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Eine Frage der Ausstattung

Das kommt auf die Rivercafe

Die Rivercafe wird unser viertes Schiff und der dritte Neubau. Wie im wahren Leben macht jeder Kauf schlauer und weder umsonst noch vergebens, zahlt man Lehrgeld. Jede Segelmeile hat die folgende angenehmer gemacht und das Jahr auf dem Atlantik war für uns erhellender als 15 Segeljahre zuvor.

Warum wir uns gegen Hanse Yachts im Besonderen, gegen Monohulls allgemein und für Leopard Catamarans entschieden haben, habe ich in einem anderen Artikel beschrieben. Hier ist der link. Darauf hatte ich einige Rückmeldungen und Austausch mit anderen Seglern und Fragen zu unserer Ausstattung. Here we go.

Für die Wahl des Schiffs und Ausstattung sind zwei wesentliche Fragen relevant: wie und wo will ich segeln. Das bestimmt die Ausstattung, das Potential und den Preis. Alles geht nicht in Perfektion, es ist immer eine Kompromissfrage. Ein Attribut geht zu Lasten eines anderen, z. B. Speed vs. Komfort. Leopard Katamarane sind Blauwasser Schiffe, die müssen raus in die Welt und wären overdressed für begrenzte Reviere oder Wochenendsegler. Ich friere unter 20 Grad, wir werden in den warmen Regionen der Welt segeln. Unser Profil ist eindeutig: komfortabel unterwegs in den warmen Weltmeeren.

Als Liveaboard jonglierst du auf der Kante zwischen Komfort und Performance. Komfort bedeutet Platz und Gewicht und beides kostet Speed. Mehr Speed und Komfort bekommt man für mehr Geld. Wir wissen ja alle, dass die Listenpreise der Yachtbauer mit der Realität so viel zu tun haben wie McDo mit gesunder Ernährung.

Bei uns fallen 50 % Extrakosten zum Listenpreis an. Wir lassen alles Machbare von Leopard einbauen, auch wenn es von Contractern vieles günstiger zu haben gibt. Aber dann habe ich keine Garantie und keine Sicherheit, dass alles dauerhaft zusammenspielt. Bin ich erst mal 2.000 nm vom Installateur entfernt, hilft der mir auch nicht mehr weiter – es spricht die eigene Erfahrung. Bei der Ausstattung gilt auch: viel Ausstattung=viel Wartung=viele Fehlerquellen=viele Ersatzteile=hohe Kosten. Systeme fallen aus und man muss Ersatzteile mitschleppen (Gewicht macht langsam). Wenn du in Fidji ein Ersatzteil brauchst, kann das sehr lange dauern und sehr teuer werden.

Leopard bietet unvergleichlich verlockend viel Stauraum, aber 1 to Mehrgewicht kostet ca. 1 kn Speed. Und wieder ist Kompromiss gefragt. Wir haben bei jedem Equipment abgewogen, ob wir es wirklich (unbedingt) wollen und welche Konsequenzen es hat.

Energieversorgung

Das ist die wichtigste Frage. Angenehm ankern geht nur mit autarken Systemen. Erst mit genug Energie und Frischwasser macht`s richtig Spaß. Der Energiebedarf eines Schiffs hängt von der Ausstattung und der Crewgröße ab. Man sollte unbedingt den Energieverbrauch aller Verbraucher an Bord kennen und zwar in einem realistischen Szenario. Wir rechnen mit 200 Amp pro Tag.

Auf hoher See wird wohl nicht die Waschmaschine und Spülmaschine laufen, aber der Stromkonsum für Radar, Autopilot, Navigation, Watermaker und ein paar weitere Verbraucher sollte sichergestellt sein. Die Batteriebank der Servicebatterien muss passend dimensioniert werden. Auf unserer 50er Hanse hatten wir 600 Amp Batterieleistung in AGM Batterien, das war ok. Auf der Rivercafe werden es 800 Amp, allerdings in Lithium. Das ist dann ein doppeltes upgrade. Geladen werden die Batterien über den Motor, den Generator und Solar Panel. Ideal ist es, wenn die Batterien über die Solar Panel tagsüber komplett geladen werden – das sollte bei uns wegen der großen Flächen annähernd möglich sein. Im Notfall kann auch mal der Generator eine Stunde nachladen. Mit 800 Ah hat die Batterie genug Power, um auch die langen karibischen Winternächte entspannt durchzustehen. Wind- und Schleppgenerator mag ich nicht.

Wie erwähnt haben wir uns bei den Batterien für Lithium entschieden. Gel/AGM Batterien haben den Nachteil, dass sie langsam bis 100 % laden und auch nicht unter 50 % Ladestand entladen werden sollten. Auf unserer Hanse hatten wir damit faktisch nur 300 Amp zur Verfügung.

Lithium ist viel elastischer und kann bis 20 % entladen werden. Das bringt uns tatsächliche 600 Amp in die Verbraucher, doppelt so viel wie früher. Lithium lädt deutlich schneller wieder auf und die Batterien wiegen weniger als ein Viertel der AGM. Bei uns macht das 500 KG Gewichtersparnis, die wir entweder 0,5 kn mehr Speed oder ein paar köstliche Südafrikanische Weine eintauschen können. Vor allem können Lithium Batterien mind. 10 mal mehr Ladezyklen durchstehen. Gel/AGM Batterien haben eine wesentlich kürzere Lebensdauer (Ladezyklen) und so rentieren sich Lithium Batterien trotz deutlich höherer Anschaffungskosten. Ein Batterieaustausch in der Karibik ist ca. doppelt so teuer wie in Europa – sagt meine Kreditkartenabrechnung. Je weiter weg, umso teurer.

Wenn wir unser Energieversorgung in Betrieb nehmen, werden wir in jedem Fall die Energiemonitore prüfen und kalibrieren. Hanse Yachts hat uns einen falsch kalibrierten Monitor ausgeliefert, der uns einen Satz Service Batterien gekostet hat. Für unser Bord Stromnetz waren die 12 V von Leopard ohne Alternative, 24 V wären mir wesentlich lieber gewesen, weil die Geräte damit nur die Hälfte der Ampere ziehen. Der Rest geht mit 220 V und Inverter – damit Ka auch Piano spielen kann. Wir haben uns für 220V entschieden, weil unsere Arbeitsplätze und sonstige Geräte 220V haben.

Wasser

Ausreichend Süßwasser an Bord erhöht die Lebensqualität ungemein. Eine Dusche nach einer Nachtwache ist ein Genuss und frisch gewaschene Klamotten sowieso. Wir haben 780 l Wasser in den Tanks und einen Watermaker an Bord, der 90 l/h Frischwasser produziert. Das Wasser des Watermakers ist mir lieber als Marina Wasser und schmeckt köstlich. Dennoch werden wir zusätzlich zur Desinfektion einen UV Filter in der Küche installieren, damit sich Bakterien keine Hoffnungen machen können. Unser Watermaker wird über das 220 V Stromnetz laufen. Es gibt auch 12 V Watermaker, die sind bei Leopard aber 6.000 € teurer – ein Mehrbetrag den man niemals wieder reinbekommt.

Fürs Schwimmen haben wir eine super Lösung entwickelt. Ka hat ein spezielles Salzwassershampoo für Kopf und Körper entwickelt, dass unglaublich erfrischt und komplett abbaubar ist. Keine chemischen Tenside oder andere Zusatzstoffe im Meer und in Riffen ist ein gutes Gefühl. Einmal einseifen, ins Wasser springen und anschließend aus der Außendusche mit ein paar Liter Süßwasser das Salz abwaschen – und man fühlt sich wie neu.

Bei langen Passagen haben wir für den Notfall zusätzlich 2 l Trinkwasser pro Person und Tag in Flaschen an Bord. Just in case. Erfahrungsgemäß verkochen wir das dann widerwillig, denn das eigene Wasser schmeckt einfach besser.

Segel

Die langen Passagen über Atlantik und Pazifik sind vor allem Vorwindkurse. Wir brauchen sein Segel setup, das einhand gut zu handeln ist. Mit einer Einmann/Frau Nachtwache, sollte keiner nachts alleine übers Deck tappern. Wir brauchen also für die Nächte ein sicheres Setup, das auch nicht bei Squalls stresst.

Unser Groß ist ein Square Top (76 m2), superdeluxe vom Steuerstand alleine zu reffen. Als Vorsegel nutzen wir eine überlappende Genua (47 m2) und einen Code D (107 m2) – beide auf Furlern. Für die Kurse platt vor dem Wind packen wir noch einen symetrischen Spi von ca. 150 m2 mit Bergeschlauch ein, damit wir 180 Grad gehen können. Unser Super Leopard Betreuer Christoph findet den Spi zwar völlig nutzlos, mit dem Genua/Code D setup. Aber die Sturheit erlauben wir uns. Nach Jahren mit Selbstwendefock freue ich mich wie Bolle auf eine richtige Genua. Den Komfort gebe ich gerne für besseres segeln auf und eine Genua zieht wesentlich besser als jede kurze Selbstwendefock. Du fühlst dich einfach mehr als Segler. Und ganz wichtig: die Headsails müssen eine UV Protection haben, wenn das Tuch ein paar Saisons erleben soll.

Komfort & Fun

Wir werden eine Aircon, eine Spülmaschine und eine Waschmaschine/Trockner an Bord haben. Alles Gewicht, aber gut für die Beziehung. Die Aircon wärmt auch, das werden wir in Cape Town sicher zu schätzen wissen. Alle Räume sind mit Ventilatoren ausgestattet und das geniale Belüftungssystem von Leopard wird den Rest erledigen.

Bein Raumplan haben wir uns für die Eignerversion entschieden, mit drei Doppelkabinen und den passenden Bädern. Die beiden Bugräume nutzen wir nur als opulente Stauräume. In der Pantry haben wir einen Gasherd, Ofen, ein paar Elektrogeräte wie Kaffeemaschine und Thermomix, Kühl- und Eisschrank und außen einen zusätzlichen Gas BBQ.

Sound für Ergriffenheit oder Party liefert eine Musikanlage, Ambiente unsere Unterwasserlichter, die nicht im Rumpf eingebaut sind. Klappfahrräder ersparen uns Blasen an den Füssen und Standup Paddels bringen uns Blasen an die Hände. Ein ordentliches Dhingi ist für die automatischen Davits easy zu handeln und der Eigner pure Freude. Für die Trampoline und zur Kontemplation legen wir uns Fatboys zu, die sich super in den Bugräumen stauen lassen – nicht das wir nicht ausreichend Relax-Zonen hätten.

Sonstige Rivercafe Ausstattung

Faltpropeller sind bei einem Kat sehr sinnvoll. 1 kn Speed soll der Unterschied ausmachen. Wir nehmen 70 m Ankerkette mit Kettenzähler. Ordentliche Navigationmit Backup und Zusatzdisplays und Datentransfer aufs Tablett, damit alles auf einen Blick zu checken ist. Die Bordsysteme werden neuerdings ebenfalls über ein Bord-Tablett gesteuert. Digitales Radar,aktiver AIS(deaktivierbar!!!), geschützter Steuerstand(damit man nachts nicht auskühlt). Für eine bessere Optik und den Fußkomfort lassen wir uns auf den Böden Flexiteak einbauen. Das ist einfach schöner.

Nicht von Leopard kommt alles was an Sicherheitsequipment nötig ist, bis zum zur personal Epirb, die eine MOB Position auf den Plotter überträgt. Iridium Go nutzen wir für die Satelliten Kommunikation für Sea Mails und GripFiles für die Wetterplanung. Mein Liebling ist unser Barograph, für die Wetterentwicklung. Dazu nehmen wir noch die Fernbedienung des Autopiloten. Einen zweiten Autopilotenbietet Leopard noch nicht, haben wir aber angefragt. Andere Werften bieten das an. Wir werden uns auch eine Alarmanlageeinbauen.

Der vermutlich größte Vorteil der langen Lieferzeit ist, dass wir ausreichend Zeit hatten unsere Ausstattung festzulegen. Wenn man den Vertrag unterschreibt und die Ausstattungslisten bekommt, fühlt man sich wie ein Kind im Spielzeugladen. Da ist ganz schnell bei jedem Extra ein Kreuz und dennoch fehlt einiges. In Kapstadt gibt es eine erfreulich gute Infrastruktur für Service und Yacht Chandler und damit werden auch all unsere Zusatzwünsche erfüllt. Wenn wir mit der Rivercafe Richtung Karibik losmachen, sollte alles so sein, wie wir uns das wünschen. Den Rest bringt die Zeit. /HB

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