Wir sind dann mal kurz weg

Strategien für die Hurrikan Saison

Wenn man die Crews der Schiffe umfangreichen Proviant schleppen sieht und das Wort „Azoren“ öfter fällt, dann weiß man, dass die Hurricane Season nicht mehr weit weg ist. Es gibt einen offiziellen Zeitraum für die Hurrikan Zeit in der Karibik, nämlich von Anfang Juni bis Ende November. In der Zeit ist es ziemlich clever alles zu unternehmen, um mit seinem Schiff nicht in den üblichen Zugbahnen zu liegen.

Die Zerstörungskraft von Hurrikans ist unvorstellbar. In der Hitliste der besonders Üblen hält „Wilma“ die Spitze mit 340 km/h und dann gleich einige Kandidaten, wie z. B. Katharina mit 300 km/h. Das ist dramatisch, denn die Wirkung höherer Geschwindigkeiten steigt nicht linear, sondern exponentiell. Zum Vergleich: die höchste gemessene Windgeschwindigkeit in Deutschland war 191 km in Borkum. Ich klopfe auf Holz, dass wir nie einen Hurrikan erleben werden. Schon die Steigerung von 6 auf 7 Bft fühlt sich an wie eine Verdopplung.

BVI nach Irma, Foto: Reuters

Was braucht ein Hurrikan?

Damit ein Hurrikan auch ein solcher wird, braucht er Dreierlei. Eine große zusammenhängende Wasserfläche, denn sie werden schon mal bis zu 500 km (250 nm) im Durchmesser groß. Die Wassertemperatur muss bei 26 Grad+ Celsius liegen. Und es braucht die Corioliskraft der Erdrotation. Das alles macht die Karibik zur perfekten Bühne.

Die Wirkung eines Hurrikans hängt aber nicht nur von seiner Stärke, sondern auch von seiner Zuggeschwindigkeit ab. Die ganze Konstruktion – mit dem windstillen Auge und dem höllischen Windspeed rundherum – bewegt sich relativ langsam auf einer Zugbahn vorwärts. Es ist verblüffend, das die Zuggeschwindigkeit eines solchen Höllenteils i. d. R. nur 10-20 kn (20-40 km/h) beträgt. Auf der Nordhalbkugel immer gegen den Uhrzeigersinn. Wenn ein Hurrikan langsamer zieht oder sogar verweilt – wie Irma und Maria 2017 –  dann ist der Schaden umso verheerender, wenn er auf Land trifft.

Sechs häufige Strategien

Für Segler bleibt nur ausweichen und dazu gibt es verschiedene Strategien.

Da wäre zuerst der häufige Pan, „rüber nach Europa“. Im Mai brechen reichlich Schiffe auf den ca. 3 wöchigen Trip, zum mind. 6.000 km langen Weg nach Europa auf. Meist mit einem Stopp auf den wunderschönen Azoren. Wer sich im Mai auf den Weg über den Atlantik macht, hat mit dem Sturm Thema nichts zu tun. Statt selbst zu segeln, nutzen als Alternative auch viele Segler einen Rücktransport ihres Schiffes huckepack auf einem Spezialschiff für Schiffstransporte.

Die zweite Strategie ist das Ausweichen. Die meisten Versicherungen fordern von Seglern, sich nicht zwischen dem 13. und 33. Breitengrad aufzuhalten. Das ist eine Zone von der US amerikanischen Chesapeake Bay (Baltimore) im Norden bis Grenada im Süden. Ein Gürtel von mehr als 3.000 km wäre damit von Juni bis November tabu, wenn man seinen Versicherungsschutz nicht verlieren will. Ob diese Regel so schlau ist? Freunde von uns berichteten von heftigen Stürmen in der Chesapeake Bay, denn Hurrikans ziehen mittlerweile auch mal die US Küste hoch bis New York. Stürmisch, aber versichert. Die 13/33 Regel führt dazu, das Segler sich früh in Nord und Süd trennen und sich Richtung USA oder Grenada orientieren. Das Venezuela so übel dran und Brasilien geschlossen ist, verringert das weitere Ausweichen nach Süden.

Die dritte Strategie: „Hurricane Holes“. Das sind Orte in der Karibik, die üblicherweise glimpflich davon kommen oder sogar verschont bleiben. Meist sind das geschützte Buchten, mit reichlich Mangroven Bewuchs. Mangroven sind auszeichnet geeignet, Wellen und Strömung zu brechen. Bis zu 70 % sollen sie die Wucht des Wassers verringern. Das ist eine Strategie für die Optimisten – und die kostengünstigste.

Die vierte Strategie: Schiffs aufs Trockene. Die Eigner kranen ihr Schiff aus dem Wasser und stellen es fest verzurrt auf Land. Kann aber übel in die Hose gehen, wie Nanny Cay auf den Virgin Islands zeigte. Zumindest ist dann keine Crew in Gefahr, denn die ist meist zu Hause.

Fünfte Strategie: Sichere Orte innerhalb der 13/33. Es gibt Orte die zwar innerhalb des Gürtels liegen, die aber nie oder so gut wie nie Hurrikans hatten. Z. B. die ABC Inseln mit Aruba, Bonaire und Curacao. Oder der Rio Dulce in Guatelama. Da interessiert`s auch nicht, ob die Versicherung abdeckt. Wenn`s zur Routenplanung passt, eine gute Lösung.

Die sechste Strategie ist die seltenste und nur für Wagemutige mit sehr schnellen Schiffen. In der Zone bleiben und einfach weg segeln wenn ein Sturm aufzieht, das ist der Plan. Ein Eigner eines sehr schnellen Schiffs rechnete mir mal vor, dass ihn kein Hurrikan erreichen kann. Er segelt i. M. 15 kn/h und bei der üblichen Zuggeschwindigkeit, segelt er dem Hurrikan davon. Bei der max. Ausbreitung einer Fläche von 300 nm, fühlt er sich in der Lage jederzeit innerhalb von 24 h zu entkommen. Pflicht ist natürlich jeden Tag ein Blick in die Wetter Reports, denn Hurrikans fallen ja nicht vom Himmel. Die Entstehung ist erkennbar. Aber das machen Segler der anderen Strategien auch.

In dieser Saison hat die amerikanische NOOA (National Oceanic and Atmospheric Administration) eine überdurchschnittliche Sturm Saison angekündigt. 17 Stürme, 8 Hurrikans und 4 starke Hurrikans werden prognostiziert. Hoffentlich haben sie Unrecht. Aber die Namensliste für Stürme und Hurrikans ist schon vorbereitet. Es beginnt jede Saison mit A und läuft dann weiter im Alphabet. Wenn ihr „Henri“ hört, ist das der achte Sturm/Hurrikan der Saison. Ausgewählt werden sowohl Frauen- wie auch Männernamen.

Wir werden uns mit der Rivercafe der zweiten Strategie bedienen und uns nach Süden nach Grenada verziehen. Statistisch sind wir dort sicher. Aber statistisch, wären Ka und ich auch keine Segler. Drückt uns und allen Seglern die Daumen, dass es eine undramatische Season wird. /Holger Binz

 

 

 

6 Kommentare zu „Wir sind dann mal kurz weg“

  1. Danke für diese ausführliche Erläuterung, bestimmt mal hilfreich 🙂
    Und toi toi toi, dass Eure Prognose sich erfüllt!
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Tom //SY Photon

  2. Hallo ihr beiden,
    Das hat schon was von einem Würfelspiel… ich drück euch die Daumen, dass Grenada verschont bleibt.
    Weiterhin guten Wind aus der richtigen Richtung! Genießt es!!!
    LG Birgit

  3. Also die “Vielzahl” von Strategien lässt scheinbar nicht viel Spielraum für eine ruhige Zeit. Aber es klingt nicht nur gut erklärt sondern auch gut durchdacht wenn ihr dann in dem Fall der Statistik folgt. Auch wir drücken Euch die Daumen das es aufgeht wie geplant und hoffen natürlich auch für alle Anderen Wasserratten das Alles gut bleibt!
    LG Jürgen und Angelika

  4. Hallo,Simone u.Holger von Tohuwabohu wünschen gute Überfahrt.Die Prognose zeigt mir ,wie wichtig es wäre ,unser Boot noch im Mai von St.Lucia nach Grenada zu segeln.Aus der Ferne wird es mir wohl nicht gelingen,Tohu an Land zu setzen und sicher verzurren zu lassen ! Die Marina reagiert nicht auf Tel.und Mail Anfragen.Ich hoffe noch auf eine Flugverbindung über London ab Mitte Mai von Deutschland aus.Gibt es eventuell noch andere Möglichkeiten der Anreise ? Gruß Holger

  5. Liebe Segler Euch ein sicheres unterkommen noch viel Spaß mit eurem Schiff .
    Ruth, und Ich drücken unsere Daumen damit Ihr heil durch die Stürme kommt .
    Un saludo de Tenerife.
    Gil&Ruth

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