelte weiter und setzte sich mit grimmigem Blick an den Strand. Lilli kam aus dem Wasser, schüttelte sich wieder und setzte sich neben Bello. Der sah sehr, sehr wütend aus. „Jetzt haben wir den ersten Streit, seit wir uns kennen“, sagte sie ganz kleinlaut zu Bello. Und dann „tut mir leid Bello, du bist ein echter Abenteuermausmann und wer sich ins Wasser traut ist wirklich mutig. Egal ob er paddelt, rudert, strampelt oder schwimmt.“ „Stimmt genau“ sagte Bello. „Hat es dir denn ein bisschen Spaß gemacht?“ fragte Lilli. „Riesenspaß“ sagte Bello und streichelte Lilli übers Fell. „Alles wieder gut?“ „Alles wieder gut“ sagte Bello.

Den ganzen Tag trotteten die beiden am Meer entlang. Sie sahen wunderschöne Strände und herrliche Dünen. Wo das Wasser klar und wenige Menschen am Strand waren, gingen sie baden. So verbrachten sie einen ganzen Tag. Bis sie müde wurden und in einer Kuhle am Strand einschliefen.

Als sie am nächsten Morgen wach wurden, zupfte Bello Lilli am Ohr. „Wir müssen weiter“, sagte er. „Weit sind wir ja nicht gekommen“. Lilli schlug ihre Augen auf und machte sie gleich wieder zu. „Ich bin noch müde“, jammerte sie. „Das kommt bestimmt vom vielen Sport gestern. Laufen und Schwimmen und toben.“ Lilli stand widerwillig auf. „Ich hab noch eine schöne Überraschung für dich“ piepste Bello Lilli ins Ohr. „Komm mit!“ Überraschungen mochte Lilli besonders gerne. Bello rannte in eiligem Mäusetempo vor. Lilli hastete hinter ihm her. Bello lief geradewegs auf eine olle Strandbude zu. Dann stoppte er abrupt. „Schau mal“ rief er voller Freue. Ein mächtig großer Futternapf mit Lillis Lieblingsspeise Haferflocken, Kartoffeln und Möhren stand herrenlos an der Bude. Gleich daneben war in einem weiteren Topf frisches Wasser. Lilli steckte sofort ihren Kopf in den Trog und fraß bis alles, selbst das letzte kleine Krümelchen weg war. Glücklich schaute sie Bello an. „Wann hast du das denn entdeckt?“ „Gestern habe ich einen Bernhardiner dort hin laufen sehen und da hab ich einfach mal geschaut, was es da feines gibt.“ „Und das konntest du mir gestern Abend nicht sagen? Ich war so hungrig.“ „Schon, aber du warst auch so müde und wer müde ist kann sich nicht in ein Abenteuer stürzen, oder?“ „Stimmt“ sagte sie gerade als auch ein lautes „Huch“ aus ihren Mund kam.

Und da war sie schon wieder. Claudine. „Dich wird man wirklich nicht leicht los“ maulte Bello. „Was hast du denn gegen mich. Bisher hab ich dir doch noch gar nichts getan“, sagte Claudine und beugte sich mit zu gekniffenen Augen zu Bello hinunter. „Ja genau“, schnautzte Bello, „bis jetzt nicht.“ „Und dabei wird es auch bleiben, denn wir gehen jetzt weiter.“ „Schade“, sagte Claudine, „ich hätte einen sehr guten Tipp für euch.“ „Na dann schieß los“ sagte Bello. „Na ja, der Tipp ist eher für Lilli und du bist die Bezahlung.“ „Spinnst du?“ schrie Bello. Die beiden drehten sich um und gingen Richtung Strand. „Wenn wir immer am Strand entlang gehen, sind wir auf jeden Fall richtig und irgendwann  kommen wir dann nach Valencia. Das liegt nämlich auch am Meer“ sagte Bello. „Tja schon“, zischte Claudine etwas beleidigt, aber es ist ein langer Weg. Viele hundert Kilometer. Wollt ihr denn ganz laufen?“ Bello dachte nach und stellte sich vor an wie vielen aneinander gelegten Mäusen er dann vorbei laufen müsste. „Können wir dich denn nicht anders bezahlen?“ fragte Lilli, „vielleicht mit einem Lächeln oder einem Witz?“ „Na gut“, murrte die Katze. „Dann erzählt mal!“ Lilli dachte darüber nach, wie schlecht Bello Witze erzählen konnte und das sie selber keinen einzigen Witz  je behalten hatte. „Du zuerst“, sagte sie. „Raus mit dem Tipp.“ Claudine war einverstanden. „Wenn ihr ein wenig Geduld habt, könntet ihr die Ponys fragen, die hier vorbei laufen. Sie laufen jeden Tag hier vorbei. Mal von Süden nach Norden mal umgekehrt. Das sind Carmarque-Pferde. Sie sind wild und doch sehr höflich. Vielleicht nehmen die euch ein Stück mit.

Und jetzt der Witz.“ Bello fing an zu stammeln. „Also es war ein mal eine Maus und eine Katze und ein Vogel, ach ne es war eine Katze und ein Vogel und ein Papagei.“ „Ein Papagei ist doch ein Vogel“, wand Claudine schon etwas genervt ein. „Stimmt es war auch gar kein Papagei, es war ein Löwe“. „Und ein Löwe ist doch in gewissem Sinne auch eine Katze“, meinte Claudine nun noch genervter. Lilli gab Claudine einen Schupps in die Seite. „Kleiner Tipp von mir, wenn du heute noch was vor hast, solltest du jetzt gehen. Er kann ganz und gar keine Witze erzählen, er kann sich keine merken und lacht – falls es mal eine Pointe gibt – viel zu früh los und kann dann vor lauter Lachen keinen Witz fertig erzählen.“ „Dann habt ihr mich betrogen“ faucht Claudine.  „Na ja“, sagt Lilli. „Sagen wir, wir schulden dir noch was. Wenn ich einen Witz höre, schreibe ich dir eine Postkarte.“

Bello und Lilli lagen gemütlich in der Sonne und hielten Ausschau nach den Pferden, als sie von hinten etwas anstupste. „Huppsy Daisy“ meinte Lilli. „Hallo“, meinte Bello. „Ich habe gehört ihr sucht eine Mitreitgelegenheit“, sagte ein hübsches braunes Pony mit einem weißen Punkt auf der Stirn. „Stimmt genau“ sagte Lilli „Woher weißt du das?“ „Hat mir die Klatschtante Claudine erzählt. Ich reite gleich noch ein wenig am Stand entlang. Bis Sète kann ich euch mit nehmen. Danach kann ein Freund von mir euch noch ein Stückchen weiter bringen. Ihr wollt nach Valencia in Spanien, habe ich gehört.“ „Ganz genau“ rief Lilli erfreut.

„Na das kriegen wir hin. Wir sind hier viele wilde Pferde“ Bello kletterte auf Lilli und Lilli sprang auf den Rücken des Ponys. Bello pfiff vor Vergnügen. Es ist herrlich hier. Ich habe eine tolle Aussicht und es schaukelt so schön. Sie ritten mit Polli bis Sète. „So ich bin jetzt müde und hier gibt es das leckerste Gras für mich. Ihr könnt jetzt mit Paula weiterreiten. Die ist auf dem Weg nach Narbonne und besucht dort ihre Schwester“.

„Hallo“, sagte die schwarze Paula. „Kommt ihr mit mir?“ Sie hatte eine so nette Stimme, das Bello und Lilli gerne auf ihren Rücken umstiegen. „Macht euch so leicht ihr könnt“, sagte sie. „Wie soll man sich denn leicht machen?“ fragte Bello. „Keine Ahnung. Wir versuchen es einfach“ sagte Lilli. Natürlich konnten sich die Beiden nicht leicht machen. „Leicht machen gehört nicht zu meinen Fähigkeiten“ meinte Bello etwas enttäuscht. „Ich weiß“ sagte Lilli, zu meinen auch nicht. „Solange Paula uns trägt ist ja auch alles in Butter“. „In Butter?“ fragte Bello noch mal nach. „Ja, das heißt in Ordnung, klar.“ „Du bist eine echteBesserwisserin.“ „Stimmt“, jaunste Lilli.

Sie ritten eine lange Zeit am Strand entlang bis die Sonne anfing unterzugehen. „Mensch ist das schön“, piepste Bello in Lillis Ohr, gerade als Paula sich zu den beiden umdrehte. „Kleine Pause gefällig?“ fragte sie. „Jippieee“ schrie Bello. Sie sprang in einem waghalsigen Satz erst von Lillis Kopf auf Paulas Rücken und dann weiter an den Strand und noch ehe die Beiden auch nur Piep sagen konnten, war Bello schon Richtung Meer unterwegs und nahm vor Freude quietschend ein Bad. „Tja“, meinte Lilli zu Paula „so ist er mein kleiner Bello. Er hat das Baden im Meer erst gestern kennen gelernt und seit dem will er nichts anderes mehr.“ Paula und Lilli legten sich in die Abendsonne und nickten ein wenig ein.

„Ich hab so einen Mordshunger“, rief Bello Lilli ins Ohr. Die erschrak und schaute Bello erst mal böse an. „Paula, weißt du wo wir hier was zu essen her bekommen können?“ „Kein Problem“ sagte Paula „fast alle Strandbuden haben hier einen Abfalleimer. Die Dinger sind leicht zu öffnen und es befinden sich viele Köstlichkeiten darin.“ „Hmm 8 Köstlichkeiten“, meinte Lilli ganz verträumt und dachte dabei an ein Restaurant in seiner alten Straße in Flomborn. „Hast Du etwa Heimweh? Jetzt schon?“ blaffte Bello. Lilli senkte verschämt seinen Kopf. „Ja, ein bisschen schon.“ Aber dann öffnete Paula den Deckel des Abfalleimers und die drei sprangen vor Freude fast in die Luft. So viele leckere Sachen. Salat, Möhren und Kürbis für Bello, Kartoffelbrei für Bello und jede Menge Äpfel für Paula. Mit vollgestopften Bäuchen legten sich die drei unter einen Baum am Strand und schliefen gemütlich ein.

Am nächsten Morgen wurden alle drei zur gleichen Zeit wach. „Puh ist mein Bauch voll“, meinte Lilli. „So siehst du auch aus. Einen richtigen Wanst hast du.“ „He he, sei mal etwas netter, du hast ja auch nicht grade eine Diät gemacht“. Paula gähnte und sagte „So jetzt muss ich aber weiter. Meine Schwester wartet schon seit gestern auf mich.“

„Danke Paula“ riefen Bello und Lilli zum Abschied und winkten ihr noch eine Weile hinterher. „Wie kommen wir jetzt weiter?“ fragte Bello. „Na mit diesem Pepe. Paula meinte man erkennt ihn sofort. Er ist ganz weiß und hat ein paar schwarze Punkte auf der rechten Seite“.

Pepe?“ Bello piepste fast den Namen aber Pepe hatte sehr gute Ohren. „Zur Stelle süße Lilli. Ich habe den Auftrag dich und deinen Bello bis Girona mit zu nehmen. Aber ich will nicht viel reden, springt auf und ab geht‘s“ Obwohl Pepe erst mal sagte er wolle nicht viel reden, quatschte er die ganze Zeit. Mal über die Stadt Girona, dann wieder über seine liebste Freundin Paula und wenn ihm gar nichts mehr einfiel, über das Wetter. „Mir bluten gleich die Ohren“, sagte Lilli, „der quatscht ja noch mehr als du.“ Bello nickte und fragte Pete ob er auch pfeifen oder singen könnte. Also fing Pete an zu pfeifen und das konnte er wirklich sehr gut. Die beiden hatten auf Pepes Rücken endlich Ruhe und hörten ihm mit Freude beim pfeifen zu. „Wenn ihr wollt“, sagte er, kann ich euch hier zur Bahnstrecke bringen, dann könnt ihr noch mal ein Stück mit dem Zug fahren.“ Lilli war begeistert. Bello willigte ein obwohl er fand das es nichts schöneres auf der Welt geben könnte als auf dem Rücken des pfeifenden Pepes und dem Ausblick aufs Meer am Strand entlang zu reiten. Die beiden sprangen auf den Zug und kamen schon 4 Stunden später in Valencia an.

Von Amnéville nach Montpellier

4. und 5. Tag der Reise · Mittwoch, Donnerstag

Pünktlich um 9:12 Uhr saßen Lilli und Bello – oder besser gesagt Bello auf Lilli – an der Bahnstrecke. Und genau so pünktlich wie an jedem anderen Tag fuhr der Güterzug nach Montpellier im Schritttempo an ihnen vorbei.

„Spring schrie Bello“ und zog Lilli am Ohr. „Aua“ jaulte sie, machte einen fetten Satz und die Beiden landeten auf dem zweitletzten Waggon des Zuges. „Wie ungemütlich“, meinte Bello. „Nichts als Metallstreben.“ Lilli genoss mal wieder den Wind, der ihr hier um die Nase blies. So schön. Da war es ihm vollkommen egal, ob es gemütlich war. „Du hast ja mich, um es Dir gemütlich zu machen“ sagte sie zu Bello.

Die Fahrt dauerte 8 Stunden. Lilli fand keine davon war zuviel. Sie sahen die Ortsschilder von Nancy, Djion, Lyon, und Avignon und dann sahen sie es: MONTPELLIER.

„Hier müssen wir raus“, rief Bello. „Wo raus? Du meinst sicher hier müssen wir runter.“ Die beiden warteten, bis der Zug langsamer wurde und Lilli sprang mit einem gekonnten Satz ab. „So und nun einen Schlafplatz suchen“ entfuhr es Bello, dessen Abenteuerlust gar keine Grenze zu haben schien. „Es ist aber noch so hell“, meinte Lilli.

Plötzlich wie aus dem Nichts stand eine Katze vor ihnen. Ein prächtiges Exemplar dachte Lilli und wieso hat sie keine Angst vor mir. „Was hast du denn da leckeres auf dem Kopf sitzen?“ fragte sie. „Untersteh dich“, blaffte Lilli sie an. „Das ist mein Reiseführer.“ „Aha“ sagte die Katze. „Du brauchst also einen Reiseführer. Hast du denn keine Nase, die dir den Weg zeigt?“ Bello wurde im Fell zwischen Lilli‘s Ohren immer kleiner und kleiner. Sie zitterte so, dass Lilli sie mit einer Pfote festhalten musst. Sie bellte die Katze mit ihrem gefährlichsten Bellen an. Die erschrak ein wenig, rührte sich aber nicht vom Fleck.

„Konnte ich dir klar machen, dass diese kleine süße Maus auf meinem Kopf nichts zum essen ist und sie gehört zu mir.“ Die Katze senkte den Kopf ein bisschen und mit viel gutem Willen war ein Nicken zu erkennen. Lilli ging an der Katze vorbei, ganz seiner Nase nach und schaute sich um. „Hier riecht es nach Meer“ sagte sie zu Bello. „Nach was?“ fragte der ungläubig. „Ja, wir sind ganz sicher in der Nähe des Meeres. Ich rieche die salzige Luft.“

„Warum läuft diese dämliche Katze uns die ganze Zeit nach?“ fragte Bello. „Keine Ahnung aber Katzen haben meist ein Revier und wenn …“.

„He ihr beiden ich kann euch hören und ich habe kein Revier. Ich langweile mich und will mit euch spielen.“ Lilli schüttelte den Kopf. „Das glaube ich dir nicht. Du hast ganz was anderes vor. Sobald ich mal einen Moment meine Augen von Bello lasse, Schwupps, hast du sie schon im Mund. Nur so eine Vermutung“, meinte Lilli. „Man, du hast ja keine hohe Meinung von Katzen“ sagte die Katze. Lilli lief ein wenig schneller, aber die beiden wurden die lästige Katze einfach nicht los. „Bis zum Abend müssen wir die losgeworden sein, sonst musst du die ganze Nacht wachbleiben und auf mich aufpassen“.

„Wie ist es eigentlich in Montpellier?“ fragte Lilli die Katze und hast du auch einen Namen? „Ich heiße Claudine und Montpellier ist eine Stadt in Südfrankreich, 10 km landeinwärts von der Mittelmeerküste gelegen. Die imposante gotische Kathedrale Saint-Pierre de Montpellier, deren markantestes Wahrzeichen ihre Kegeltürme sind, geht auf das Jahr 1364 zurück. Das Stadtviertel Antigone ist ein schicker, moderner Bezirk mit klassizistischen Motiven. Im Musée Fabre sind bedeutende Werke französischer Maler und alter Meister zu besichtigen.“

Ups dachte Lilli. „Bist du auch Reiseführerin?“ fragte Bello. „Nein, aber ich mache gegen 12 Uhr ein Nickerchen vor der Kirche und da kommt jeden Tag ein Reiseführer mit einer Truppe Menschen, die staunend vor der Kirche stehen und er sagt jeden Tag das gleiche.

„Beeindruckend“ meinte Lilli.

„Lilli, ich will die Kirche sehen“ flüsterte Bello. Lilli dachte ein wenig nach, fand es sei hier warm genug um draußen zu schlafen und bat die Katze ihnen den Weg zur Kirche zu zeigen.

„In die Kirche kommst du aber nur rein, wenn du so tust, als ob du zu einem Menschen gehörst.“ „Das kann ich“, antwortet Lilli. Ich hab lange genug zu einem Menschen gehört.

Die drei liefen entlang einer Einkaufstraße über die Gleise der Straßenbahn. Dann durch eine Unterführung, in der es viel zu dunkel war und in der Lilli den Abstand zu Claudine viel größer werden ließ. Sie kamen endlich zur Kathedrale. „Warum ist die so riesig?“ fragte Lilli. „Damit man die Glocken auch noch ganz weit entfernt hören kann“ erklärte ihm Bello.

„Vielen Dank Claudine.“ „Meinst du, ihr seid mich jetzt los?“ fragte Claudine „das hier ist mein zu Hause, hier bin ich der Bestimmer“. „Der was?“ „Der Bestimmer, ich kenne mich hier aus und kann dir genau sagen, wann du reingehen kannst.“ Claudine hatte recht. Einige Menschen gingen an ihnen vorbei und erst beim 8ten Menschen sagte sie plötzlich „Jetzt!“ Lilli trappte so unauffällig wie möglich in die Kirche. „Man ist das wahnsinnig schön hier“, flüsterte Bello. „Wenn Du alles gesehen hast, gehen wir wieder, hier sind mir entschieden zu wenige Türen, aus denen ich weg laufen kann wenn was ist. „Was soll hier sein, hier ist eine Kirche, da darf niemand niemandem etwas tun.“ „Und da bist du sicher?“ Lilli staunte über die riesigen bunten Glasfenster. „OK“, sagte Bello nach 20 Minuten, „hab alles gesehen.“

Gerade als Lilli in Richtung Türe abmarschieren wollte beugte sich eine ältere Dame nach ihr „Oh schau mal sagte sie zu ihrem Mann, ist das nicht ein feines Hündchen“ und streichelte Lilli die Schnauze. „Zu wem gehörst du denn?“ fragte der Mann Lilli, ohne eine Antwort zu erwarten. „Hau hier ab“ flüsterte Bello in Lillis Ohr. Er war wieder so tief in Lilli Fell gekrochen, dass man ihn kaum sehen konnte. „Wenn er niemandem gehört, nehmen wir ihn mit nach Hause und füttern ihn mal ordentlich“ sagte die Frau zu ihrem Mann. „Ohje, diese Franzosen sind aber sehr tierlieb“, sagte Bello zu Lilli. Als sich die Frau noch einmal zu Lilli herunter beugte und ihm gerade über den Kopf streicheln wollte, stieß sie einen lauten und schrillen Schrei aus. „Iiiiiiiiigitt, eine Maus,  eine Maus.“ Lilli sah sich um, sprang im hohen Bogen über eine Bank, rief „festhalten“ und rannte so schnell er konnte durch die Kirchentür raus. „Doch nicht so tierlieb diese Franzosen“, meinte Bello.

Lilli trottete noch ein paar Straßen weiter, bis sie in einem Hauseingang ein geeignetes Plätzchen fanden. „Hier ist es doch nett“, fand Lilli. Bello war einverstanden und die beiden legten sich in gewohnter Manier hin. „Ist Claudine noch in unserer Nähe?“ fragte Bello schon ganz verschlafen. „Hab sie seit der Kirche nicht mehr gesehen“, beruhigte ihn Lilli und die beiden schliefen seelenruhig ein.

amneville

Der Zoo in Amnéville

3. Tag der Reise · Dienstag

Mitten in der Nacht wurden Bello und Lilli wach. Was für ein Gejaule um Himmels Willen war das denn? Lilli schreckte hoch und Bello purzelte von seinem Kopf – plumps di wumms – ins Gras.

„Was ist das?“ fragte er. „Keine Ahnung, aber hört sich an, als ob jemand ganz schlecht schlafen kann.“ „Oder mehrere“ „Stimmt, komm wir schauen mal, wer da so jämmerlich schreien muss.“ Sie kletterten über den Ziegenzaun und folgten dem Gejaule. „Hier geht es aber steil bergauf“ meinte Lilli. „Na komm schon, spring hoch“ sagte Lilli fast flüsternd. „Warum sprichst Du denn so leise?“ „Ich rieche da etwas. Du nicht?“ „Nö“ entsprang es Bello und diesmal gar nicht leise. Sie gingen noch ein wenig bergauf und kamen an einen Hügel – sicher dem höchsten Berg im ganzen Zoo. Der Mond schien so hell, dass die Beiden nicht nur den ganzen Hügel überblicken konnten, sondern auch sahen, wer das schreckliche Gejaule von sich gab. „Das sind Wölfe.“ Bellos Stimme war jetzt ganz leise und er zitterte am ganzen Körper. Auch Lilli war nicht ganz wohl bei der Sache. Waren Wölfe nicht so eine Art wilde Hunde oder waren Hunde eine Art gezähmte Wölfe. Sie wusste es nicht so genau. Eins ist klar: Wenn ich die Wölfe riechen kann, können die mich auch riechen. Das dachte sie gerade als das Gejaule aufhörte. Bello und Lilli standen wie angewurzelt da und konnten sich vor Schreck nicht mehr bewegen. Erst kam einer der Wölfe auf sie zu und dann der andere und noch ein dritter. Verdammt dachte Lilli. Es gibt so viele Zäune in diesem Zoo und ausgerechnet hier ist keiner. Der erste Wolf sah sie mit grimmigem Blick an. „Was gibt‘s?“ fragte er dann sehr freundlich. „Ähmmm nichts, gar nichts, wir haben euch gehört und dachten ihr braucht Hilfe“ sagte Lilli.

Die Wölfe prusteten los und hielten sich die Bäuche vor lachen. Bello nahm die Hände von den Augen und schaute den Wölfen nun direkt ins Gesicht.

„Was hast du denn da auf dem Kopf?“ fragte der zweite Wolf. „Das ist Lilli, mein Freund. Er ist eine Maus.“

„Kann ich sehen. Lecker“ sagte er und leckte sich dabei noch die Schnauze. Bello entfuhr ein zitterndes „so ein Depp.“ Aber sie sprach so leise, dass selbst Lilli ihn kaum verstehen konnte.

„Er ist nicht zum Verzehr geeignet. Also … stammeltet Bello, er gehört mir und man darf ihn nicht essen. Er ist schlau und …

„Schon gut“ sagte der erste Wolf, „wir haben hier genug zu essen, da können wir auf das kleine Appetithäppchen gut verzichten.“ Er drehte sich um und sah die beiden anderen Wölfe mit einem ermahnenden Blick an. So schauen Eltern, wenn sie ihren Kindern verbieten an die Schokolade zu gehen, dachte Lilli und die lassen die Finger trotzdem nicht immer davon. So richtig sicher fühlte sich der kleine Mäuserich nicht. Aber er saß auf Lilli‘s Kopf und die würde ihn bestimmt beschützen.

„Also ich bin Wolf, das sind Rolf und Ulf.“ „Angenehm, das da oben …“, er zeigte auf seinen Kopf „… ist Bello und ich bin Lilli. Was macht ihr hier?“ „Na, wir wohnen hier. Schon ziemlich lange. Rolf hatte ein Bein gebrochen. Er ist aus Sibirien hier her gebracht worden, ich bin in Kanada in eine Falle getappt und der kleine Ulf ist von einem dusseligen Jäger fast überfahren worden. So sind wir hier alle gelandet. Erst hat man uns gesund gepflegt und … tja, was soll ich sagen, das Futter hier ist perfekt. Man muss nicht jagen gehen, das Gehege ist sehr groß und der Heimweg wäre für jeden von uns sehr lang.“

„Mann oh Mann und ihr bleibt jetzt also einfach hier?“ wollte Lilli wissen. „Genau. Hier haben wir alles was wir brauchen. Es gibt keine Jäger und wenn man mal ein Wehwehchen hat, kommt gleich ein Pfleger und packt es in einen Verband.“ Nun traute sich Bello endlich den Kopf zu heben und etwas zu sagen. „Wir sind nur auf der Durchreise. Wir wollen nach Valencia.“ „Nach Valencia? Nie gehört.“ meinte Ulf. „Was wollt ihr denn da?“ „Wir wollen dort auf das Segelboot von meinem Opa. Und dann wollen wir die Sonntagsabend-schlechte-Laune vertreiben.“ „Mit einem Boot?“ fragte Rolf. „Na ja, wir wollen von Valencia aus die Welt umsegeln. Und wenn genügend Sonntagabende ohne schlechte Laune vorbei sind, kommen wir wieder zurück.“ „Das ist ja mal ‘ne merkwürdige Idee. Ihr könntet doch auch was spielen oder Leute erschrecken oder in einem Chor singen oder …“ Wolf kam ins stocken. „Siehst du, so viel gibt es gar nicht um die Traurigkeit an einem Sonntagabend zu vertreiben,“ meinte Bello. „Was ist es denn nun? Schlechte Laune oder Traurigkeit?“ „Es ist ein bisschen von allem. Mal hab ich schlechte Laune, dann werde ich traurig, mal ist mir einfach saulangweilig und mal kann ich niemand anderen ausstehen. Mal hab … „Uii,“ sagte Rolf „so viel auf einmal, weißt Du wie man das in Kanada nennt? Den Blues haben.“ „Den was?“ fragte Bello neugierig. „Den Blues haben,“ antwortete Rolf. „So beschreibt man all deine Gefühle bei uns in Kanada mit nur einem einzigen Wort.“ Lilli und Bello waren beeindruckt.

„Wie kommt ihr denn nach Valencia?“ fragte Wolf. „Keine Ahnung, gaben die beiden zu. Wir nehmen jedes Fahrzeug, auf das wir unauffällig aufspringen können und hoffen, dass es Richtung Süden fährt.“ „Dann habe ich einen Bombentipp für Euch. Jeden morgen um 9:12 fährt ein Güterzug von Metz nach Montpellier, das ist auch in Frankreich. Und das liegt auf jeden Fall südlich von hier. Die Hälfte der Ladefläche ist leer. Wir können ihn von hier aus sehen, denn am Zoo muss er wegen uns Tieren immer gaaaaanz langsam fahren.“  „Also gut dann springen wir morgen früh auf den Zug“ meinte Lilli. „Also genau gesagt heute früh, denn gleich geht die Sonne auf, das rieche ich schon.“ „Du kannst Sonnenaufgänge riechen?“ fragte Wolf. „Jap, das kann ich und Sonnenuntergänge und Regen und überhaupt, hab ich eine sehr feine Nase für das Wetter.“ Jetzt staunte selbst Bello. „Na das kann uns ja noch sehr gut helfen, zum Beispiel, damit wir einen Sturm früh bemerken.“

„Wir springen also auf den Zug?“ Lilli sah Bello fragend an. „Also gut, DU springst und ich halte mich an deinem linken Ohr fest.“

Die beiden verabschiedeten sich von den Wölfen, die meinten sie sollten doch mal eine Postkarte schreiben, wenn sie an interessante Orte kämen.

Bello und Lilli gingen müde zurück zum Ziegengehege und legten sich noch einmal gemütlich hin. Am morgen, es war bestimmt schon sehr spät, denn Bello peste wie eine wilde Maus hin und her, da dachten die beiden Freunde darüber nach, dass sie zwar über alles mögliche mit Wolf, Rolf und Ulf gesprochen hatten, aber ganz vergessen hatten zu fragen, wieso die 3 mitten in der Nacht so ein lautes Getöse veranstaltet.  „Das wird uns bestimmt mal jemand erklären, aber jetzt erst mal weiter nach Montpellier.“

metz

Von Flomborn nach Metz

2. Tag der Reise · Montag

„Wo schlafen wir eigentlich?“ Wollte Lilli wissen. „Ein Bett im Kornfeld das ist immer frei und es ist Sommer, und was ist schon dabei …“trällerte Bello. „Na wenn du einen Plan hast, dann ist ja gut.“

Bello wirkte immer so als ob er einen Plan hätte. Dabei hatte er meist einfach nur gute Laune, Mut und die beste Freundin der Welt: Lilli. Einen Freund zu haben, der so stark ist wie Lilli ist schon toll, dachte Bello. Alleine würde ich die Strecke nie schaffen. Zu kurze kleine Beinchen.

An der Hauptstraße angekommen, blieb Lilli plötzlich stehen. „Was ist los?“ wollte Bello wissen. „Denkst Du etwa ich laufe den ganzen Weg? Wir warten hier bis ein Pickup oder irgendein Fahrzeug mit einer Ladefläche kommt. Dann springen wir auf und ab geht die Fahrt“

Sie saßen schon eine ganze Weile da und Lilli schaute sehnsuchtsvoll auf jedes Auto. „Da“ rief Lilli plötzlich. Bello hielt sich so fest er konnte an Lillis linkem Ohr, Lilli machten einen Riesensatz und Schwupps, saßen die beiden auf der offenen Ladefläche eines LKW. Bello wusste genau, wie gerne Lilli in offenen Autos fuhr. Manchmal setzte sie sich heimlich in das Cabrio der Nachbarn und fuhr so lange mit, bis einer schrie: „Lilli hau ab“ oder „Los lauf nach Hause“.

Kennst Du eigentlich den Weg nach Valencia fragte Bello. „Nein“ sagte Lilli, „schließlich hast du ja die Weltkarte“ „Ähhm ja also“ stammelte Bello, „die hab ich leider am Straßenrand liegen gelassen“ „Du hast was?“ „Ähm also ja, als du gesprungen bist, hab ich sie da liegen sehen. Und tja, daher die dumme Frage: Hast Du eine Ahnung wie wir nach Valencia kommen?“ Na gut dachte Lilli, die ein sehr gutes Gedächtnis hat und sich enorm vieles merken kann, was andere gleich wieder vergessen. Also erst einmal nach Metz, dann nach Montpellier und dann nach Valencia. Für jede Strecke so ungefähr einen Tag, dachte er. „Mach dir mal keine Gedanken, Richtung Süden, stimmt auf jeden Fall.“

Als der LKW auf die Autobahn nach Saarbrücken abbog, sprang Lilli mit samt dem Seesack und ihrem Mäusefreund blitzschnell von der Ladefläche und schaute sich nach der nächsten Mitfahrgelegenheit um.

„Man, du kannst einen aber auch erschrecken“ prustete Bello und hatte einen orange-rosa-roten Kopf bekommen. „Ich bin eben ein Blitzreagierer“. „Ein was?“ „Eine, die ganz schnell reagiert, wenn es um die Wust geht.“ lobte sich Lilli. „Du bist vor allem ein Mäuseschreck. Und hier ist gar keine Wurst in der Nähe und außerdem habe ich Hunger“.

„Ach komm, es ist nur noch ein paar Stündchen hell. Bis Metz sind es nur noch 40 Kilometer“. „Was ist überhaupt ein Kilometer“, wollte Bello wissen. „Du weißt das nicht? Und ich dachte immer du wärst Mausi Oberschlau. Also ein Kilometer das sind 1000 Meter und ein Meter, warte mal“ Lilli dachte nach und schaute Bello genau an. „Wie groß bist Du? Also ich meine wie lang bist Du?“ „Ich bin 10 Mäusezentimeter“. „Also 10 Zentimeter. Dann passen 10 Mäuse aneinander gelegt in einen Meter und 10 x 1000 – also 1 Kilometer ist 10.000 Mäuse aneinander gelegt. Du musst also um einen Kilometer zu laufen an 10.000 Mäusen vorbei.“ „Gut, dass ich dich habe“, sagte Bello.

Sie fanden einen kleinen gemütlichen Pickup und machten es sich auf der Ladefläche zwischen Blumentöpfen und ein paar Säcken Rindenmulch bequem. „Wieso denkst du dass der nach Metz fährt“ fragte Bello. „Ganz einfach, weil auf der Seite stand:

Monsieur Keyser

Florist et Jardiniere Metz“

„Ah“ brachte Bello gerade noch raus, bevor er vor Müdigkeit und trotz Hunger einschlief.

Es gab einen plötzlichen Ruck als Bello und Lilli hochschreckten, weil der Wagen eine Vollbremsung machte und sie gegen die vordere Wand der Ladefläche polterten.

„Ups“ entfuhr es Lilli. Sie stiegen vorsichtig aus. Es war schon dunkel und die beiden sahen nichts, was aussah wie eine Stadt. Der Fahrer verließ den Wagen ohne die Tür abzuschließen und auch ohne die Töpfe und Säcke von der Ladefläche zu räumen. „Was ist das hier? Sind wir etwa in einem Park?“ Fragte Bello. Könnte sein. „Ich hab so Hunger, ich kann gar nicht mehr denken“ „Schau mal“ rief Lilli wir sind im ZOO in Amnéville.“ „Ach du lieber Himmel, hier gibt es bestimmt jede Menge wilder Tiere.“

Die beiden fanden ein Schild. Auf der Vorderseite war ein Plan vom Zoo und auf der Rückseite ein Umgebungsplan.

„Ah ha. Wir sind also fast in Metz. Dann schauen wir uns morgen mal in Ruhe hier um“ sagte Lilli als sie sich nach Bello umsah. Die kleine Supermaus hat mal wieder den perfekten Riecher. Sie sitzt breit grinsend im Ziegengehege und stopft sich kleine Stücke Kürbis, Möhre und wer weis noch was alles in den Mund. „Na komm schon, die meisten Tiere schlafen eh.“

Lilli freute sich über ein paar Kartoffel und in einer Ecke des Ziegengeheges schliefen sie in aller Ruhe ein.

„Was für ein Tag“ murmelte Bello. „Ja, was für ein Tag. so hab ich mir das Reisen vorgestellt. Abenteuer und leckeres Essen“ meinte Lilli.

justus-kapitel1

Zeichnung: Justus, 9 Jahre

An einem Sonntagabend in Flomborn

1. Tag der Reise. Einfach losfahren

An einem sonnigen Sonntagabend entscheiden sich die Hündin Lilli und ihr Freund, die Maus Bello auf Reise zu gehen. Und das kam so:

Lilli lag gelangweilt in ihrer Hängematte. „Ich mag keine Sonntagabende“ sagte sie. „Warum nicht?“ fragte Bello.

Lilli dachte ein Weilchen nach. „Ich weiß es nicht so genau, aber fast jeden Sonntagabend werde ich ein bisschen traurig. Das Wochenende ist vorbei, danach hat niemand mehr Zeit. Eis gibt es auch nur am Wochenende und ich muss alles zusammen räumen, was ich in den letzten 2 Tagen mühselig aufgebaut habe.“ „Verstehe“ meinte Bello.

„Dagegen müssen wir dringend etwas unternehmen, sonst wirst du mir noch ganz mürrisch. Und eine mürrische Freundin, find ich nicht gerade lustig.“

So sehr die beiden überlegten, was man gegen Lilli‘s  schlechte Laune an Sonntagabenden tun könnte, es fiel ihnen nichts ein. Nach einer Weile wurden sie müde und schliefen ein.

Mitten in der Nacht wurde Bello wach. Und zwar mit einer grandiosen Idee. Sie schubste Lilli aus der Hängematte.

„Was ist los? Bist Du verrückt geworden?“

„Ich hab die Idee. Sie ist einfach über Nacht gekommen und hat mich geweckt.“

„Rück schon raus damit, was ist Deine Idee?“

„Wir verreisen. Wir packen alles was wir brauchen in einen Seesack und machen uns auf die Socken.“

„Wohin?“ wollte Lilli wissen, die immer noch etwas verschlafen war und überlegte, ob sie überhaupt einen Seesack hatte. Bello, der aufgeregt in der Gegend herumsprang fiel jede Minute noch etwas ein, was unbedingt auf den langen Zettel geschrieben werden musste.

MITNEHMEN

Zahnbürste

Kekse

Trinkflasche

Kompass

Taschenlampe

Pflaster

„Wohin?“ fragte Lilli noch einmal.

„Ist doch erst mal egal. Wir fahren einfach los und schauen uns die Welt an“

„Die ganze Welt? Das kann ja dauern“ sagte Lilli. Bello beruhigte Lilli, die im Grunde nicht die mutigste aller Hündinnen war.

„Vielleicht nicht die ganze Welt aber man kann ja nie wissen. Los, hilf mir bei der Liste und fang schon mal an zu packen.“

Packen dachte Lilli, aber wenn man nicht weiß wohin, weiß man doch gar nicht, was man alles mitnehmen muss und ich glaube, ich habe gar keinen Seesack. Was ist überhaupt ein Seesack? Lilli suchte ein paar Dinge zusammen und schleppte alles zu dem Kram, den Bello schon angeschleppt hatte.

„Was ist ein Seesack?“ fragte Lilli.

„Ein besonders von Seeleuten benutzter, mit Tragegurten und einem Tragegriff versehener größerer Sack aus wasserdichtem Segeltuch, zum Verstauen der auf eine Reise mitzunehmenden persönlichen Gegenstände“

„Das hast Du doch jetzt nachgelesen“ sagte Lilli.

„Stimmt“ meinte Bello „und jetzt pack weiter.“

Es dauerte nicht mal eine Stunde da lagen:

Taschenlampe

Decken

1 Kompass

2 Brotboxen

2 Trinkflaschen

2 Hängematten

Zahnbürsten

Pflaster

ein funkelnagelneues Taschenmesser

Bello‘s Lieblingskäse

und eine Weltkarte

auf einem Berg.

„Wann willst Du denn los?“ fragte Bello.

„Ich, wieso ich, Du hattest doch die Idee“ sagte Lilli. „Aber jetzt, wo wir schon mal wach sind und alles zusammen haben, können wir von mir aus gleich los. Wir sollten vielleicht nur noch kurz überlegen, in welche Richtung wir gehen und wohin wir zuerst reisen. Findest Du nicht?“

Bello steckte all die zusammen gesammelten Reiseutensilien in einen viel zu kleinen Seesack, der gleich aus allen Nähten platzen würde und klappte die Weltkarte aus. Er tippte mit dem Finger auf einen kleinen roten Punkt mit dem Namen Valencia.

„Schau da ist Valencia. Das liegt in Spanien, am Meer. Es ist sonnig und jetzt das Wichtigste. Da liegt das Boot von meinem Opa. Ein schönes großes Segelboot mit einem Kühlschrank und einem orangen Segel“

„Das klingt toll und dürfen wir auch da drauf?“

„Hmm vielleicht nicht so richtig dürfen, aber wenn wir meinem Opa einen lieben Brief schreiben in dem wir ihm sagen, dass du immer so schlechte Sonntagsabendslaune hast und wir deshalb weg müssen, kann er es bestimmt verstehen“

„Gut dann müssen wir also erst mal nach Valencia kommen.“ „Genau.“ meinte Bello.

Lilli nahm den Seesack auf den Rücken, Bello kletterte Lilli auf den Kopf, bis er zwischen ihren Ohren eine gute Aussicht hatte und wie ein Reiter auf einem Pferd rief er von oben: „Auf geht‘s meine Freundin, lass uns deine schlechte Laune vertreiben“

Es ist Montagmorgen dachte Lilli, meine schlechte Laune kommt ja erst am Sonntagabend wieder und bis dahin sind es noch 6 Tage. Ich hoffe mal, dass sich der ganze Aufwand lohnt. Dann lief er los.

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