USA: Besuch eines noch ferneren Landes

Seattle

Es gibt weniger Länder, in denen wir mehr Zeit verbracht haben als in den USA. Nach dem Abgang der gestörten und blamablen Führungskraft, war die Zeit reif, wieder zu kommen. New York, Seattle und Miami.

Nun also Seattle. Der zweitbeste deutsche Basketballer aller Zeiten, Detlef Schrempf, sagte mir mal, dass er sich keinen schönen Ort zum Leben vorstellen konnte als Seattle. Diese fette Empfehlung war uns dann ein paar Tage wert.

Seattle ist nicht zu groß und nicht zu klein, mit 750.000 Einwohnern. Es liegt in einer geschützten Bucht nur 50 nm von Vancouver Island entfernt. Die Stadt liegt verteilt auf verschiedenen Hügeln, mit viel Wasser und Grün. Die Space Needle, das Wahrzeichen der Stadt, ist weltberühmt. Zur Weltausstellung 1962 gebaut, schien mir das Ding von oben deutlich höher als von unten. Gleich darunter ein schöner Park mit einem Gebäude von Frank Gehry und nebenan eine beeindruckende Ausstellung von Glaskunst.

Markets und Pubs

Und wer kennt nicht die schwimmenden Häuser aus dem Film „Schlaflos in Seattle“, am Lake Union. Das spezielle des Tom Hanks, wurde 2014 mit Promizuschlag für 2 Mio. USD verkauft. Die Waterfront ist ein Highlight der Stadt. Der „Public Market“ hält locker mit französischen Märkten in Nizza oder Cannes mit. Schade für uns, dass wir uns nicht mit frischem Kaltwasserfisch und Meeresfrüchten eindecken konnten. Denn die sind grandios. In der famosen „Elliots Oysterbar“ genossen wir 10 sehr unterschiedliche Austernsorten, probierten so viele wir konnten. Ein Fest. Die Pubs heißen hier wieder Bar statt Saloon und weil im Hinterland viel Hopfen angebaut wird, ist die Vielfalt lokaler Craft Beers ebenso riesig, wie im kanadischen Victoria.

    

Space Needle, SAM (Art Museum), Glasbaum, Public Market

Die dunkle Seite Seattles

Eigentlich hat Seattle alles, was eine schöne Stadt ausmacht. Wenn da nicht die dunkle Seite wäre. Als 2020 wegen Covid die Innenstadt verwaist war, haben Obdachlose und Junkies übernommen. Und sie sind geblieben. Noch nie sahen wir so viele Obdachlose, nicht mal in Mumbai. Ganz schlimm sind die Horden schwerst-abhängiger Junkies. Alkoholkonsum auf Plätzen ist verboten, aber auf offener Straße wird Heroin aufgekocht. Hunderte völlig Zugedröhnte vegetieren in den Hauptstraßen vor sich hin. Es stinkt so nach Müll und Urin, dass man gerne eine Maske trägt. Polizei steht überall herum, aber das wohl eher für die Extremfälle.

Junkies und Obdachlose überall in der Stadt

Wenn man dann über das Elend grübelnd an einer Straßenecke steht, plärren superaggressive Prediger ihre Kenntnisse zu Gottes Meinung in die Welt. Ich hörte nie so oft „Jesus Christ“ und „Lord the Savior“ wie auf den Straßen von Seattle. Es gibt genug Durchgeknallte für ein ganzes Land.

Wie in NY gibt es in Seattle so viele offene Jobs, dass Läden auf Sparflamme arbeiten müssen. Mit 15 USD/h Mindestlohn, kann man auch von einfachen Jobs leben. Topjobs gibt’s in globalen IT-Konzernen und nicht zu vergessen im Hauptwerk von Boing, das auf Höchsttouren brummt. Der Boing Flughafen ist größer als der Internationale von Seattle Tacoma. Allerdings ist Seattle eine teure Stadt, deutlich teurer als New York.

Zerstrittene Staaten von Amerika

Aber was machen die zerstrittenen Staaten von Amerika? Statt ihre reichlichen Probleme zu lösen, streiten sich die Politiker und beschimpfen sich unwürdig, wie verhaltensauffällige Fünfjährige im Kindergarten.

Zwischen den Anhängern der beiden Parteien werden kaum noch Ehen geschlossen und ein kultivierter Austausch ist nicht mehr möglich. Es wird unglaublich viel Unsinn berichtet und noch schlimmer: geglaubt. So wurde uns schon zu den schlimmen Zuständen in Europe kondoliert. Auf unsere verwirrte Nachfrage welche Zustände genau wir denn in Europa hätten, kam ein solcher Unsinn, dass ich loslachen musste. Den Spaltern von Fox und Maga sei`s gedankt.

Der orange Clown hat mit seinem fehlenden Anstand, seinen Lügen und Hass den USA mehr geschadet als alle globalen Terroristen zusammen. Eine Schande für das ehemalige „Land of the Free“. Wir trafen aber auch viele Amerikaner, die sich für ihr Land in Grund und Boden schämen. Vielleicht ein guter Anfang auf einem langen Weg.

Wir werden im Oktober nochmals von St. Lucia in die USA fliegen und einen Roadtripp von Charleston entlang der Küste nach Miami machen. Amerikanische Freunde rieten uns, in keinem Fall mit den Locals über Politik zu reden.

Florida Keys

Back in St. Lucia

Jetzt sind wir zurück in St. Lucia und bisher wurden wir von schwerem Wetter verschont. Erst 5 Stürme und ein Hurricane in der gesamten Karibik in dieser Saison. Mit „Fiona“ tobt sich gerade ein 4er Hurricane 700 nm nördlicher über den Turks & Caicos aus – einem unserer geplanten Ziele in der neuen Saison. Hoffentlich trifft es die flache Insel nicht zu übel. Florida wird es nächste Woche ganz hart erwischen, in St. Lucia soll es ruhig bleiben.

Bei unseren Reisen während der Hurricane Season haben wir unterschätzt, dass wir doch krasse Temperatursprünge hatten. Nach den frischen Temperaturen Alaskas bekam meine liebste Ka in St. Lucia gleich in den ersten Tag einen Hitzeschlag. Es ging ihr nicht gut. Wir haben regelmäßig 35 Grad im Schatten und die Luftfeuchtigkeit ist nicht weit weg von 100 %. Sogar die Locals ächzen unter der Hitze. Es dauerte ein paar Tage, bis Ka wieder halbwegs auf dem Damm war.

Hitzeschlag mit Infusion

Wir versuchen etwas Struktur in unseren Alltag zu bringen, der sehr von den Temperaturen abhängt. Morgens sind wir im Gym des Hotels und bringen uns in Form. Dann arbeiten wir an der Rivercafe oder an Projekten. Wenn wir nachmittags damit enden, springen wir in den großen Pool des Hotels. Wenn ich das lese, klingt es gar nicht so übel. Aber es ist langweilig und wir sind segelbereit. So lange an einem Ort, das sind wir nicht mehr gewohnt. Zum Glück sind wir bald wieder unterwegs. /Holger Binz

1 Kommentar zu „USA: Besuch eines noch ferneren Landes“

  1. Caroline Woodhead

    Hi Holger and Karin. Glad you are exploring by land on the off season. Sounds like it’s time to avoid cyclone areas and do more exploring by boat. Try the ABC islands and then down to San Blas you won’t be disappointed.

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