Roadtrip durch den Südosten der USA

Charleston – Savannah – St. Augustine

Es ist unglaublich langweilig auf einem Schiff zu leben und nicht segeln zu können. Der tägliche Starkregen und wenig Abwechslung machen es nicht besser. Die Hurricane Season dauert noch an und bevor wir anfingen Dinge kaputt zu machen, um etwas reparieren zu können, machten wir uns auf zu einer weiteren Reise. 3-4 Stunden ist die Flugdauer in die USA und der Südosten fehlte uns noch bei unserem USA Küsten Puzzle. Charleston Savannah St. Augustine

Wir flogen nach Charleston, stiegen in ein Cabrio und begannen unseren 1.000 Meilen (diesmal Landmeilen, 1.500 km) langen Roadtrip nach Miami.

Charleston

Die Städte an diesem Teil der Küste zählen zu den ältesten der USA. Charleston wurde 1670 gegründet und das ist für US-Verhältnisse uralt. Die 140.000 Einwohner Stadt an der Küste ist sympathisch, gediegen und südstaatlich. Pferdekutschen klappern durch die Straßen mit traditionellen Häusern und Südstaatenvillen und geben Besuchern nicht das Gefühl im Jahr 2022 zu leben. Gruseltouren und Woodoo erzeugen das perfekte Südstaaten Ambiente. Das Leben ist slow-going und relaxt. Charleston Savannah St. Augustine

Es macht Spaß durch Straßen zu bummeln, vor allem durch die King Street. Dort es gibt viele ungewöhnliche Geschäfte und wenig Franchiser. Die meisten Ladenbesitzer haben viel Zeit und Lust zu quatschen. Restaurants bieten Austern und Meeresfrüchte und viele sind besser als der übliche Ruf amerikanischer Restos. Da man nirgendwo reservieren kann und die Gäste geduldig vor der Tür warten, gibts auch immer dort ein Gespräch.

In Downtown kann man verträumt am Ufer oder an der Pier das Meer und die vorbeiziehenden Schiffe geniessen. Aber der Strand ist 30 Autominuten entfernt in Sullivans Island –  mit Strandhäusern, die an Kalifornien erinnern. Zu unserer großen Freunde kamen unsere norwegischen Freunde Jill und Jörn 300 km von ihrem Wohnort Charlotte angereist. Wir freuten uns alle so sehr über das Wiedersehen, dass die beiden auch gleich noch mit nach Savannah fuhren. Charleston Savannah St. Augustine

Südstaaten Impressionen aus Charleston

Savannah

Wenn man mit Amerikanern über Charleston und Savannah spricht, huscht ein sehnsüchtiges Lächeln durchs Gesicht. Tatsächlich sind die beiden Städte ganze besondere Orte. Savannah wurde nach Charleston 1733 gegründet und hat vergleichbar wenig Einwohner. Beide Städte sind bequem zu Fuß zu erwandern. Man würde Savannah aus das Luft vermutlich gar nicht finden, weil sie so grün bewachsen ist. In jedem Block gibt es Bäume und Pflanzen wie im Wald, auf jedem zweiten einen Brunnen. Savannah ist wohl die grünste Stadt, die wir je besuchten.

Wir hatten den perfekten Tag und das perfekte Hotel erwischt. Im Forsyth Park spielte nur wegen uns – und 20.000 anderen Besuchern – das Savannah Symphonie Orchester. Big A, ein Blues Gitarrist aus Morgan Freeman´s Blues Club aus Clarksdale, würzte die Sache mit Delta Blues – Blues aus dem Mississippi Delta. Eigentlich gar nicht so sehr mein Ding, aber hierhin passte es so perfekt wie Steeldrums in die Karibik (und die passen sonst nirgendwo sonst). Falls jemand noch was auf spirituellem Weg zu erledigen hat: Woodoo ist in Savannah ganz groß. Und wer einen Poeten sucht: im Forsyth Park kann man die Poetin Sophie Daniele anheuern, die nebenbei noch Verwandte in Luxembourg hat. Ich habe lange darüber nachgedacht, zu welchen Anlass ich mal einen Poeten buchen könnte. Zumindest weiß ich jetzt wo.

Savannah liegt nicht direkt am Meer, auch hier braucht man 30 Autominuten bis zur Halbinsel Tybee Island. Die Zeit muss man sich unbedingt gönnen, es ist ein ein toller Ort. Am südlichen Ende des Strands fließt ein Fluss ins Meer und Delphine jagen nur ein paar Meter vom Strand ihr Frühstück. Da ist richtig was los im Wasser. Dünen schützen die hölzernen Strandhäuser vor Stürmen und in den Straßen ab der zweiten Reihe findet man amerikanisches Klischeeleben in amerikanischen Klischeehäusern.

       

Forsyth Park, Konzert mit Freunden, Stadtimpressionen, Poetin zu mieten, Horseshoe crab am Strand

St. Augustine

Drei weitere Fahrtstunden nach Süden, durch überraschend grüne und sanfte Natur, brachten uns dann in die älteste Stadt der Vereinigten Staaten. 1565 ist als Gründungsdatum irgendwo eingemeißelt. Die Stadt ist klein, nur 15.000 Einwohner mit sicherlich mehr Touristen. Wir beide fühlten uns vom ersten Moment an so richtig unwohl. Dabei ist die Stadt richtig niedlich. Nette Häuser, eine Fußgängerzone und der Inner Costal Waterway gleich in Sichtweite. Das ist jetzt der Versuch etwas Nettes zu schreiben.

Tatsächlich gibt’s nicht mal ordentliche Hotels, unser Inn war schon das bestbewertete der Stadt. Die Zimmer rochen nach Hund – Hundebesitz ist in den USA sehr populär und niemand bezweifelt, dass Hunde auch in Hotelzimmer gehören.

Alles in St. Augustine wirkte auf uns miefig, piefig und nicht aus dieser Zeit – und das im schlechten Sinne. Kaum aus dem Hotel getreten, lief uns eine heruntergekommene Frau über den Weg, die für einen dubiosen Expräsidenten und seine Wahllügen warb. „Brendon“ Sticker machten klar, wo die Mehrzeit steht. Erneut hörten wir soviel absurden Unsinn, dass Morologen hier sicher ihr Paradies finden. In den Geschäften sahen wir Menschen offen Waffen tragen. Unvorstellbar, das zivilisierte Menschen in Europa Waffen tragen würden.

Die Autos sind irgendwie fast alle Trucks. Wir trafen hier fast alles, was nach unserem Weltbild für das Schlechteste der USA steht. Ein zurückgebliebenes Land, das in den 50ern stecken geblieben ist und nicht das Geringste mit der Gegenwart zu tun hat. Überraschender Weise gabs Internet – wenn auch….Überraschung: schlechtes. Sogar der Strand ist nach dem Geschmack der 50er Amerikaner. Man kann nämlich mit dem Auto direkt auf den Strand fahren. Fußgängerweg am Wasser, Autoroute an den Dünen. Die Pickup RAMs parken in Wassernähe und die Leute wuchten sich mit Bierdosen in ihre Liegestühle.

Wir mussten hier schnell wieder weg und so verkürzten wir unsere üblichen 3 Tage auf 2 um uns schnell weiter auf den Weg nach Süden und in für uns erfreulichere Gefilde zu machen. Davon nächste Woche mehr. /Holger Binz

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